24.03.2018

Ich wohne in einem Haus mit Jahresringen

Michael Muhr leitet das Kulturforum Südburgenland in Eberau. Wenn im Salon nicht gerade Gäste ein- und ausspazieren, nutzt er ihn als eigenes, öffentliches Wohnzimmer – und blättert in der Geschichte.

Protokoll: Wojciech Czaja

 

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Das Haus wurde 1904 errichtet, und zwar auf den Resten eines alten Bauernhauses. (...)

Anfang der Neunzigerjahre diente das Haus dann als Lager für die Grenzsoldaten des Bundesheers. Hier unten standen die Feldbetten der Grenzschutzkompanie. Oben im ersten Stock, in den kleinen, verwinkelten Räumen, wohnten die Offiziere.

Zuletzt stand das Haus ziemlich lange Zeit zum Verkauf. Kein Wunder! Wer kauft schon ein Haus am Rande des Landes mit 600 Quadratmetern Wohnfläche? Niemand. Außer ich halt. Ein Freund rief mich damals an und sagte: ,Du, Michael, pass auf, ich habe da ein verrücktes Haus, das niemand haben will. Ich denke, das wäre perfekt für dich.‘ Und ja, in gewisser Weise hatte er recht. Als ich den Raum das erste Mal betrat, das war 2008, war ich schockiert, denn der Zustand war desolatest – und doch fühlte ich mich von der allerersten Sekunde an irgendwie daheim. Das Haus mit seinem Charme und seinem großen Katalog an Geschichte passt einfach zu mir. Es ist ein Haus mit Jahresringen. (...)

Die Sanierung war ein Drama: Boden rausreißen, Heizung installieren, Toiletten einbauen, Putz zum Teil abschlagen, Mauern trockenlegen, neue Stromkreise einziehen, Böden einbauen, Sicherheitsvorkehrungen für Veranstaltungen treffen und so weiter. Heute kann ich sagen: Die Sanierung hat locker noch einmal so viel gekostet wie das Haus an sich. Da fließen die Tausender nur so in Strömen! Aber ich mag das Resultat, sehr sogar. Am liebsten habe ich den alten Ofen, der aus einer alten Wiener Villa stammt. Ich wärme mich gerne an diesem Ofen. Und wenn hier nicht gerade Veranstaltungen stattfinden und fremde Menschen ein- und ausgehen, dann nutze ich den Salon als mein eigenes öffentliches Wohnzimmer und sitze in diesem Fauteuil und lese stundenlang in historischen Büchern.(...)

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17.03.2018

Hinterm Hauptbahnhof zieht Leben ein

reportage: Marietta ADENBERGER

 

Das Sonnwendviertel wird gern damit beworben, dass es viele innovative Gemeinschaftseinrichtungen gibt. Fünf Jahre nach dem Einzug der ersten Bewohner zeigt sich: Manches funktioniert schon recht gut.

 

Rasant kreuzende Rollkoffer, gut besuchte Geschäfte - an einem Freitagnachmittag scheint der Hauptbahnhof zu brodeln. Kaum zu glauben, dass wenige hundert Meter weiter überraschende Stille herrscht, und das in einem von Wiens größten Neubauvierteln. Besucher und Bewohner des Sonnwendviertels tauchen in eine andere Welt ein, wenn sie die neu gebauten Hotels und die Hektik der Reisenden hinter sich gelassen.

Bei genauerem Hinsehen ist es aber gar nicht so ruhig. Auf dem Weg ins Viertel gibt es eine Abkürzung, die unter einem geförderten Wohnbau durchführt. Dort in der Passage hat sich Lisa Zentner mit ihrem Architekturbüro Studio 101 niedergelassen - gleich gegenüber einer Praxis eines Neurologen und neben einem italienischen Lokal. "Ich mag es, dass die Leute auf dem Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bei mir vorbei kommen und ich das Leben hier vom Büro aus mitbekomme." Durch die Glaswände ist umgekehrt auch die Architektin bei der Arbeit gut zu sehen. Sie bereut es nicht, ihr Büro hierher verlegt zu haben. Vor der Tür stehen ein Tisch, Sessel und bepflanzte Blumenkisten, die verraten, dass sie gerne draußen sitzt.

Die Passage ist ein gutes Beispiel für eine belebte Erdgeschoßzone, die für solche neuen Stadtquartiere wichtig ist. Dennoch ist es für Einzugswillige nicht einfach: "Es scheitert oft an Kleinigkeiten wie etwa fehlender Beschattung, die man aber auch nicht installieren darf", weiß Zentner aus eigener Erfahrung.

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08.03.2018

HAUS RIN spado_architects

spado architects

Klagenfurt - Wien

st. veiter strasse 146 | A - 9020 klagenfurt    |   alfred adler strasse 12/1/101 | A - 1100 wien

 

EINZIGARTIGE LAGE

... Der Ausblick ist atemberaubend. Man überblickt die südlichen Bergketten Kärntens, zu Füßen liegt der Ossiacher See und direkt gegenüber das Stift Ossiach.

Die Reaktion auf das Gelände ist ein dreigeschossiger Baukörper. Die einzelnen Ebenen reagieren mit unterschiedlichen Drehrichtungen auf das Gelände und schaffen durch ihre Positionierung spannende Raumabfolgen und geschützte Außenbereiche.

Der Sockel des Gebäudes wird als massiver, erdberührter Baukörper in das Gelände eingeschnitten. Um das Gebäude mit der Umgebung optimal zu verweben, wurde der Sockel parallel zu den Schichtenlinien und der die beiden Wohngeschoße beinhaltende Baukörper quer zu den Schichtenlinien positioniert. Durch diese Verdrehung entsteht im Bereich des Mittelgeschoßes eine hofartige, nach Süden und Westen hin offene Terrasse, die vor ungebetenen Blicken schützt, Winde abhält und einen geborgenen, privaten Außenraum mit herrlichem Panoramablick schafft.

Im Sockelgeschoss sind der Gästebereich, eine Wellnesszone und eine Bar samt Billardtisch untergebracht.
Das Erdgeschoß mit den Funktionen Wohnen, Kochen und Essen ist dreiseitig verglast. Die Ausblicksmöglichkeiten werden maximiert.
Die Raumaufteilung im Obergeschoss, welches die Schlafzimmer und Bäder beinhaltet,  folgt den Prinzipien des "offenen Wohnens". Die Bäder und Ankleiden werden ohne Gänge den Zimmern zugeteilt, es entstehen „fließende“ Räume.

 

>> spado architects ZT GmbH

 

>> video

 

 

 

indian-institute-of-management-DOSHI

07.03.2018

Pritzker-Preis für Architektur geht an Inder Balkrishna Doshi

Wojciech Czaja

Mit seinen Wohn-, Kultur- und Bildungsbauten will der 90-jährige Inder nicht zuletzt den Ärmsten in der Gesellschaft dienen

 

Chicago/Wien – Es war nur eine Frage der Zeit, bis der sogenannte "Nobelpreis der Architektur", nachdem er 2012 an den chinesischen Architekten Wang Shu vergeben wurde, endlich auch einmal an das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt gehen würde. Heuer ist es so weit: Der renommierte, mit 100.000 US-Dollar dotierte Pritzker-Preis 2018 geht an den indischen Architekten Balkrishna Vithaldas Doshi.

 

Doshi steht seit fast 70 Jahren im Beruf und arbeitete in den 1950er Jahren bereits mit Le Corbusier zusammen. Zahlreiche Fotos aus dieser Zeit – der Schweizer Meister mit Anzug, Hut und Rundbrille, an seiner Seite der noch junge Doshi – zeugen von der intensiven Kooperation. "Ich verdanke diese Auszeichnung nicht zuletzt Le Corbusier, der mich gelehrt hat, Identitäten zu hinterfragen und neue Ansätze für ein ganzheitliches, nachhaltiges Wohnen und Leben zu erarbeiten", so der Architekt und Stadtplaner, der heute in Ahmedabad lebt.

Doshi ist bekannt für seine an die Moderne angelehnten, oft brutalistischen, in Ziegel und Sichtbeton errichteten öffentlichen Bauten wie Konzerthallen, Universitätsgebäude und Administrationsbauten. Zu seinen wichtigsten Werken zählen das Institut für Indologie (1962, siehe Foto), die Tagore Memorial Hall (1966), die CEPT University (1966), an der er fast 50 Jahre lang weitergebaut hat, die Premabhai Hall (1976), das in grauem Stein errichtete Indian Institute of Management in Bangalore (1977), sein eigenes, 1980 errichtetes Sangath-Studio sowie die unterirdische Kunstgalerie Amdavad Ni Gufa (1994).

 

Low-Cost-Housing Gleichzeitig aber, als würden zwei Seelen in seiner Brust schlagen, setzt sich der 90-Jährige, ewig jung Gebliebene schon seit Anbeginn für die Ärmsten in der Gesellschaft ein und entwickelt einfache Konzepte für Low-Cost-Housing – darunter etwa eine Wohnsiedlung für Textilarbeiter in Ahmedabad (1960), eine soziale Wohnhausanlage für die Life Insurance Corporation (1973) sowie die wie ein fröhlicher Punschkrapfen gestrichene Aranya-Siedlung in Indore (1989). "In seinen über 100 realisierten Projekten vereint Doshi die Tradition der indischen Architektur mit lokaler Arbeit, mit Vorfertigung und mit einem Bewusstsein für Geschichte und Kultur", heißt es im Jury-Statement. "Meine Arbeit ist eine Art Verlängerung meiner Lebensphilosophie, meines eigenen Körpers, meiner insgeheimen Träume", sagt Doshi, der von 2005 bis 2007 selbst schon Pritzker-Juror war und den Preis nun vor allem dazu nutzen möchte, die indische Regierung zum Nachdenken anzuregen. "Die Regierung, die Behörden, die Städte und die Entscheidungsträger werden sich nun damit auseinandersetzen müssen, dass es auch so etwas wie gute Architektur gibt." Und die, meint der Architekt, der sich selbst 1954 den Eid abgerungen hatte, seine Arbeit nicht nur, aber auch der niedrigsten Einkommensklasse zu widmen, sei essenziell wichtig: "Architektur verwandelt Hütten zu Häusern, Gebäude zu Gesellschaften, und Städte zu Magneten voller Möglichkeiten." Der Pritzker-Preis, der bereits seit 1979 jährlich vergeben wird, wird am 16. Mai im Aga Khan Museum in Toronto übergeben. (Wojciech Czaja, 7.3.2018) - derstandard.at/2000075660776/Pritzker-Preis-fuer-Architektur-geht-an-Inder-Balkrishna-Doshi

 

 

 

04.02.2018

erlebte Bau-Qualität und Nachhaltigkeit

Gebäude: Wiedner Hauptstraße 46

Architekt: Fellner und Helmer, Fellner Ferdinand und Hermann Helmer, gegr. 1973

Errichtet: 1895

Bautyp: Gründerzeit, Straßentrakter

Quelle:  Wien Kulturgut Gebäudedatenbank

 

Das Atelier Fellner und Helmer war auf den Bau von Theatern spezialisiert und insgesamt am Bau von 48 Theatergebäuden in Europa beteiligt. Die fast schon monopolartige Stellung der Architekten in Österreich-Ungarn lässt sich darauf zurückführen, dass die Bürogemeinschaft hohe Qualität bei niedrigen Kosten und schneller Durchführung, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Professionalität garantieren konnte. Sie planten nicht nur Theater, sondern auch Kaufhäuser, Banken, Hotels, Palais, Landschlösser sowie Landhäuser und Villen, insgesamt sind mehr als 200 Bauten dokumentiert.

Trotz vieler Kriege und Brände sind fast alle Theater heute noch in Betrieb und dienen dem kulturellen Leben in vielen Städten Europas – ein Zeichen, wie zukunftsweisend die Wiener Architekten bereits im 19. Jahrhundert gebaut haben.

geplante Gebäude u.a.:

Volkstheater Wien

Etablissement Ronacher

Opernhäuser unter anderen in: Odessa, Zürich, Graz

Stadttheater unter anderen in Baden, Graz, Klagenfurt

Akademietheater Wien

Konzerthaus Wien (mit Ludwig Baumann)

Palais Rothschild,

Universitätssternwarte Wien

Warenhaus Kastner & Öhler

Schneenberghotel, Puchberg / Schneeberg

Hotel Panhans, Semmering

Quelle: Wikipedia

 

 

 

29.12.2017

Wer Gedichte liest, taugt nicht zum Populisten

text ROBERTO SIMANOWSKI

 

In der Mehrdeutigkeit liegt die Kraft

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Diese Worte des deutschen Dichters Hölderlin aus dem Jahre 1803 bilden einen guten Satz, um einen Text über die nun überall empfundene Bedrohung durch den Populismus zu beginnen.

 

Es ist ein guter Satz, nicht weil er den üblichen Aufruf, die Demokratie zu verteidigen, mit der nötigen Portion an Optimismus ausstattet, sondern weil er selbst schon den Kampf austrägt.

 

Es ist ein Satz, der einen Widerspruch als Maxime ausgibt: Die Gefahr ist gleichsam das Rettende. Und es ist ein Satz mit ungewissen Wörtern: Was genau bedeutet Gefahr und was Rettung? Und wie ist das Wachsen gemeint? Der Satz mag mit seiner Auskunft beruhigen, kommunikationspsychologisch verunsichert er durch seine Mehrdeutigkeit. Er bringt die Gefahr des Missverstehens mit sich. Genau darin liegt das Rettende, wenn es um den Populismus geht. Denn die Gefahr, die der Populismus bedeutet, ist das Schwarz-Weiss-Denken. Es gibt das Volk, das die Populisten zu vertreten vorgeben, und die Elite, gegen die sie das Volk schützen müssen. Es gibt die Guten und die Bösen. Es gibt Gefahr auf der einen, Rettung auf der anderen Seite.

 

Eindeutigkeit ist eine Illusion

 

Die Ein- und Ausschliessungen des Populismus basieren auf einer Homogenitäts- und Eindeutigkeitsillusion. Es fehlen die Zwischentöne und Schattierungen, wenn es um Zuordnung geht oder um Werte und Argumente. Es fehlt die Mehrdeutigkeit, die ein Satz wie dieser aus Hölderlins Hymne «Pathos» mit sich bringt – und die der Hymne insgesamt eigen ist, allen Gedichten Hölderlins, der Dichtung, der Sprache. Aber eben nicht der Mathematik.

 

Die symbolische Form des Populismus ist die Mathematik, und zwar zunächst in ihrer reduzierten Form als 0 und 1, dem binären Grundmodell der digitalen Medien. Dass der Populismus gerade in diesen Medien (denen wir heute das Wort «Filterbubble» verdanken) so erfolgreich ist, liegt nicht daran, dass die Kommunikation hier im 0/1-Modus steckenbliebe. Aber die meisten Interaktionen in sozialen Netzwerken sind durchaus genau dies: keine sprachlichen Kommentare oder gar poetischen Anrufungen, sondern Ja/Nein-Entscheidungen.

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16.12.2017

„Nostalgie interessiert mich nicht“ Anupama KUNDOO

interview MAIK NOVOTNY

 

Die indische Architektin Anupama Kundoo entwickelt ressourcenschonende Materialien für den Selbstbau. Wie man aus lokalen Traditionen ganz ohne Lehmhüttenromantik etwas Neues schafft, erklärt sie im Interview.

 

Sie pendelt zwischen Indien und Spanien, sie sorgte auf der Architekturbiennale in Venedig 2016 mit ihrem Selbstbauhaus aus bunten Faserbetonplatten für Aufsehen. (...) Mit dem STANDARD sprach sie über die Wohnungskrise und die Dualität von Tradition und Innovation.

 

Standard: Sie sprechen in Wien bei einem Symposium zum Thema Wohnbau. Wo sehen Sie die globalen Herausforderungen, wenn es ums Wohnen geht?

Kundoo: Wir befinden uns zurzeit in einer extremen Krise auf allen Ebenen: Die Umwelt ist in Schieflage, der soziale Zusammenhalt ist bedroht, und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Die Wohnungsfrage war bis vor kurzem keines dieser Probleme. Fragt man ein Kind, was „Wohnen“ ist, sagt es: ein Zuhause. Fragt man heute einen Erwachsene, sagt er: eine Investition. Früher wohnte man eben und verdiente sein Geld für die anderen Lebenshaltungskosten. Heute nehmen Investoren und Bewohner riesige Bankkredite auf, und die Banken, die davon profitieren, tun so, als ob sie ihnen damit einen Gefallen tun. Noch dazu sind die Standards im Wohnungsbau so hoch geworden, dass günstige traditionelle Baumethoden gar nicht mehr zulässig sind. Das betrifft längst nicht mehr nur die Armenviertel. Wenn sich selbst die, die einen guten Job haben, das Leben in Städten nicht mehr leisten können, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.

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Kundoo: Viele Gebäude vermitteln heute kaum noch ein Gefühl für den Ort, an dem sie stehen. Ob in Singapur oder Dubai, man sieht immer dieselben Glastürme. Je mehr sich die Städte global entwickeln, desto mehr Glastürme gibt es, weil diese Städte sich nicht auf ihre Tradition besinnen. Aber wie toll wäre es, wenn man an einem Ort die Verbindung zwischen der Kultur und ihren Baumaterialien erkennt! Die Fähigkeiten der Leute haben sich aus dem entwickelt, was in der Region vorhanden war, und daraus können wir eine Architektur erzeugen, die an ihrem Ort verwurzelt ist.

Standard: In der Architektur wird immer öfter über Social Design geredet. Fühlen Sie sich in dieser Kategorie zu Hause?

Kundoo: Architektur ist nicht Sozialarbeit. Wenn mein Ziel Sozialarbeit ist, gebe ich den Bedürftigen einfach direkt das Geld. Ich sehe mich eher in der klassischen Rolle der Architektin, und dazu gehören Technologie und der richtige Umgang mit Ressourcen. In Indien wohnt ein Sechstel der Weltbevölkerung, aber wir verfügen nur über 2,4 Prozent der Landmasse. Das heißt, der Boden ist unser kostbarstes Gut. Wenn europäische Architekten den Energiebedarf ihrer Häuser um 25 Prozent senken, nennt man das ökologisch. Aber wenn wir diesen Verbrauch auf Schwellenländer übertragen, bräuchten wir sechs oder sieben Planeten. Das heißt, was wir heute ökologisch nennen, ist nicht ökologisch genug. Wir müssen viel sparsamer mit Ressourcen umgehen, und dazu brauchen wir eine Balance zwischen Hightech und Lowtech.

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foto: Eleganz aus Zement und Maschendraht: Mit dem von Kundoo entwickelten Baukastensystem Full Fill Homes kann ein Zuhause binnen fünf Tagen errichtet werden. Die Wände dienen gleichzeitig als Stauraum.

 

foto: Hightech meets Lowtech: Das Wall House im indischen Auroville ist nicht nur das eigene Wohnhaus von Anupama Kundoo, sondern auch Experimentierlabor für ihre Forschung an neuen Materialien.

 

foto: Anupama KUNDOO

 

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13.12.2017

Niemand will ein Opfer sein

text HELMUT KÖNIG

 

Warum haben Menschen, die sich benachteiligt fühlen, Donald Trump gewählt? Arlie Russell Hochschild sucht nach Erklärungen

 

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA lässt auch noch ein Jahr später den politischen Puls überall in der Welt schneller schlagen. Trotz ausbleibenden Erfolgen ist die Zustimmung zu Person und Amtsführung im eigenen Land nach wie vor sehr hoch. Verwundert stellt man auf der liberalen Seite des politischen Spektrums fest, dass die Anhänger Trumps offenbar unbegrenzt leidensfähig, unbelehrbar und enttäuschungsresistent sind.

 

Die 2016 in Amerika publizierte und jetzt auf Deutsch vorliegende Studie der Soziologin Arlie Russell Hochschild bietet eine wunderbare Möglichkeit, sich auf profunde Weise darüber zu informieren, was in den Köpfen und Seelen der amerikanischen Rechten eigentlich vorgeht.

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Da wird klar, dass nicht das Wissen die Sichtweisen und Standpunkte der Leute bestimmen, sondern dass es umgekehrt eine emotional tief verankerte Haltung zur Welt ist, die den Ausschlag dafür gibt, wie sie die Geschehnisse wahrnehmen und welche Konsequenzen sie aus ihnen ziehen.

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Natürlich fragt sich der liberale Beobachter: Warum um alles in der Welt begehren sie nicht andersherum auf? Warum stellen sie keine Forderungen an den Staat? Warum machen sie nicht gemeinsame Sache mit denen, die hinter und vor ihnen in der Schlange stehen, um endlich öffentliche Förderprogramme für gute Schulen und staatliche Umweltauflagen für die allmächtige Ölindustrie durchzusetzen? Die Antwort ergibt sich aus der Tiefengeschichte: Das würde auf fundamentale Weise ihrem Selbstbild widersprechen. Sie wollen nämlich auf gar keinen Fall als hilfsbedürftige Opfer erscheinen. Das widerspräche zutiefst ihrem Stolz, der ihnen über alles geht.

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13.12.2017

Genie ist kein Freibrief

text ANDREA KÖHLER

 

Die USA schlagen das nächste Kapitel in der Sexismus-Debatte auf. Soll man Künstler und Kunstwerk auseinanderhalten?

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Die Frage ist nicht so absurd, wie sie klingt, wurde die Forderung doch jetzt bei einem anderen Bild im selben Museum laut: beim 1938 entstandenen Gemälde «Thérèse rêvant» von Balthus, einem jener allerdings ungeschminkt voyeuristischen Mädchenporträts, die den Maler von Kindern auf der Schwelle zur Pubertät schon immer dem Verdacht der Pädophilie aussetzten. Es ist dies ein nicht nur von ihm selbst, sondern zuweilen auch von Kunsthistorikern bestrittener Verdacht, der direkt ins Zentrum der gegenwärtigen Missbrauchsdebatte im Umfeld der schönen Künste führt: Sind die Kunstwerke für die sexuellen Neigungen ihrer Schöpfer zu verurteilen?

 

Der Fall Balthus beschäftigte die New Yorker Öffentlichkeit schon vor vier Jahren, als das Metropolitan Museum unter dem niedlichen Titel «Girls und Cats» eine grosse Retrospektive dieses Motivs ausrichtete; die Ausstellung wurde von einer Polaroid-Dokumentation in der Gagosian-Galerie begleitet. Die explizit sexuelle Natur sowohl dieser Fotografien als auch der Gemälde kann nur ein Blinder bestreiten wollen. Genauer gesagt: Es geht in Balthus’ Gemälden um nichts anderes als den – nicht selten direkt zwischen die Beine – gelenkten erotischen Blick.

 

Man mag diese Bilder anstössig finden, sie haben in ihrer zwischen Begehren, Unschuld und Obszönität changierenden Mischung eine abgründige Faszination. Das Merkmal von Kunst ist Ambivalenz, und dazu gehört auch das Verstörende, Grausame, Unappetitliche. Das heisst nicht, dass der Zweck alle Mittel heiligt. Doch trifft die erotische Motivierung des voyeuristischen Blicks auch auf viele Madonnen-Darstellungen zu, deren milchweisse Brüste durchaus nicht nur den mütterlichen Instinkt ansprechen. Der Moment, wo die Forderung laut wird, die Mutter Gottes vor den lüsternen Blicken der Museumsbesucher zu schützen, scheint derzeit nicht mehr weit.

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11.09.2017

Erntezeit

 

 

 

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09.09.2017

Spätsommer am Öreg Hegy

 

 

 

GartenfreudenLisaZentner-17-02-02

22.08.2017

GARTENFREUDEN #2

 

 

 

szölöskert-LisaZentner

13.08.2017

szölöskert

 

 

 

15.07.2017

In der Falle

text PETER TRUSCHNER

Woran scheitern Frauen im Kunstbetrieb? An Herrenklubs? Nicht nur, es gibt noch andere, komplexere Hindernisse für Frauen, die nicht zur Sprache kommen. Sie sind weniger offensichtlich und partiell sogar mit Tabus behaftet.

 

Im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Filmpreises (bei dem sie mit Toni Erdmann sechs Preise einheimste) hat sich die Regisseurin Maren Ade – nicht als Erste – für eine Einführung von Quoten im deutschen Film starkgemacht. Immer noch werden viel zu wenige Filme von Frauen gemacht, meint sie, eine Quote von 50 Prozent wäre wünschenswert, 30 Prozent wären schon ein Erfolg.

 

Dabei gibt es gar nicht so wenige Frauen im Filmgeschäft, und noch mehr drängen von den Hochschulen aus hinein, nicht anders als in anderen Kunstsparten. Mara Delius hat demzufolge in der Welt festgestellt: „In der deutschen Bücherwelt wimmelt es nur so von Frauen.“ Aber: „Die Mehrzahl der Entscheider sind Männer: Herausgeber, Verleger.“ Im Film ist das noch einmal ein größeres Problem, weil selbst bei überschaubaren Filmproduktionen ungleich höhere Summen im Spiel sind als im Buchhandel.

Wenn es gelänge, den Herrenklub zu sprengen, der (nicht nur) im Film über die Vergabe der großen Summen und Mittel entscheidet, würde es unbestreitbar mehr Filme von Frauen geben. Wer häufig mit Frauen in künstlerischen Berufen zu tun hat, wunderte sich auch nicht über die Erfahrungsberichte, die im Zuge von Anne Wizoreks „Aufschrei“ öffentlich wurden – die Art und Weise, wie vor allem Berufseinsteigerinnen in der Branche nicht ernst genommen und deren Sichtweisen bagatellisiert werden. Die Kostümbildassistentin, die vom Regisseur „Baby“ genannt wird? Die Cutterin, die bei der Besprechung vom Produzenten zum Kaffeeholen geschickt wird? Business as usual.

Dennoch gibt es in der Kunst noch andere, komplexere Hindernisse für Frauen, die weniger offensichtlich, partiell sogar mit gewissen Tabus behaftet sind, weshalb sie im konformistischen Strom der Medien untergehen oder erst gar nicht zur Sprache kommen. Sie gehen außerdem über das hinaus, was Delius (nicht als Einzige) als den Alleinschuldigen ausgemacht hat: „das Männersystem“. (...)

 

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02.07.2017

GARTENFREUDEN #1

 

 

 

Production-blacksteel-01

26.06.2017

BLACKSTEEL Production Prototyp sidetable & stool

 

 

 

wang-shu-wencun

22.06.2017

Bauen gegen das grassierende Vergessen

text PAUL ANDREAS

Der chinesische Architekt Wang Shu rettet bewährte Traditionen in seine modernen Bauten

 

Neue Architektur in China – das war in den letzten dreissig Jahren vor allem eine grosse Abriss-Show: Die mit dem Wirtschaftswachstum im Gleichschritt wachsende neue Mittelklasse wurde in oft seelenlosen Funktionsstädten untergebracht, die quasi über Nacht aus dem Boden gestampft wurden. Einige entstanden mitten im Niemandsland – die meisten aber auf den Trümmern oft über Jahrhunderte gewachsener Siedlungen und Kulturlandschaften. Das Bauen mit der Abrissbirne galt lange als Standardantwort auf Architekturtraditionen und daran geknüpfte soziale Identitäten.

 

Vor fünf Jahren bekam Wang Shu den renommierten Pritzkerpreis verliehen – als erster in China ausgebildeter und dort auch wirkender Architekt. Er wurde damit für ein überschaubares Œuvre geehrt, das jedoch durch seine kulturelle Eigen- und Widerständigkeit überzeugt: Anders als viele seiner chinesischen Kollegen, aber auch viele globale Stars, die sich in China in ihren Bauten oft an vage Formmetaphern klammern, knüpft der Architekt aus Hangzhou, der einstigen Kaiserstadt Südchinas, bei den konkreten Orten und dem lokalen Kontext seiner geplanten Bauten an. Sowohl in der Material- als auch in der Formensprache flimmern dabei die unter der «Planiermoderne» oft verschütteten autochthonen chinesischen Bau- und Handwerkstraditionen wieder auf – ohne dass dabei gegenwartsvergessene Imitate und kitschige Surrogate entstünden. (...)

 

Chinesische Landschaftsmalerei eröffnet Blicke auf die Natur, die im Gegensatz zur vereinheitlichenden westlichen Zentralperspektive in einer topologischen Struktur paralleler Perspektiven verankert sind: Die Berg- und Flussmotive in der Tuschmalerei werden aus unterschiedlichen Nah- und Fernsichten und damit zusammenhängenden emotionalen Geisteszuständen der Versenkung dargestellt – oft sind es Wolken und Nebelschwaden, die die Übergänge zwischen diesen in der Vertikalen angeordneten Welten herstellen.

 

Dieser Raumstruktur des Disparaten spürt auch Wang Shu in seinen Bauten nach – etwa wenn er wie im 2013 eröffneten Wa-Shan-Gästehotel des Xeishan-Campus die Funktionen in Sichtbeton-Boxen unter einem gigantischen Faltdach versammelt, das von einer überstehenden, wolkenartigen Holzsparrenkonstruktion getragen wird. Der Besucher wird von den labyrinthisch durch das Gebäude mäandrierenden Erschliessungswegen immer wieder an unerwartet pittoreske Aussichtspunkte geführt – abseitige Platzsituationen, Wasserbassins, Durchsichten in die Natur –, bis er dem langgestreckten Bau gar aufs Dach steigt: Eine über das Ziegeldach im Zickzack geführte Gangway macht die Neigungen und Steigungen physisch erlebbar und setzt sie in kontextuelle Beziehung zu den Hügeln am Horizont. (...)

 

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13.06.2017

Männer bauen Raketen

text ADRIAN DAUB

Höchstens halbe Visionäre: Elon Musk, Donald Trump und die Kunst des Silicon-Valley-Schwenks

 

Unter den Milliardären aus dem Silicon Valley hat sich eine Art Arbeitsteilung etabliert. Es gibt diejenigen, die nur dann öffentlich auftreten, wenn es ein neues Produkt vorzustellen gilt. Dann sind da zweitens jene, die sich bemühen, öffentlich vorzumachen, wie das Silicon Valley erwachsen wird: Mark Zuckerberg postet Babyfotos, während seine Frau zur Arbeit in die Klinik fährt. Und schliesslich machen jene von sich reden, die in die Welt der Klatschpresse, des Glamours, der Medien drängen, mehr Howard Hughes als Warren Buffett. (...)

Eigentlich nicht weiter überraschend, dass Musk, der mit dem Elektroautobauer Tesla und dem Solarzellenhersteller Solar City auf erneuerbare Energie setzt und damit viel Geld verdient, öffentlich mit Trumps Regierung bricht. Und dass der passionierte Raketenbauer und Weltraumträumer über die Wissenschaftsskepsis des Präsidenten nicht gerade erfreut ist. Aber Musk wurde auch gefragt: Wieso eigentlich erst jetzt? Warum hat er es so lange in Trumps Beratergremien ausgehalten?

Die Antwort darauf hat mit Musks Selbstverständnis zu tun, und mit dem Selbstverständnis der Avantgarde des Silicon Valley. Die neuen Unternehmer, die diskret der klassischen Genie-Ästhetik huldigen, inszenieren sich als über dem Partikularen, über dem Politischen schwebende Visionäre. Es geht ihnen angeblich nicht um sich, sondern um das grosse Ganze. Sie sehen sich als jene, die berufen sind, ihre Träume zu verwirklichen und damit Kalifornien, die USA, ja den ganzen Planeten zu erlösen.

Die Rhetorik der Revolution

In seiner Biografie des Milliardärs stellt der Wirtschaftsjournalist Ashlee Vance Musk als Macher, Bastler und Schöpfer dar, sozusagen als einen Henry Ford des digitalen Zeitalters. Anders als die Software-Schrauber des Silicon Valley, die auf schnelles Geld schielten, gehe er Risiken ein, die sich erst in Jahrzehnten rechneten. Anstatt sich zu überlegen, wieso die Pizza nicht schnell genug ins Haus oder das Babyfoto nicht schnell genug unter die Leute komme, suche er die Antworten auf die grossen Herausforderungen von übermorgen.

 

Das Silicon Valley verspricht gerne Revolutionen, Weltverbesserung, aber am Schluss zaubern die Herren oftmals bloss ein Telefon aus dem Ärmel oder eine App mit schicker User-Experience und verkaufen diese als Zukunft. (...)

 

Ihrem Selbstverständnis nach ist die Denkart der wahren und echten Ingenieure des Silicon Valley darauf ausgerichtet, Probleme zu identifizieren und zu lösen. Musk stilisiert sich zum Denker, der die ganz fetten Probleme angeht. Der sieht, was benötigt wird, und der die Ressourcen bereitstellt, wenn der Staat sich einmal mehr sein Scheitern eingestehen muss. (...)

Den realen Stresstest für den Planeten scheint Probsts Vorbild Elon Musk erst einmal vermasselt zu haben. Er meinte, er könne auf Trump Einfluss ausüben, derweil entschiedene Opposition dem Klimaschutz wohl eher gedient hätte. Sosehr Musk sich als visionäres Vorbild verkauft, so sehr ist auch er im Grunde genommen für das Silicon Valley auf ganz andere Weise bezeichnend. Enthusiasmus und gute Absicht wird ihm keiner absprechen, aber Anspruch und Realität klaffen, auf sehr Silicon-Valley-typische Weise, auseinander. (...)

 

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10.05.2017

Reformen in der Eurozone

text András SZIGETVARI

 

Wien/Brüssel – Die Ideen sprudeln nur so aus Emmanuel Macron heraus. Der frischgewählte französische Staatspräsident will die Eurozone kräftig umbauen. Er möchte einen Eurofinanzminister installieren und ein gemeinsames Budget aufstellen, das sich aus Steuereinnahmen aller 19 Euroländer speist. Zudem soll die wirtschaftliche Koordination verstärkt werden. Macron will auch in Berlin für mehr Investitionen zugunsten Europas werben.

Das Kernziel des Franzosen ist es, das Wachstum anzufachen und damit die Ungleichgewichte in Europa abzubauen. Um die Schieflage zu erkennen, reicht ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik.

Die Arbeitslosenquote ist in Deutschland, den Niederlanden und Österreich im Vergleich niedrig. Zugleich sind die Quoten in Europa nirgends so hoch wie im Süden, in Italien, Spanien, Griechenland und in Frankreich. Die wirtschaftliche Erholung hat überall eingesetzt. Aber in weiten Teilen Südeuropas und in Frankreich verläuft der Aufschwung so schleppend, dass sich an der sozialen Misere kaum etwas ändert.

Aber können die Reformideen Macrons die Probleme lösen? Der STANDARD hat eine Reihe von Ökonomen befragt. Einen Konsens gibt es nicht, aber ein Hindernis sehen fast alle: Deutschland.

(...)

 

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vjosa river albanien

04.05.2017

Gericht in Albanien stoppt Staudammprojekt an Vjosa

Tirana/Wien – Das Staudammprojekt „Poçem“ wurde überraschend gestoppt. Die Naturschutzorganisation Riverwatch gab am Mittwoch bekannt, dass die Richter des albanischen Verwaltungsgerichtshofs in Tirana einer Klage der Projektgegner in erster Instanz recht gegeben hätten. Umweltministerium und Baufirma haben nun die Möglichkeit, zu berufen. Die Kläger hatten das Prüfverfahren für das Kraftwerksprojekt bemängelt. Die Vjosa gilt als der letzte unregulierte Wildfluss Europas außerhalb von Russland.

 

ÖkoStandard "Der Standard" 4.5.2017

 

 

 

01.05.2017

Verantwortlich wem oder was gegenüber?

text Christian FASCHINGEDER

 

(...)

Wenn die Diskussion darüber auch nie abgeschlossen  sein  wird,  so  kann  sie  doch  zuerst eröffnet werden: Welche Interessen vertreten Ziviltechniker? Ziviltechniker sind keine Gewerbetreibenden (ZTG § 4 Abs. 5), dagegen können sie öffentliche Urkunden im Rahmen ihrer Befugnis ausstellen. Es ist also nicht das wirtschaftliche Interesse, das im Kern der Profession steckt, sondern das besondere Verhältnis zwischen konkretem Auftrag und der Wahrung bestimmter Allgemeininteressen.

Es gilt demnach, nicht nur die Verantwortung einem bestimmten Auftraggeber gegenüber zu wahren: Die Befugnis zeugt von einem Vertrag mit der Gesellschaft. Unsere arbeitsteilige Gesellschaft profitiert von solchen Verein barungen, da sie jeweils bestimmten Gruppen einige  ihrer  schwierigeren  ethischen  Dilemmata anvertraut. Sie erkennt die Vorteile einer Kooperation, die aus einer Spezialisierung und aus der Delegierung der Befugnis an jene resultiert, die eine solche im Rahmen ihrer Expertise am besten ausüben können. Deren Legitimität ist trotzdem sehr umstritten, da die Gesellschaft im Gegenzug Privilegien verleiht; darunter das ausschließliche Recht, bestimm-

te Aufgaben auszuführen, sowie das Recht auf Selbstbestimmung, auf Autonomie. Architektur etwa ist nicht nur eine technische, sondern auch eine künstlerische Disziplin: Sie folgt darin Werten und Regeln, die sich von jenen einer Mehrheit unterscheiden können. Zeigt dies nun  die  Grenzen  der  architektonischen  Freiheit auf oder jene von Mehrheitsentscheidungen? Es ist durchaus möglich, dass die öffentliche Meinung kurzfristigere Interessen verfolgt als eine Profession, deren Kernkompetenz in der Planung liegt: Ein Projekt ist immer auch eine Projektion, in die Zukunft, ins Ungewisse;  wofür  fundiert  Spekulationen  angestellt werden. Entsprechend müsste eine berufliche Ethik die Auswirkungen sozialer, wirtschaftlicher und politischer Systeme im Blick behalten, innerhalb derer die ethischen Fragen verhandelt werden.

(...)

 

>> Weiterlesen in derPlan 41, die Zeitschrift der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, NÖ und Burgenland, Mai 2017

 

 

 

23.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - TIRANA

 

 

 

22.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - BERAT - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

22.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - TIRANA

 

 

 

21.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - IONISCHE KÜSTE - DHERMI - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

20.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - BUTRINT - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

19.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - QEPARO - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

18.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - GJIROKASTRA - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

17.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  PERMET - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

16.04.2017

Albanien - Studienreise

Tirana - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - KORCA - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

15.04.2017

Albanien - Studienreise

TIRANA - Shkumbin Tal - Ohridsee - ELBASAN - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

14.04.2017

Albanien - Studienreise

TIRANA - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

TIRANA-Sou-Fujimoto©2017_LisaZENTNER

14.04.2017

Albanien - Studienreise

TIRANA, Sou Fujimoto Serpentine Gallery Pavillon - Shkumbin Tal - Ohridsee - Elbasan - Lin - Korca - Germenji Nationalpark - Vjosa - Nemerçka - Benja Thermalquellen  -  Permet - Leusa - Gjirokastra - Blaues Auge - Butrint - Qeparo - Ionischen Küste - Dhermi - Llogara Pass - Berat - Onufri Museum - Tirana

 

 

 

09.04.2017

Kreativ und risikofreudig ist nicht genug

text NORBERT REGITNIG-TILLIAN

 

Zorica Zagorac-Uremović untersucht die Denkstile von Unternehmensgründern

Vaduz – Viel wurde in der Businessliteratur schon in die erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit hineininterpretiert: dass dafür ein besonderer Charakter ausschlaggebend sei. Dass man dafür eine genetische Veranlagung brauche. Dass man besonders kreativ und risikofreudig sein müsse, um innovative Geschäftsideen zu spinnen. Zorica Zagorac-Uremović haben diese Ansätze seit jeher eher stutzig gemacht.

Die Vorarlbergerin, die 1989 mit ihrer Familie aus Bosnien-Herzegowina nach Österreich kam, hat ihre eigene Hypothese. „Es ist die kognitive Flexibilität, die für das Erkennen von innovativen Geschäftsgelegenheiten notwendig ist.“ Die 33-Jährige hat in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet und erkannt, dass erst die kognitiven Ressourcen von Menschen Innovation und Unternehmenserfolg ermöglichen.

Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Liechtenstein hat sie nun ihre These näher erforscht und die Denkstile dutzender erfolgreicher Unternehmensgründer analysiert. Zum einen in Tiefeninterviews, zum anderen mit psychologischen Diagnoseinstrumenten. Wie ticken Menschen, die eine Geschäftsgelegenheit nicht nur erkennen, sondern diese auch weiterentwickeln – bis hin zum erfolgreichen Start-up? „Die Ergebnisse sind für angehende Gründer oder weniger innovative Unternehmer sehr ermutigend“, sagt Zagorac-Uremović.

Denn entgegen dem Klischee ist das Erkennen innovativer Geschäftsgelegenheiten nicht nur den Kreativen und Risikofreudigen vorbehalten. Im Gegenteil: „Wer nur kreativ denkt und zu risikofreudig ist, hat ein Problem.“

 

In den psychologischen Tests zeigte sich, dass die Erfolgreichen neben dem kreativen Denken, das man in der Kognitionspsychologie auch „divergentes“, offenes und ideengenerierendes Denken nennt, auch noch einen anderen Denkstil gut beherrschen: das logisch schlussfolgernde Denken, auch konvergentes Denken genannt.

Zwar gilt der konvergente Denkstil in der Gründerszene gemeinhin eher als „unsexy“. Jedoch hat die Studie gezeigt, dass für das Erkennen innovativer Geschäftsgelegenheiten beide Denkstile notwendig sind. (...)

 

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05.04.2017

Innovative Ideen ohne Wirkung

text ANDRÁS SZIGETVARI

 

Der technische Fortschritt befeuert das Wirtschaftswachstum nicht mehr so wie in den vergangenen Jahrzehnten. Ein IWF-Papier findet viele Ursachen dafür. Google, Amazon und Co sind nicht allein schuld.

Wien – Es ist verflixt. Selbstfahrende Autos, Roboter, neue Apps und Softwareprogramme: Fast jeden Tag vermelden Unternehmen Fortschritte bei der Entwicklung innovativer Technologien. Doch die wirtschaftliche Realität hält mit diesen Jubelmeldungen nicht mit. Das Wirtschaftswachstum in Industrieländern hat sich zwar in

den vergangenen Monaten beschleunigt. Doch von den Wachstumsraten vergangener Jahrzehnte ist man in Europa, Japan und den USA weit entfernt.

Warum wirken sich die Innovationen nicht stärker auf Wachstum und Wohlstand aus? Kaum eine Frage wird derzeit unter Ökonomen so hitzig diskutiert. Ein Teil der Wissenschafter glaubt, dass es fehlende Reformen und zu viel Bürokratie sind, die Unternehmen daran hindern, durchzustarten. Andere denken, dass der Welt schlicht die Ideen ausgegangen sind, die Wachstum bringen.

In diese Debatte hat sich nun der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington eingeschaltet. IWF-Ökonomen haben ein Forschungspapier („Gone with the Headwinds: Global Productivity“) veröffentlicht, in dem sie dem Konnex von Innovation und Wachstum nachgehen. Das Ergebnis bietet für beide Seiten etwas. (...)

Hinzu kommt eine Reihe von Faktoren, die nichts mit der Krise zu tun haben. Google, Apple, Facebook und Co haben kaum sichtbare Spuren im Wirtschaftswachstum hinterlassen. Die Neuerungen der Informations- und Kommunikationstechnik haben laut IWF nur für eine kurze Zeit Ende der 1990er-Jahre zu einem Produktivitätsschub geführt.(...)

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eduard-angeli

05.04.2017

Einsamkeit als Sehnsuchtsort

text ANDREA SCHURIAN

Eduard Angeli gilt als Meister der Stille und des Lichts. Die Wiener Albertina würdigt den österreichischen Maler anlässlich seines 75. Geburtstags mit einer umfangreichen Retrospektive.

 

Wien – Das Museum: ein Ort der Stille. Der Stille? Ja, war einmal. Und, so ist man geneigt ganz platt hinzuzufügen, war einmal schön. In unserer durchmedialisierten Welt ist Aufmerksamkeit ein knappes Gut und Kunst ein dauererregendes, täglich frisch befülltes Unterhaltungstool, so viel Spaß muss sein. Das Leise, Konsequente, Nachdenkliche und nachdenklich Machende hat allerbeste Aussichten, übersehen zu werden.

Doch Friedrich Nietzsche schrieb: „Die größten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“ Auch insofern ist die Ausstellung von Eduard Angeli in der Albertina derzeit eines der großen Kunstereignisse in Wien.

Denn Angeli malt die Stille. In aller buchstäblichen Ruhe und geradezu skandalösen Klarheit entfaltet seine Kunst ihre ganze magische Wirkmacht: messerscharfkantige Mauern; mysteriöse Dachlandschaften; tote Städte; Geisterstrände; grau in graue Häuserfassaden mit verriegelten Fenster- und Türläden, jedes Detail übrigens mit geradezu altmeisterlicher Präzision gemalt; gespenstische Hafenszenen; Bars, hinter deren verschlossenen Türen sich die Verlorenen und Vergessenen tummeln mögen; pastellene Wasserspiegelungen von betörender Zartheit; leergefegte Gassen: Bühnenbilder, die noch auf den Auftritt der Darsteller warten. Seit fast vierzig Jahren lässt Angeli weder Mensch noch Tier in seine Kunstwelten. Sogar sich selbst hat er aus seinem Studio verbannt, nur ein verloren vor der bleichen Wand stehender Hocker lässt vermuten, wo sich der Künstler befunden hat, als er das Bild gemalt hat.

Einsamkeit als Sehnsuchtsort. Dabei, sagt Angeli, sei er eigentlich ein geselliger, optimistischer Mensch, „aber diese melancholischen Stimmungen interessieren und faszinieren mich“. Auch beim Arbeiten suche er die vollkommene Ruhe, keine Besuche, keine Musik als Stimulans. Stattdessen Konzentration auf das Wesentliche: die Kunst. (...)

 

 

 

05.04.2017

Blumentopfstreit beim Heer

text MICHAEL MÖSENEDER

 

Wien – Wenn eine Richterin „Hat der noch gelebt?“ fragt, wird gemeinhin ein Schwerverbrechen verhandelt. Im Prozess wegen schwerer Körperverletzung gegen Eva M. ist das nicht der Fall. Die Besorgnis von Richterin Nicole Baczak gilt einer Pflanze. Die soll die 44-jährige Angeklagte samt Topf einer Untergebenen auf den Fuß geschmissen haben, infolgedessen die Frau einen Knochenbruch erlitten hatte.

Schauplatz ist eine Kanzlei des Verteidigungsministeriums. Frau M. ist dort Amtsdirektorin, bis zum Vorfallstag, dem 8. August 2016, teilte sie sich mit Frau J. das Zimmer. Die scheint eine Pflanzenliebhaberin zu sein, vier Stück, darunter zwei Birkenfeigen, besser bekannt unter dem Namen Ficus, und ein Elefantenfuß, stellte sie ins Büro.

Im Sommer war Frau J. auf Urlaub. „Es war so heiß, da habe ich die Pflanzen von der Fensterbank genommen, damit man lüften kann, und einen Ficus umgestellt. Da habe ich bemerkt, dass der Lichteinfall viel besser geworden ist“, sagt die Angeklagte.

Am Tattag kam die Kollegin aus dem Urlaub zurück. „Sie ist in die Teeküche gegangen, die ist geputzt worden. Dann hat sie gleich gefragt, wer ihre Sachen umgeräumt hat“, erzählt die Unbescholtene. Dramatisch wurde es, als Frau J. in ihrem Zimmer den 1,60 Meter hohen Ficus nicht sah, der neben der Tür stand.

Aus Sicht der Besitzerin ein schlechter Platz, sie wollte ihn offenbar wieder näher ans Licht stellen. „Ich habe ihr dann eine Dienstanweisung erteilt, dass sie die Stöcke wegstellen muss“, erinnert sich die Angeklagte. „Eine Dienstanweisung?“, fragt Bazcak ungläubig. Nicht nur das hat sie, sie wollte auch den Vorgesetzten um eine letztinstanzliche Entscheidung bezüglich des Pflanzenstandorts bitten.

„Bis dahin wollte ich den Stock von der Fensterbank nehmen. Er ist mir aber auf den Boden gefallen.“ Frau J. habe sie dabei nicht getroffen. Dann habe die Kontrahentin alle Blumentöpfe ins Auto getragen und sich krankgemeldet.

„Als ich gekommen bin, war eine ganz eigenartige Stimmung, eher feindselig“, erzählt Frau J. dagegen schluchzend. Als sie ihren Ficus auf seinen angestammten Platz stellen wollte, sei die Situation eskaliert. „Sie ist herübergestürmt und hat mit der Hand den Blumentopf vom Fensterbrett geschmissen“, behauptet die 49-Jährige. Der rund fünf Kilo schwere Topf habe sie mit der Kante dann am Fuß erwischt. Im Spital sei diagnostiziert worden, dass das sogenannte Sesambein gespalten sei.

„Waren Sie früher sportlich?“, stellt der medizinische Sachverständige Christian Reiter eine zunächst überraschend klingende Frage. „Ja, ich bin gelaufen, geklettert, gewandert“, bekommt er als Antwort. Ein Umstand, der eine Rolle spielt, als Reiter sein Gutachten erläutert. „Die Dreiteilung des Sesambeins muss deutlich vor dem 8. August passiert sein“, stellt er nämlich fest. „Eine derartige Verletzung kann auch eine Ermüdungsfraktur sein, die bei Läufern vorkommt.“ – „Vereinfacht gesagt: Da war kein Blumentopf?“, bringt die Richterin es auf den Punkt. „Ich würde mit wesentlich schwereren Verletzungen rechnen, wenn es einen gegeben hätte“, antwortet der Experte.

Die logische Folge ist ein nicht rechtskräftiger Freispruch.

 

>> „Der Standard“

 

 

 

 

 

28.03.2017

Augen auf!

text PHILIPP MEIER

 

Claude Monet malt die Halluzinationen auf seiner eigenen Netzhaut: Der Meister ist in der Fondation Beyeler neu zu entdecken

 

Warum eigentlich hängen wir immer noch Bilder an unsere Wände? Wäre das nicht längst passé? Bilder, um das nackte Gemäuer zu schmücken, damit die Leere uns nicht von der Wand herab anstarrt? Vieles davon ist oft Dekoration, die gut zum Sofa passen soll. Deshalb wohl machen ernsthafte Künstler bisweilen einen Bogen um Pinsel und Leinwand, sie machen stattdessen Installationen oder gar Computerkunst. Solch sperrige und virtuelle Dinge haben keinen Platz im Wohnzimmer. (...)

Monet schlug eine entscheidende Bresche für das, was in der Kunst noch kommen sollte. Die moderne Malerei fand ihre Grundlage bei ihm, der zur Vaterfigur für Rothko, Pollock, Sam Francis, ja wohl auch Cy Twombly wurde, wie Ausstellungen nach der Jahrtausendwende in Riehen und in München aufzeigten.

Was aber malte Claude Monet denn eigentlich, wenn er die Landschaft, das Meer, die Felsen, Strände, Kathedralen, Alleen, Mohnfelder, Gärten, Teiche, Brücken – und die berühmten Seerosen malte? Monet malte all dies, und malte es auch nicht. Er malte nicht einmal Abbilder von all dem, wenn man genau hinschaut. Um selber genau hinschauen zu können, schaute Monet oft am Motiv vorbei, als wollte er eine Wahrheit desselben in der Unschärfe finden, in dessen Schattenlöchern entdecken. Um nicht einfach nur Kopist der Wirklichkeit zu sein, nahm er als Sujet bei jeder Gelegenheit bereits immer schon Abbilder in den Blick. (...)

 

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04.03.2017

Der Wandaufbau bestimmt den Geruch

text MARTIN PUSCHÖGL

 

Im Forschungspark eines Baustoffherstellers werden seit knapp zwei Jahren verschiedene Bauweisen miteinander verglichen. Dabei wird klar: Nicht nur auf die wesentlichen Dinge, auch auf Nebensächlichkeiten kommt es an.

Ein Häuschen gleicht dem anderen: Die Firma Baumit hat 2015 mit den Messungen in den neun Forschungsobjekten begonnen, kürzlich wurde eine erste Bilanz gezogen.

...

Geruch Was die beteiligten Forscher – neben der FH Burgenland noch das IBO (Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie) und die Med-Uni Wien –, aber auch Lorenz echt erstaunt hat: Trotz des bereits erwähnten dreimal täglichen Luftaustauschs über einen langen Zeitraum bleibt ein anfänglicher bauweisentypischer Geruch oft sehr lange im Haus. Die Gipskartonhäuser beurteilten Besucher noch nach 17 Monaten als olfaktorisch „auffällig“, und auch im Holzmassivhaus riecht es nach wie vor stark nach Holz. In den Beton- und Ziegelhäusern wurde der Geruch schon nach wenigen Monaten als „unauffällig“ bewertet.

_ Schadstoffe Die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (engl. Abkürzung VOC, Volatile Organic Compounds) erwies sich in allen Häusern mit Ausnahme des Holzmassivbaus nach zwei Jahren als unbedenklich. Allerdings war die Anfangsbelastung auch bei den beiden 25er-Ziegel-Häusern recht hoch. Als Grund dafür wurde später nicht die Wandkonstruktion, sondern ein bestimmter Abdichtungskleber ausgemacht.

Beim Holzhaus war die Belastung auch nach 17 Monaten noch sehr hoch. Grund dafür sind laut Lorenz die holzeigenen Terpene, die aber auch für den typischen, oft auch gewünschten Holzgeruch sorgen.

Der Umweltanalytiker Bernhard Damberger vom IBO, der im Auftrag von Baumit die Luftschadstoffmessungen durchgeführt hat, erklärt dazu im Gespräch mit dem Standard : Ja, die Werte seien stark erhöht gewesen; zurückzuführen sei das aber einerseits auf die hier verwendete Holzart (Kiefer), andererseits auf den geringen Rauminhalt der Häuser aufgrund der knapp bemessenen Kubaturen. „Dadurch wirkten sich die Harzausdünstungen natürlich umso stärker auf die Raumluft aus“, sagt Damberger. „Und mit Fichte oder Tanne hätte es ganz andere Ergebnisse gegeben.“ Generell sei die VOC-Belastung in Holzhäusern in den allermeisten Fällen unbedenklich.

Kleber als Schadstoffquelle

Auch Damberger weist auf die Probleme mit dem Abdichtungskleber hin. Dadurch seien die Ergebnisse mancher Häuser leicht verfälscht worden. Für den Experten resultiert daraus wiederum eine sehr wichtige Erkenntnis: „Wer besonders umweltbewusst bauen will, sollte neben den großen Entscheidungen unbedingt auch sehr auf die eher nebensächlichen Dinge achten.“ Ein Kleber, über den man sich nicht so viele Gedanken macht, und der unter Umständen auch ohne Wissen eines Bauherren von Handwerkern sorglos verwendet wird, kann sich auf die Luftqualität verheerend auswirken und damit fast noch entscheidender sein als die gewählte Bauweise.

...

Das Projekt Viva-Forschungspark war von Baumit für zunächst drei Jahre angelegt und kostete den Konzern bisher rund drei Millionen Euro. Im Frühjahr werden direkt angrenzend an die bisherigen Forschungshäuser aber auch noch zwei „Gründerzeithäuser“, gebaut mit Backsteinziegeln wie vor hundert Jahren (siehe Foto), in Betrieb genommen. Eines davon wird lediglich verputzt, das zweite bekommt eine Dämmung samt Außenputz. „Hier werden wir der Frage auf den Grund gehen, ob eine nachträgliche Wärmedämmung beim Gründerzeithaus sinnvoll ist und wie sie sich auf die Substanz auswirkt“, so Schmid.

Auch in den neun schon bisher verwendeten Forschungshäusern werden noch weitere Tests stattfinden. Lorenz berichtet von geplanten Luftionenmessungen. Mit welcher Bauweise kann Feinstaub am besten aus der Luft gefiltert werden? Mit dieser Thematik will man sich demnächst in Wopfing eingehend beschäftigen.

Fotos: Putschögl, Baumit Bild oben: Zwei „Gründerzeithäuser“, gebaut mit Wänden wie vor 100 Jahren, werden in dem Forschungspark demnächst in Betrieb genommen. Auf dem unteren Bild ist die versetzte Bauweise der Häuser zu sehen, damit sie sich nicht gegenseitig beschatten.

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03.03.2017

Bauzeit und Miete rekordverdächtig gering

text JUTTA BERGER

Mit „Wohnen 500“ schafft die gemeinnützige Vogewosi, was in Vorarlberg lange unmöglich schien: leistbares Wohnen für 500 Euro pro Monat in guter Architektur und mit wenig Umweltbelastung.

 

Dornbirn – Aus der Vorgabe des Landes, rasch und günstig Wohnraum für Konventionsflüchtlinge zu schaffen, hat die Vogewosi ein inklusives Pilotprojekt für leistbares Wohnen gemacht. Die ersten Beispiele für „Wohnen 500“ sind zwei Wohnanlagen in Mäder (Bezirk Feldkirch).

Die beiden dreigeschoßigen Mehrfamilienhäuser mit je zehn Wohneinheiten stehen an der Ortsgrenze zu Altach. „Ideal gelegen für Fußballfans, zum Stadion sind es nur ein paar Meter zu Fuß“, freut sich einer der jungen Bewohner. In der neuen Anlage leben seit Dezember des Vorjahres sechs Flüchtlingsfamilien aus Syrien und Afghanistan, 13 Familien aus Mäder und Umgebung, darunter neun alleinerziehende Mütter und zwei Wohngemeinschaften.

Das vom Dornbirner Architekturbüro Johannes Kaufmann und der Bregenzerwälder Firma Kaufmann Bausysteme entwickelte Modulsystem habe die Premiere bravourös bestanden, freut sich Vogewosi-Geschäftsführer Hans- Peter Lorenz: „Die Rekordbauzeit von nur drei Monaten wurde pünktlich eingehalten.“ „Wohnen 5002 steht für Drei-Zimmer-Wohnungen, die 65,2 Quadratmeter groß sind und inklusive Nebenkosten monatlich nur 500 Euro Miete kosten. Die für Vorarlberger Verhältnisse „rekordverdächtig niedrigen“ Mieten werden durch Einsparung bei den Errichtungskosten möglich, erklärt Lorenz.

Gespart wird durch die Modulbauweise. Jedes Zimmermodul in Massivholz wird im Werk vorgefertigt, inklusive der Installationen. An Ort und Stelle werden die Zimmermodule zu Wohnungen um das zentrale Stiegenhaus gruppiert. Man möge nicht von Containern sprechen, wünscht sich Lorenz. „Die Gebäude sind langfristig angelegt, auf 80 Jahre plus. Das sind keine Container, die man gleich abreißt.“ (...)

Um niedrigere Bau- und Wohnkosten zu erreichen, wurde klug eingespart. Verzichtet wird auf einen Lift, die barrierefreien Wohnungen befinden sich im Erdgeschoß. Die Gebäude sind nicht unterkellert, haben keine Tiefgarage. Stauraum gibt es dennoch: Die Wohnungen haben eine Abstellnische, im Erdgeschoß steht jeder Einheit ein Kellerabteil zur Verfügung, zusätzlich allgemeine Fahrrad- und Trockenräume.(...)

 

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23.01.2017

Reise zum Mittelpunkt der Leere

Was passiert, wenn Knappheit selber knapp wird? Wir erleben derzeit das Ende der Narrationen, die unsere aufgeklärte Demokratie und Volkswirtschaft von innen getragen haben. Gastkommentar von Fritz Breithaupt und Martin Kolmar

 

«Du bist der Held deiner eigenen Geschichte.» Der Optimismus des Mythenforschers Joseph Campbell in seinem Satz von 1949 klingt heute wie ein unerreichbarer Anspruch. Wo ist die Geschichte, in der ich als Held auftreten kann? Wo sind die erzählerischen Angebote unserer politischen Ordnung, die Platz für uns haben?

 

Wenn wir die grossen, ökonomisch-politisch wirksamen Narrative der Vergangenheit anschauen, zeigt sich, dass eine Mehrzahl Geschichten des Mangels und der Abwesenheit waren. Ökonomisch gewendet waren es Erzählungen der Knappheit. Ein Held ringt mit dem Schicksal, um einen Mangel auszugleichen und das Glück zu erringen. In den Robinsonaden und Utopien musste aus einer kleinen Welt ohne Zivilisationsgüter eine neue Welt gebastelt werden.

Besonders wirkungsmächtig war die Narration der protestantischen Ethik. Weil man nicht wusste, wie Gott am Jüngsten Tag richten würde, forderten sich die frühen protestantischen Helden vorsichtshalber in allen heiklen Verhaltensweisen Enthaltsamkeit ab. Die auf das Jenseits verlegte Darstellung wurde, so Max Weber, dann auch auf das Diesseits gelenkt. Auch im Wirtschaften versagten sich die Protestanten schnelle Wunscherfüllung, sie arbeiteten hart und sparten. Anders gesagt: Sie zwangen sich dazu, die Güter als knapp zu sehen, und erhoben Askese zur Struktur ihres Handelns.

 

Das Paradox der Demokratie

Narrationen der Fülle haben einen Ausnahmecharakter und verweisen damit zurück auf Erzählungen der Knappheit als Grundstruktur. Dies geschieht in der Vision des Schlaraffenlands, aber auch den Eskapaden des feudalen Adels, der sich im Gegensatz zum Volk durch Verschwendung definiert. Gerade in diesen Erzählungen zeigt sich, dass der Inhalt der Knappheitsgeschichten die menschliche Arbeit war.

 

Doch was passiert, wenn Knappheit selbst knapp wird? Es ist ja eigentlich ein Treppenwitz: Wir nähern uns einer Welt an, in der Menschen von der Last unangenehmer Arbeit mehr und mehr entlastet werden können. Auch wenn es nicht der Wahrnehmung aller Menschen entspricht, präsentieren sich unsere westlichen Demokratien als erstaunlich gesättigt. Knappheit scheint eher ein Verteilungs- als ein Mengenproblem zu sein. Und dennoch: Was einmal als Utopie erschien, verwandelt sich zunehmend in eine Dystopie von Arbeits- und Sinnlosigkeit und den Grenzen des quantitativen Wachstums. (...)

 

In den Geschichten der Knappheit waren Lebenssinn und Wertschätzung an den Produktionswert geknüpft: Wir verdienen, was wir verdienen. Arbeit erlaubte nicht nur einer Elite Selbstverwirklichung, sondern prinzipiell allen. Doch mit einer Überwindung materieller Knappheit ist das gesamte Narrativ dysfunktional. Ohne materielle Knappheit funktioniert auch die Narration der protestantischen Ethik nicht mehr – insbesondere auch, weil in zunehmend säkular werdenden Gesellschaften keine Belohnung in der Ewigkeit mehr zur Verfügung steht. Sie wird höchstens noch zu einem sonderbaren mentalen Akt, sich künstlich zur Annahme von Knappheit zu zwingen. (...)

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©2016 lars müller publishers

12.01.2017

bücher bauen - lars müller

Lars Müller zählt als Grafiker und Verleger zu den wichtigsten „Übersetzern“ von Architektur, Design, Fotografie, Grafik, Kunst und gesellschaftspolitischen Themen in das Medium Buch. Mit seinem 1982 gegründeten Büro gestaltet er Bücher, die nicht nur zum Anschauen und Lesen, sondern auch zum Fühlen und Berühren gedacht sind. Sein erstes Buch verlegte er 1983, seither sind im Verlag Lars Müller Publishers etwa 600 Titel erschienen, die thematisch alle Aspekte der Gestaltung umfassen, aber auch gesellschaftspolitische Fragestellungen aufgreifen.

In der Ausstellung "Bücher bauen" im aut zeigt Lars Müller eine Auswahl an 100 von ihm gestalteten wie verlegten Büchern, die einen konzentrierten Einblick in seine Welt des Büchermachens bieten. Ergänzt um von Lars Müller selbst verfassten Hintergrundinformationen und einem Interview mit ihm, werden Parallelen zwischen der Buchgestaltung und der Architektur sichtbar.

 

Eine Ausstellung von aut. architektur und tirol von
25. november 2016 bis 17. feber 2017


öffnungszeiten
Di – Fr 11.00 bis 18.00 Uhr
Do 11.00 bis 21.00 Uhr
Sa 11.00 bis 17.00 Uhr
an Feiertagen geschlossen

 

aut im Adambräu
Lois Welzenbacher Platz 1
6020 Innsbruck, Austria
t +43 (512) 57 15 67

 

 

 

bodega-kieninger

06.12.2016

Blaufränkisch-Reben in Südspanien

text JAN MAROT aus Ronda/Spanien  foto WOLFGANG STADLER

Dass Zweigelt- und Blaufränkisch-Reben in Südspanien gedeihen, ist das Verdienst des Österreichers Martin Kieninger. Der Autodidakt keltert daraus Spitzen-Cuvée-Weine.

 

Es ist glücklichen Zufällen und der Liebe zu verdanken, dass es Zweigelt- und Blaufränkisch-Reben nach Südspanien geschafft haben und im andalusischen Hügelland von Ronda (Málaga) gedeihen. Martin Kieninger, der 1960 in Ried im Innkreis geboren wurde, war der Pionier, der mit seiner aus Granada gebürtigen Ehefrau Ana Montenegro typisch österreichische Rebsorten zu Spitzen-Cuvée-Weinen in Barrique-Fässern ausbaut.

Dafür importierte Kieninger ab dem Jahr 2000 erst einmal 50, dann mehrere tausend österreichische Rebstöcke. Diese wachsen nun neben autochthonen Sorten wie der alten, in Westandalusien vor der Vergessenheit geretteten Rota Tintilla nebst Garnacha Tinta oder aber auch Klassikern wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Pinot Noir. „Besonders der Blaufränkische kommt mit der Hitze sehr gut zurecht. Dessen Trauben erreichen immer die volle Reife“, sagt der einstige Architekt und mittlerweile hauptberufliche Winzer Kieninger.

Vor mittlerweile 25 Jahren und auf knapp 3000 Meter Seehöhe in einer Skihütte der Sierra Nevada lernte er seine große Liebe Ana kennen. Nach acht gemeinsam in Österreich verbrachten Jahren zog es sie mit ihren zwei Kindern 1998 zurück in den Süden: „Meiner Frau was es zu kalt in Bad Ischl“, sagt Kieninger, der bei einer Rundreise zufällig auf ein Grundstück bei Ronda stieß. Sukzessive ließ er es zum Weingut werden: „Erst als Hobby mit ein paar Behältern und einer kleinen Presse im Keller.“

Rund 7000 bis 10.000 Liter Spitzenweine mit Ökosiegel produziert er mittlerweile jährlich – auf fast vier Hektar Weinbergfläche, umgeben von Hecken aus Granatapfelbäumen, Brombeersträuchern oder Wildrosen.

 

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restricted-areas-danilo-tkachenko01

19.11.2016

Danila Tkachenko "Restricted Areas"

Artist Talk and Brunch during the ViennaArtWeek: November 19, 2016 at 11am


Exhibition goes from November 5, 2016 to January 31, 2017
The exhibition is part of EYES ON - Month of Photography Vienna

BROTFABRIK GalleryWalk on November 16, 2016, 6-9 pm
 

at AnzenbergerGallery
Absberggasse 27, 1100 Vienna
Opening hours: We - Sa 1 to 6 pm or by appointment

 

Danila Tkachenko (b. 1989 in Moscow) studied documentary photography at the Rodchenko School of Photography and Multimedia in Moscow. Besides the European Publishers Award for Photography he also won the Lensculture Exposure Award (2015) and the World Press Photo Award (2013). Lately, his works were exhibited in the following institutions: Finnish Museum of Photography, Helsinki (FI), Indira Gandhi National Centre for the Arts, New Delhi (IN), Center for Contemporary Arts, Santa Fe (US), and Gallery of Classic Photography, Moscow (RU).

 

 

 

19.11.2016

Vie­le Nor­men ma­chen Woh­nen teu­er

text FRANZISKA ZOIDL

 

Spa­ren bis zur letz­ten Steck­do­se

Vie­le Nor­men und ho­he Grund­stück­sprei­se ma­chen Woh­nen teu­er. Ein Vor­arl­ber­ger Bau­trä­ger hat ein Wohn­kon­zept für ei­ne jun­ge Ziel­grup­pe er­ar­bei­tet, bei dem die Be­woh­ner die Glüh­bir­nen selbst aus­wech­seln.

 

Wol­len Sie ei­nen Licht­schal­ter um je­weils 36 Eu­ro rechts und links vom Bett – oder reicht ei­ner in der Mit­te? Und brau­chen Sie als Be­woh­ner des zwei­ten Stock­werks ei­nen Lift, wenn sich die­ser mit 40 Eu­ro pro Mo­nat auf die Be­triebs­kos­ten nie­der­schlägt?

Das woll­te Wil­fried He­fel, Ge­schäfts­füh­rer des Vor­arl­ber­ger Bau­trä­gers He­fel Wohn­bau, von 500 Men­schen im Al­ter zwi­schen 25 und 35 Jah­ren wis­sen. „Wir ha­ben bis zur letz­ten Steck­do­se al­les ab­ge­fragt und mit Kos­ten hin­ter­legt“, er­zählt er von dem Pro­jekt, das ge­mein­sam mit ei­nem un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten­te­am durch­ge­führt wur­de.

Der Hin­ter­grund: Für jun­ge Men­schen wird es an­ge­sichts stei­gen­der Im­mo­bi­lien­prei­se im­mer schwie­ri­ger, Ei­gen­tum zu be­grün­den. He­fels Ziel bei der Grün­dung von Ri­va Ho­me im Jahr 2012 war, bei den Pla­nungs- und Er­rich­tungs­kos­ten 30 Pro­zent ein­zu­spa­ren: „Wenn zwei Drit­tel der Ziel­grup­pe bei der Be­fra­gung ge­sagt ha­ben ‚so möch­ten wir’s‘, dann ha­ben wir das so ge­macht.“

Zwei Aus­nah­men: Ei­gent­lich ha­ben sich die Be­frag­ten ge­gen die Pla­nung durch ei­nen Ar­chi­tek­ten und für ei­ne bil­li­ge­re Bau­wei­se mit da­mit ein­her­ge­hen­den hö­he­ren Be­triebs­kos­ten aus­ge­spro­chen. Am En­de wur­den aber vom Vor­arl­ber­ger Ar­chi­tek­ten Car­lo Baum­schla­ger von Baum­schla­ger Hut­ter Part­ners Nie­dri­ge­ner­gie­häu­ser ge­plant. „Wir woll­ten ei­ne ge­schei­te Ar­chi­tek­tur und en­er­ge­tisch Sta­te of the Art sein“, so He­fel.

Drei fix und fer­ti­ge Wohn­haus­ty­pen wur­den ent­wi­ckelt. So wer­den Pla­nungs­kos­ten ge­spart. Zu­dem wird mit den Woh­nun­gen erst nach de­ren Fer­tigs­tel­lung in den Ver­kauf ge­gan­gen. „Das be­deu­tet, dass das Bau­trä­ger­ver­trags­ge­setz nicht gilt, das Kun­den vor dem Kon­kurs des Bau­trä­gers in der Bau­zeit schützt“, er­klärt He­fel. So wer­den Kos­ten – et­wa für Bank­ga­ran­tien und Sach­ver­stän­di­ge – ge­spart. Die Pla­nungs­pha­se kann der Kun­de so nicht be­ein­flus­sen, was das Bau­en laut He­fel wie­der­um güns­ti­ger macht.

„Über­haupt wer­den die meis­ten Ein­spa­run­gen durch Weg­las­sen er­reicht“, sagt He­fel. Den ein­gangs er­wähn­ten Lift gibt es nicht. Da­für gibt es ei­nen Lift­schacht, der tem­po­rär als Stau­raum für die Be­woh­ner ge­nutzt wer­den kann. Auch auf ei­ne Un­ter­kel­le­rung oder ei­ne Tief­ga­ra­ge so­wie auf gro­ße Ter­ras­sen oder ei­ne Fuß­bo­den­hei­zung wur­de ver­zich­tet.

Au­ßer­dem wur­de ei­ne App ent­wi­ckelt, die da­bei hel­fen soll, die Be­triebs­kos­ten zu sen­ken. Stellt ein Be­woh­ner fest, dass die Glüh­bir­ne im Stie­gen­haus aus­ge­brannt ist, dann be­nach­rich­tigt er Be­woh­ner und Haus­ver­wal­tung mit­tels App. Wenn sich bin­nen 24 Stun­den kein Be­woh­ner be­rei­ter­klärt, die Glüh­bir­ne aus­zu­wech­seln, dann schickt die Haus­ver­wal­tung ei­nen Kos­ten­vor­an­schlag. „So wird den Kun­den klar, dass ei­ne sol­che Maß­nah­me viel Geld kos­tet. Un­se­re Er­fah­rung ist: Die Leu­te wech­seln dann al­les selbst“, so He­fel.

 

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12.11.2016

Meis­ter der Ir­ri­ta­ti­on

Her­mann Czech ist ein welt­be­kann­ter Na­me. Zu­min­dest in der Ar­chi­tek­tur­welt. Im brei­ten Pu­bli­kum je­doch, meint er, ken­ne ihn fast nie­mand. Dem wol­len wir zum 80. Ge­burts­tag ab­hel­fen.

 

In­ter­view: Woj­ciech Cza­ja

Stan­dard: Sie ha­ben sich ge­wünscht, vor un­se­rem Ge­spräch ei­nen Blick auf mei­ne Fra­gen zu wer­fen. Jetzt sind Sie un­glü­cklich.

Czech: Auf vie­le die­ser Fra­gen fin­de ich kei­nen Ein­stieg. Ich bin et­was rat­los.

Stan­dard: Sie ha­ben Ge­burts­tag. Wün­schen Sie sich ei­ne Ein­stiegs­fra­ge!

Czech: In ei­ner Ih­rer Fra­gen ist von der Ir­ri­ta­ti­on in mei­ner Ar­beit die Re­de. Da­rü­ber wür­de ich ger­ne spre­chen.

Stan­dard: Bit­te!

Czech: Ich hö­re oft, dass man­che Men­schen von mei­ner Ar­chi­tek­tur ir­ri­tiert sind. Das ist ei­ne be­grün­de­te Be­ob­ach­tung. Das ist aber kein Selbst­zweck. Die Ir­ri­ta­ti­on kommt ja nicht da­her, dass ich da­rü­ber nach­den­ke, wo­mit ich ir­ri­tie­ren könn­te. Sie ist viel­mehr ei­ne un­aus­weich­li­che Ne­ben­wir­kung mei­nes Ent­wurfs­an­sat­zes, mei­ner Ver­fol­gung von ver­schie­de­nen Ge­dan­ken­gän­gen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen.

Stan­dard: Zum Bei­spiel?

Czech: Das kön­nen ganz prag­ma­ti­sche Über­le­gun­gen sein – sa­gen wir auf­grund des Ge­brauchs oder der Kos­ten­er­spar­nis. Das kön­nen aber auch be­ab­sich­tig­te Raum­wir­kun­gen oder As­so­zia­tio­nen sein. Manch­mal sind das auch Zi­ta­te aus der Ar­chi­tek­tur­ge­schich­te oder aus der tri­via­len All­tags­welt.

Stan­dard: Als ich das er­ste Mal das von Ih­nen ge­plan­te Klei­ne Ca­fé am Fran­zis­ka­ner­platz be­tre­ten ha­be, ha­be ich mir den Kopf da­rü­ber zer­bro­chen, aus wel­cher Epo­che das Lo­kal stam­men mag.

Czech: Das hö­re ich im­mer wie­der.

Stan­dard: Sie spie­len ger­ne mit der Zeit. Sie zi­tie­ren, ver­fäl­schen und füh­ren den Be­trach­ter mit Ih­ren Räu­men und Häus­ern an der Na­se he­rum.

Czech: Die Zeit ist ei­ne Di­men­si­on, die man in der Ar­chi­tek­tur an­spie­len kann. (...)

Stan­dard: Der „Fal­ter“ be­zeich­net Sie als heim­li­chen Sta­rar­chi­tek­ten, den kei­ner kennt. Wie geht es Ih­nen da­mit?

Czech: Da ist was dran. Der deut­sche Kunst­ver­mitt­ler Ka­sper Kö­nig hat kürz­lich über den Be­griff „Ar­tists’ Ar­tists“ ge­schrie­ben, al­so von Künst­lern, die nur Künst­lern be­kannt sind. Und er mein­te, ich sei ein „Ar­chi­tects’ Ar­chi­tect“. Ar­chi­tek­ten ken­nen mich, auch in­ter­na­tio­nal, aber für Me­dien und Pu­bli­kum ist der Czech un­be­kannt.

Stan­dard: Ar­chi­tek­ten ver­ge­ben kei­ne Auf­trä­ge.

Czech: Eben! Aber mit Ar­chi­tek­tur kann man eh nicht wirk­lich reich wer­den. Phi­lip John­son mein­te ein­mal, als Ar­chi­tekt müs­se man von vorn­her­ein reich sein oder ei­ne rei­che Frau ha­ben.

Stan­dard: Und?

Czech: We­der noch.

Stan­dard: Wie hat sich der Job des Ar­chi­tek­ten ver­än­dert? Ist er leich­ter oder schwe­rer ge­wor­den?

Czech: Schwe­rer. Und vor al­lem läs­ti­ger. Manch­mal sind Bau­vor­schrif­ten und Nor­men un­nö­tig läs­tig.

Stan­dard: Sind es nicht die Zwän­ge, die ...

Czech: ... doch, doch, Zwän­ge sind in­spi­rie­rend und kön­nen zu in­no­va­ti­ven Lö­sun­gen füh­ren. Aber wenn man nur mehr ge­ra­de Trep­pen und 80 Zen­ti­me­ter brei­te WC-Tü­ren bau­en darf, dann hört sich die Ar­chi­tek­tur auf. Dann be­ginnt die räum­li­che Ver­ar­mung. (...)

 

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11.11.2016

Schillerndes Puzzle aus Wasser und Reis

Im Südwesten Chinas hat das Volk der Hani eine der aussergewöhnlichsten Kulturlandschaften der Erde geschaffen.

Mit ihren Terrassen trotzen die Reisbauern den Bergen fruchtbares Land ab.

text  KARIN STEINBACH TARNUTZER

 

(...) Während der Sui- und der Tang-Dynastie begannen die Hani – aus dem Norden Chinas eingewanderte Bauern – die Hänge der Ailao- Shan-Berge zu terrassieren, um Anbauflächen zu gewinnen. Über die Jahrhunderte wuchs das Puzzle aus Terrassen höher und höher. Je steiler der Hang, umso kleiner wurden sie angelegt; vom Tal, das auf 150 Metern über Meer liegt, reichen die nahezu 3000 Stufen bis auf 2900 Meter hinauf. Zentrale Bedeutung kommt dem Wasser zu, wie Lin Chang erläutert: Über ein komplexes System von Kanälen fliesst es aus den oberhalb gelegenen Wäldern auf die Reisfelder. Durch die Mauern aus gestampftem Lehm werden Bambusrohre geschlagen, die mit einem Pfropfen verschlossen werden können. Auf diese Weise regulieren die Hani den Zufluss. Im Winter bleiben die Terrassen mit Wasser gefüllt, damit die Lehmwände nicht austrocknen. Ende März pflügen die Männer mithilfe von Wasserbüffeln den Boden. (...)

120 Tage dauert die Wachstumsphase des «roten Reises», den die Hani anbauen, im Unterschied zum Klebreis eine härtere Sorte mit leicht rötlicher Haut. Im September schneiden die Frauen den reifen Reis und schlagen noch auf dem Feld die Körner aus den Pflanzen, die Männer füllen sie in Säcke und transportieren sie zum Schälen in die Dörfer. Das Reisstroh wird, für die Wasserbüffel, in Garben auf den Feldern getrocknet oder aber verbrannt und die Asche als Dünger ausgebracht. Der natürlichen Düngung dient auch die Tierhaltung, denn in den Terrassen gedeiht nicht nur Reis. Die Hani züchten in ihnen Aale und andere Fische sowie Enten. Am frühen Morgen kann man Frauen begegnen, die ihre Enten in Körben auf dem Rücken zu den Wasserflächen tragen. Zusätzlich werden auf den Reisfeldern Pflanzen aus der Bohnenfamilie angebaut, die Bakterien binden und Stickstoff erzeugen. Eine spezielle Wasserschneckenart vertilgt im Wasser auftretende Schädlinge.

Weltkulturerbe

Diese nachhaltige Anbaumethode, von einer Generation zur anderen weitergegeben, hat dafür gesorgt, dass die Erträge trotz der Monokultur stets konstant blieben. Sie bewog 2013 die Unesco dazu, die Hani-Reisterrassen zum Weltkulturerbe zu ernennen. Die örtlichen Tourismusmanager argumentieren lieber mit der räumlichen Ausdehnung der Terrassen, ihrer langen Entstehungszeit und der Anzahl der Menschen, die sie angelegt haben. Sie bezeichnen die Landschaft als «das weltweit grösste Werk der bildenden Kunst» (...)

 

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09.11.2016

Eu­ro­pas Wett­be­werbs­vor­teil war die Ge­walt

Die Händ­ler der in­di­schen Stadt Su­rat, der größ­ten Ha­fen­stadt des Mo­gul­reichs, wa­ren den Eu­ro­pä­ern lan­ge Zeit über­le­gen, sagt der His­to­ri­ker San­jay Sub­rah­ma­ny­am. Ihr Er­folg wer­de im heu­ti­gen In­dien zu we­nig be­ach­tet.

IN­TER­VIEW: Eric Frey

 

Stan­dard: Su­rat, ei­ne Mil­lio­nens­tadt im heu­ti­gen nord­west­in­di­schen Bun­des­staat Gu­ja­rat, war vom 16. bis zum 18. Jahr­hun­dert nach Ih­rer Be­schrei­bung ei­ne welt­of­fe­ne, to­le­ran­te und dy­na­mi­sche Han­dels­stadt. Das ist ein Bild, das man eher mit eu­ro­päi­schen Han­dels­städ­ten as­so­ziiert. Wie ähn­lich war Su­rat et­wa Ams­ter­dam?

Sub­rah­ma­ny­am: Ams­ter­dam gilt für die­se Zeit als ei­ne Art Mess­lat­te. Da­bei war die Of­fen­heit dort eher be­schränkt. Da wa­ren nur Pro­test­an­ten, ei­ni­ge Ju­den, kaum Ka­tho­li­ken und kei­ne Mus­li­me. Vie­le Städ­te im In­di­schen Oze­an wa­ren di­ver­ser und of­fe­ner. In Su­rat konn­te sich je­der nie­der­las­sen.

Stan­dard: Hat die­se Of­fen­heit Su­rat auch wohl­ha­bend ge­macht?

Sub­rah­ma­ny­am: Steu­ern und Zöl­le wa­ren nie­drig. Das Mo­gul­reich war vor al­lem am frei­en Han­del mit Edel­me­tal­len in­te­res­siert, die wur­den gar nicht be­steu­ert. Die Reichs­ten in Su­rat wa­ren si­cher so reich wie die Händ­ler in Ams­ter­dam. Es war ei­ne un­glei­che Ge­sell­schaft, aber die Un­gleich­heit war nicht so groß wie heu­te.

Stan­dard: Wie glo­bal war die­ser Han­del?

Sub­rah­ma­ny­am: Schif­fe aus Su­rat se­gel­ten bis nach Chi­na und nach Ost­afri­ka. Dass sie nicht nach Eu­ro­pa ka­men, lag da­ran, dass die Eu­ro­pä­er das nicht er­laubt ha­ben. Sie ver­tei­dig­ten ihr Han­dels­mo­no­pol rund um Afri­ka.

Stan­dard: Und Ko­lo­ni­al­rei­che woll­ten die Mo­guln nicht er­rich­ten?

Sub­rah­ma­ny­am: Nein, das ta­ten nur die West­eu­ro­pä­er, das wa­ren selt­sa­me Men­schen. Sonst hat nie­mand da­ran ge­dacht, in die Welt hin­aus­zu­se­geln und und fer­ne Ko­lo­nie zu grün­den. Er­obert wur­den nur an­gren­zen­de Ge­bie­te.

Stan­dard: Aber die chi­ne­si­sche Ming-Dy­nas­tie bau­te im 15. Jahr­hun­dert rie­si­ge Flot­ten.

Sub­rah­ma­ny­am: Ja, aber sie ha­ben ih­re Schif­fe nie für die Er­obe­rung von Ko­lo­nien ge­nutzt. Sie se­gel­ten bis nach Ost­afri­ka, sie de­mon­strier­ten ih­re Macht und for­der­ten Tri­but. Aber sie blie­ben nicht.

Stan­dard: Aber auch mus­li­mi­sche Rei­che woll­ten Macht und den Glau­ben über­all­hin tra­gen.

Sub­rah­ma­ny­am: Das war an­ders. Mus­li­me er­ober­ten In­dien und lie­ßen sich dann dort nie­der. Die Eu­ro­pä­er hat­ten das nie vor. Für sie blieb die Me­trop­ole im­mer an­ders­wo, sie schick­ten nur tem­po­rä­re Ver­tre­ter.

Stan­dard: Wie er­klärt sich die­ser Un­ter­schied?

Sub­rah­ma­ny­am: Die Eu­ro­pä­er be­ton­ten den Un­ter­schied zu den an­de­ren viel mehr. Sie wa­ren nicht be­reit, Teil ei­ner an­de­ren Ge­sell­schaf­ten zu wer­den, zu­min­dest nicht, wenn sie Macht hat­ten. Das war ei­ne an­de­re ganz Vor­stel­lung ei­nes Im­pe­ri­ums. Je­der kann Mus­lim wer­den, aber man konn­te kein Eu­ro­pä­er wer­den und kein Wei­ßer, wenn man nicht weiß ist. (...)

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06.11.2016

Manierismus und Krise

Der Verlust der Mitte

text PETER BÜRGER

 

Die moderne Gesellschaft befindet sich – wie einst die Epoche des Manierismus – in einer Krise, die die Vorstellung eines sich automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen.

 

Walter Benjamins Gedanke, dass es eine geheime Korrespondenz von Epochen gebe, ja dass es einer jeden aufgegeben sei, eine Deutung der ihr korrespondierenden vergangenen zu finden, zu der nur sie den Schlüssel besitze, dieser Gedanke mag spekulativ sein; aber er enthält eine Anweisung, wie man der Ödnis einer archivalischen Geschichtsschreibung entkommen kann, die den lebendigen Bezug zur eigenen Gegenwart verloren hat. Gerade angesichts der Krise des geschichtlichen Denkens, die wir gegenwärtig erleben, kommt dem Benjaminschen Gedanken eine nicht zu überschätzende Bedeutung zu. Kann er uns doch helfen, eine Vorstellung von Gegenwart zu überwinden, die in der Aneinanderreihung von Jetztpunkten aufgeht. (...)

 

Es besteht kein Grund, die immanente Krise des Konzepts des künstlerischen Fortschritts, auf der Gombrich insistiert, von der Krise des Renaissance-Humanismus zu trennen, in der Arnold Hauser die Ursache des Manierismus sieht; vielmehr dürfte gerade das Zusammentreffen beider zum Entstehen der neuen Malerei beigetragen haben.

Auch die moderne Gesellschaft befindet sich seit geraumer Zeit in einer tiefgreifenden Krise, die die Vorstellung eines sich gleichsam automatisch vollziehenden Fortschritts hat fragwürdig werden lassen. Spätestens seit den ersten alarmierenden Berichten des Club of Rome Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts über die weltweit abnehmenden Ressourcen sind die Grenzen eines Wirtschaftssystems deutlich geworden, das einen verschwenderischen Umgang mit nicht ersetzbaren Energiequellen betreibt. In beiden Epochen verschafft das Bewusstsein einer Krise der eigenen Welt, dem keine konkreten Handlungsperspektiven entsprechen, sich Ausdruck im Habitus der Menschen.

So kann man die Formen autistischen Verhaltens, die sich heute immer häufiger beobachten lassen, wo Menschen aufeinanderstossen, die geradezu aggressive Verleugnung der physischen Gegenwart des andern, in den Bildern der Manieristen wiederfinden. (...)

 

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Preisverleihung-BHP16-Ingrid-Leodolter-Haus

04.11.2016

Bauherrenpreis 2016 für Ingrid Leodolter Haus

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung "Bauherrenpreis 2016" für unser Projekt Pflegewohnhaus Rudolfsheim/ Ingrid Leodolter Haus!

 

Ingrid-Leodolter-Haus, Pflegewohnhaus Rudolfsheim

Bauherr: GESIBA Gemeinnützige Siedlungs- u. Bau AG / KAV–Wiener Krankenanstaltenverbund

Architektur:  wimmerundpartner architektur:  wup ZT GmbH, Wien

Einrichtungsplanung: Lisa Zentner Architektur, Wien

Freiraumplanung: EGKK Landschaftsarchitektur, Wien

 

Am 4. November fand die Preisverleihung in der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz statt.

Aus insgesamt 100 Einreichungen wurden zuvor 27 Projekte für die Shortlist ausgewählt. Daraus ermittelte die Hauptjury bestehend aus Julia Bolles-Wilson (Münster), Falk Jaeger (Berlin) und Martin Kohlbauer (Wien) sechs Preisträger_innen des ZV-Bauherrenpreises 2016.

 

Der Preis wird jährlich seit 1967 vergeben und honoriert Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich als Bauherr_in, Auftraggeber_in oder Mentor_in in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben. Dabei steht die architektonische Gestaltung sowie der innovatorische Charakter im Vordergrund. Die Bauten sollen einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Lebensumfeldes leisten. Es werden beispielhafte Projekte gesucht, bei denen die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherr_innen und Architekt_innen zu außergewöhnlichen Lösungen geführt hat. Ausgezeichnet werden herausragende Bauten, die in den vergangen drei Jahren entstanden sind.

 

Siehe auch

>> Top Five, Einrichtungsplanung Pflegewohnhaus und Kindergarten | 136-11

>> Aktuelles, Bauherrenpreis 2016 - Jurytext

 

 

 

02.11.2016

Neuer Optimismus am Atlantik

Lissabon feiert die zeichenhafte MAAT-Kunsthalle der Londonerin Amanda Levete und entdeckt dabei seine Uferzonen wieder

Text: Roman Hollenstein

 

(...) Schon vor sechs Jahren konnte zwischen dem neuen Jachthafen und der Torre Belém das vom Architekturbüro Risco geplante, aufgrund seiner schwebenden Form und den filigran-weissen Schiebeläden wohl schönste zeitgenössische Hotel der Stadt eröffnet werden. Ihm folgte ein nicht weniger heiteres Zeichen: das 2010 vom indischen Meisterarchitekten Charles Correa realisierte, der biomedizinischen und neurologischen Forschung verpflichtete Champalimaud Centre for the Unknown, dessen bei Modefotografen beliebte, auf den Atlantik ausgerichtete Platzanlage entfernt an Louis Kahns Salk Institute im südkalifornischen La Jolla erinnert. (...)

Dieses Ausstellungshaus wurde nun zum Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia (MAAT) erweitert, in welchem Teile der auf moderne portugiesische Kunst spezialisierten EDP-Sammlung gezeigt werden. Gleichzeitig erweiterte die Londonerin Amanda Levete den aus dem Jahr 1908 stammenden, denkmalgeschützten Baukomplex um einen muschelartig aus den Fluten des Tejo ragenden Neubau, der zurzeit halb Lissabon in Atem hält. Zu Tausenden pilgern die Hauptstädter zum MAAT und nehmen das neue, Kunsthalle genannte Haus stolz in Besitz. Staunend spazieren sie über die Dachwölbung des sich wie ein Aussichtshügel aufbäumenden, mit weissen Kacheln verkleideten Gebäudes, das dem Tejo sein gigantisches Haifischmaul entgegenhält. Dessen Gebiss erweist sich als das Fensterband der noch nicht zugänglichen Cafeteria. Dieser Glaswand und dem schlauchartig ins Innere führenden Gang ist es zu verdanken, dass das organische Gebäude überhaupt als Architektur erkennbar ist. Das Organische fasziniert die Architektin, die einst zusammen mit ihrem 2009 verstorbenen Partner Jan Kaplicky das Kultbüro Future Systems leitete und mit Entwürfen von phallusförmigen Hochhäusern für Aufregung sorgte, bis heute. Das beweist die MAAT-Kunsthalle ebenso wie das mit ihr verwandte Erweiterungsprojekt des Londoner Victoria & Albert Museum, das ebenfalls 2011 von Amanda Levete geplant wurde. Doch der Bau am Tejo übertrifft bei weitem das Londoner Projekt mit seiner abenteuerlichen Auskragung, die auf einer Hightech-Stahlkonstruktion in der Art einer Berg-und-Tal-Bahn basiert. Diese Bauweise ermöglichte erst den stützenlosen Zentralraum, die «Galeria oval». (...)

 

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31.10.2016

Diese seltsame, strahlende Welt

Sie hat auch prominente politische Fans – ein Gespräch mit der amerikanischen Schriftstellerin Marilynne Robinson

Interview: Thomas David

 

(...)

Welches sind die «einfachen Tugenden» des kleinstädtischen Amerika, von denen Barack Obama sagte, dass er sie an Ihrem Werk besonders schätze?
Ich selbst hätte diese Formulierung nicht verwendet. Ich habe an allen möglichen Orten gelebt und wurde überall anständig und freundlich behandelt – gleich, welcher Hautfarbe die Menschen waren oder welcher Religion sie angehörten. Ich kann keinen Unterschied zwischen den Tugenden von Dorf- oder Stadtbewohnern ausmachen. Was mich jedoch sehr interessiert und sich für manchen Leser meines Werks vielleicht als «einfache amerikanische Tugend» offenbart, ist die calvinistische Vorstellung, dass jede Begegnung mit einem anderen Menschen eine Begegnung mit Gott ist. Dass jeder Begegnung die Frage innewohnt, was Gott von diesem besonderen Moment verlangt. (...)

 

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18.10.2016

Es müsste eine Quote für Arbeiterkinder geben

interview: Si­mon MOSER mit Michael HARTMANN

 

Gibt es ei­ne glo­ba­le Eli­te, die im Hin­ter­grund die Fä­den zieht? Na­tür­lich nicht, sagt der So­zio­lo­ge Mi­cha­el Hart­mann. Kon­zern­chefs und Rei­che hät­ten nur so viel Macht, wie ih­nen die Ge­sell­schaft zu­ge­steht.

 

Stan­dard: In Ih­rem neu­en Buch ent­zau­bern Sie den Myt­hos ei­ner in­ter­na­tio­na­len Eli­te von Su­per­rei­chen und Kon­zern­len­kern, die den Lauf der Welt be­stim­men. Wo­rauf be­grün­den Sie das?

Hart­mann: Ich ha­be die Bil­dungs- und Kar­rie­re­we­ge von Spit­zen­ma­na­gern der 1000 größ­ten Un­ter­neh­men der Welt und der 1000 reichs­ten Per­so­nen der Welt

ana­ly­siert. Die Er­geb­nis­se sind ein­deu­tig: Der Aus­län­der­an­teil bei Vor­stands­chefs be­trägt zehn Pro­zent, bei Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den noch we­ni­ger. Und von über 1000 Mil­li­ar­dä­ren woh­nen ge­ra­de ein­mal 19 im Aus­land. Es ist zum Bei­spiel falsch, dass rus­si­sche Mil­li­ar­dä­re al­le au­ßer­halb Russ­lands woh­nen, in teu­ren Im­mo­bi­lien in Lon­don und der Schweiz. Von den 45 reichs­ten Rus­sen woh­nen zwei dau­er­haft im Aus­land. Ge­ra­de dort gilt: Man muss in Mos­kau sein und Kon­takt zur po­li­ti­schen Füh­rung hal­ten, weil man sonst sein Un­ter­neh­men nicht zu­sam­men­hal­ten kann. (...)

 

Stan­dard: Wel­che po­li­ti­schen Maß­nah­men emp­feh­len Sie?

Hart­mann: Was man ma­chen kann, hängt na­tür­lich von der Grö­ße des Lan­des ab. Aber selbst Ös­ter­reich kann mehr ma­chen, als man ge­mein­hin denkt. Weil die Eli­ten und auch die Un­ter­neh­men im Kern na­tio­nal sind, kann man den Dro­hun­gen, sie wür­den ein­fach weg­ge­hen, viel ge­las­se­ner ge­gen­über­ste­hen. Län­der wie Deutsch­land kön­nen es ma­chen wie die USA. Von über 300 US-Mil­li­ar­dä­ren un­ter den 1000 reichs­ten Men­schen der Welt le­ben gan­ze drei im Aus­land, von 67 Deut­schen aber 19, da­von 14 in der Schweiz. Die US-Be­hör­den sa­gen, es ist uns egal wo je­mand lebt. So­lan­ge er un­se­re Staats­bür­ger­schaft hat, zahlt er un­se­re Steu­ern. Und wenn er in der Schweiz we­ni­ger zahlt, zahlt er den Dif­fe­renz­be­trag bei uns nach. Und wenn er dann die Staats­bür­ger­schaft ab­gibt, muss er ei­ne Exits­teu­er zah­len von mehr als 20 Pro­zent auf sein ge­sam­tes Ver­mö­gen. Das ver­ring­ert den Reiz, ins Aus­land zu zie­hen, na­tür­lich deut­lich. (...)

 

Mi­cha­el Hart­mann (64) war Pro­fes­sor für So­zio­lo­gie an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt. Zum Ar­beits­schwer­punkt Eli­ten­for­schung hat er meh­re­re Bü­cher ver­fasst. An­läss­lich des Er­schei­nens sei­nes neu­es­ten Wer­kes „Die glo­ba­le Wirt­schafts­eli­te – ei­ne Le­gen­de“ dis­ku­tiert Hart­mann am 9. No­vem­ber um 19 Uhr an der Uni­ver­sität Salz­burg (Klei­ne Bi­blio­thek­sau­la, Hofs­tall­gas­se 4) mit Ö1-Re­dak­teu­rin Re­na­ta Schmidt­kunz und STAN­DARD - Chef­re­dak­teu­rin Ale­xan­dra Fö­derl-Schmid.

 

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14.10.2016

Der Globalisierungsjubel hat Kosten

Der Welt­han­del, ein Se­gen, der al­len nützt?

 

Ein Satz, der si­cher stimmt – aber eben nicht in je­nem Ma­ße, in dem es die glo­ba­len Eli­ten den Ar­beit­neh­mern an­ge­prie­sen ha­ben.

Kommentar der anderen   Da­ni­el GROS

 

Auf den Jah­res­ta­gun­gen des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds und der Welt­bank in Was­hing­ton wird sich die glo­ba­le Fi­nanz­eli­te mit Si­cher­heit ei­nem neu­er­li­chen Auf­ruf zur Um­keh­rung des Rück­zugs von der Glo­ba­li­sie­rung aus­ge­setzt se­hen. Der sto­cken­de Han­del, so die Prä­mis­se, müs­se ein ne­ga­ti­ver Trend sein, dem es zu be­geg­nen gel­te. Doch die­se An­nah­me ist be­sten­falls ei­ne gro­be Ver­ein­fa­chung.

Das Pro­blem be­steht in ei­nem man­geln­den Ver­ständ­nis der Aus­lö­ser, die die Zu­nah­me des Welt­han­dels wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te be­dingt ha­ben. Na­tür­lich hat es Be­mü­hun­gen ge­ge­ben, den ak­tu­el­len Ab­schwung zu ver­ste­hen. Der neu­es­te „World Eco­no­mic Out­look“ des IWF wid­met die­ser Fra­ge ein Ka­pi­tel.

Doch bis­her wur­den kei­ne we­sent­li­chen neu­en Han­dels­bar­rie­ren aus­ge­macht. Statt­des­sen, so der IWF, sei der Ab­schwung beim Wachs­tum des Han­dels zu drei Vier­teln durch ei­ne „all­ge­mei­ne Schwä­che der Wirt­schafts­ak­ti­vi­tät“ be­dingt, ins­be­son­de­re der In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit. Der Fonds macht zu­dem gel­tend, dass „das sich ver­lang­sa­men­de Tem­po der Han­dels­li­be­ra­li­sie­rung und die jüngs­te leich­te Zu­nah­me des Pro­tek­tio­nis­mus“ ei­ne Rol­le ge­spielt hät­ten, auch wenn die­se nicht quan­ti­fi­zier­bar sei.

Selbst oh­ne kla­re Er­kennt­nis, was die ak­tu­el­len Trends an­treibt, for­dert der IWF Maß­nah­men, um den „Tu­gend­kreis aus Han­del und Wachs­tum“ neu zu be­le­ben. Das Ver­trau­en in den Han­del ist ein­deu­tig sehr stark aus­ge­prägt. Das ist Teil des Pro­blems. Blin­des Ver­trau­en in die Glo­ba­li­sie­rung hat vie­le da­zu ver­lei­tet, de­ren Vor­tei­le zu über­trei­ben, was Er­war­tun­gen an die Han­dels­li­be­ra­li­sie­rung ge­weckt hat, die die­se nicht er­fül­len konn­te. Des­halb fühl­ten sich vie­le Men­schen ge­täuscht und lehn­ten den Frei­han­del ab.

Das soll nicht hei­ßen, dass es kei­ne em­pi­ri­schen Ar­gu­men­te für die Li­be­ra­li­sie­rung des Han­dels gibt. Der Ab­bau von Han­dels­bar­rie­ren ver­setzt Län­der in die La­ge, sich auf Sekt­oren zu spe­zi­a­li­sie­ren, in de­nen sie be­son­ders pro­duk­tiv sind, was zu mehr Wachs­tum und ei­nem hö­he­ren Le­bens­stan­dard für al­le führt. Und tat­säch­lich brach­te der Pro­zess des Ab­baus der nach dem Zwei­ten Welt­krieg er­rich­te­ten Han­dels­bar­rie­ren von den 1950er- bis in die 1980er-Jah­re wich­ti­ge Vor­tei­le.

Doch die­se Vor­tei­le ver­si­cker­ten. Die Wirt­schafts­theo­rie geht da­von aus, dass sich die zu­sätz­li­chen Vor­tei­le, die der Ab­bau von Han­dels­bar­rie­ren bringt, ver­ring­ern, je stär­ker die­se Bar­rie­ren fal­len. Da­her soll­te es nicht über­ra­schen, dass sich mit An­fang der 1990er, als Zoll­ta­ri­fe und an­de­re Han­dels­hemm­nis­se ein sehr nie­dri­ges Ni­veau er­reicht hat­ten, die tra­di­tio­nel­len Vor­tei­le der Han­dels­li­be­ra­li­sie­rung weit­ge­hend er­schöpft hat­ten. Die Be­sei­ti­gung der letz­ten ver­blei­ben­den Han­dels­hemm­nis­se hät­te kei­ne gro­ßen Aus­wir­kun­gen mehr ge­habt.

Was ei­ne Aus­wir­kung hat­te, war ein zwei Jahr­zehn­te lang an­hal­ten­der Boom bei den Roh­stoff­prei­sen. Ho­he Prei­se ver­setz­ten die wich­ti­gen Roh­stoff­ex­por­teu­re in die La­ge, mehr zu im­por­tie­ren und zu Hau­se ei­ne wachs­tums­stei­gern­de Po­li­tik um­zu­set­zen – ein Se­gen für das welt­wei­te Wachs­tum. Zu­dem trie­ben die stei­gen­den Prei­se, weil ein gro­ßer An­teil des Welt­han­dels auf Roh­stof­fe ent­fällt, des­sen Ge­samt­wert in die Hö­he.

Statt die Rol­le der Roh­stoff­prei­se bei der Stei­ge­rung des Han­dels und des Wachs­tums zu Be­ginn des Jahr­hun­derts an­zu­er­ken­nen, führ­ten die meis­ten Öko­no­men und Po­li­ti­ker die­se po­si­ti­ven Trends auf Maß­nah­men zur Han­dels­li­be­ra­li­sie­rung zu­rück. Da­bei stütz­ten sie die Vor­stel­lung, dass ei­ne „Hy­per­glo­ba­li­sie­rung“ der Schlüs­sel zu Vor­tei­len für al­le sei. (...)

 

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13.10.2016

WIE HILFE UNMÖGLICH WIRD

Flücht­lings­bü­ro­kra­tie: Wie Hil­fe un­mög­lich wird

Un­ter­stüt­zung und In­teg­ra­ti­ons­leis­tun­gen, die Pri­va­te in die­sem Land er­brin­gen, qua­si von Amts we­gen zu un­ter­bin­den ist zy­nisch, feig und men­schen­ver­ach­tend. Ein Fall­bei­spiel aus Wien.

Kommentar der anderen   Al­fred J. NOLL

 

E s ist ein ty­pi­scher Fall, und er ist völ­lig un­spek­ta­ku­lär: Va­ter, Sohn und Toch­ter, der Rest ei­ner sy­risch-christ­li­chen Fa­mi­lie aus Alep­po, sind seit En­de No­vem­ber 2015 in der Pfar­re Er­lö­ser­kir­che im 23. Wie­ner Be­zirk gut un­ter­ge­bracht. Ei­ne ös­ter­rei­chi­sche Fa­mi­lie hat sie auf­ge­nom­men, sorgt für sie.

Der Va­ter, er be­saß ei­ne Fa­brik für T-Shirts, schafft es, sei­ne Toch­ter (25) und sei­nen Sohn (13) über die Bal­kan­rou­te nach Ös­ter­reich zu brin­gen. Die Mut­ter bleibt, krank­heits­hal­ber, zu­rück. In Grie­chen­land wer­den sie re­gis­triert, Kroa­tien und Slo­we­nien schie­ben sie wei­ter.

In Ös­ter­reich stel­len sie Asy­lan­trä­ge. Ehr­lich ge­ben sie bei der Be­fra­gung an, wie sie zu uns ge­kom­men sind. Ein kla­rer Du­blin-III-Fall – Ös­ter­reich hat nur zu prü­fen, ob wir sie nach Kroa­tien oder Slo­we­nien „aus­schaf­fen“ kön­nen, nach Grie­chen­land darf nicht zu­rück­ge­schickt wer­den. Man er­kun­digt sich in Slo­we­nien und Kroa­tien, Slo­we­nien lehnt die Zu­stän­dig­keit ab, Kroa­tien „ver­schweigt“ sich, und al­so ist Kroa­tien zu­stän­dig, weil es drei Mo­na­te ab An­fra­ge kei­ne Rück­mel­dung ge­ge­ben hat. Das be­hörd­li­che Tem­po nimmt zu: Be­scheid­mä­ßig wird fest­ge­stellt, dass es zu kei­ner In­teg­ra­ti­ons­ver­fes­ti­gung ge­kom­men und dass die Fa­mi­lie ab­zu­schie­ben sei.

Da­ge­gen wird Be­schwer­de beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­bracht. Ei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung hat die­ses Rechts­mit­tel aber nur, wenn die­se vom zu­stän­di­gen Rich­ter bin­nen acht Ta­gen ge­währt wird. Er ge­währt nicht – re­fu­gee-bu­si­ness as usu­al. (...)

An­fang Ok­to­ber steht die Po­li­zei früh­mor­gens vor der Tür. (...)

 

In­teg­ra­ti­ons­ver­dich­tung

Hier bei uns sah die Sa­che an­ders aus: Al­le drei Fa­mi­li­en­mit­glie­der wa­ren eng in die Pfarr­ge­mein­de in­te­griert. Der Va­ter half beim Sor­tie­ren der Floh­markt­ar­ti­kel, die Toch­ter gab Flücht­lings­kin­dern aus Sy­rien Nach­hil­feun­ter­richt – sie ist aus­ge­bil­de­te Eng­lisch­dol­met­sche­rin; der 13-jäh­ri­ge Sohn be­such­te die drit­te Klas­se ei­nes Gym­na­si­ums im 23. Be­zirk. Rasch ent­stan­den Freund­schaf­ten. Die Pfar­re un­ter­stütz­te fi­nanz­iell die Deutsch­kur­se der Fa­mi­lie (als Nicht­asyl­be­rech­tig­te hat­ten sie kei­nen An­spruch). Der Bub sprach durch sei­nen Be­such und die In­teg­ra­ti­on in der Schu­le schon sehr gut Deutsch, die Toch­ter stand kurz vor der Ab­le­gung der B1-Sprach­prü­fung. Der Be­scheid sprach den­noch da­von, dass es noch zu kei­ner „In­teg­ra­ti­ons­ver­dich­tung“ ge­kom­men sei. (...)

Was ist das für ei­ne Bü­ro­kra­tie, die den Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­chern nicht zu­traut, sich um Hil­fe­su­chen­de zu küm­mern? Welch un­er­mess­li­che be­hörd­li­che Ig­no­ranz steckt hin­ter der „Aus­schaf­fung“ von Men­schen, die hier pri­va­te Für­sor­glich­keit, An­teil­nah­me und Hil­fe schon ge­fun­den ha­ben – aber den­noch au­ßer Lan­des ge­schafft wer­den? (...)

Al­fred J. NOLL (Jahr­gang 1960) ist Rechts­an­walt in Wien.

 

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08.10.2016

Jó étvágyat

 

 

 

edmund-de-Waal©2016

08.10.2016

Perfektion ist absolut tödlich

Interview: Marion LÖHNDORF mit Edmund de WAAL

 

(...)

In «Die weisse Strasse» kommen Sie immer wieder auf den Begriff der Perfektion zurück.

De Waal: Eines der fabelhaften Dinge im Zusammenhang mit Porzellan ist, dass man Perfektion anstrebt, aber stets scheitert. Ich bin in Wirklichkeit nicht an Perfektion interessiert. Das ist eine Idee, die absolut tödlich ist. Ich interessiere mich für Vitalität, Wechsel und Wandlungsfähigkeit, die Beziehung zwischen einem lebenden Menschen und einem neutralen Material. Wenn die Idee der Perfektion funktioniert, treibt sie bestenfalls wissenschaftliche intellektuelle und ästhetische Fragen an. Schlimmstenfalls kann sie gefährlich sein. Sie ist nicht geradlinig, sondern ein schwieriges, gefährliches Konzept.

Was hat es mit der Farbe Weiss auf sich, die in Ihrer Arbeit als Töpfer und auch im neuen Buch eine so grosse Rolle spielt?

De Waal: Weiss ist eine Frage, ein Fragezeichen. Eine neue Möglichkeit, ein neuer Weg. Es kann auch negativ werden: verneinend, antiseptisch, es kann ein Problem werden, wie etwas, das ein Geschehen verhindert, das etwas anhalten kann, das etwas anderes übertüncht oder auslöscht – all diese Dinge. Aber für mich bedeutet es eine grosse Möglichkeit eines Beginns.

Weiss kann auch die Farbe der Trauer sein.

De Waal: Ja, denn Trauer ist eine extrem komplizierte Erfahrung. Es geht dabei um Verlust und ausschliesslich um Erinnerung. Manchmal ist Erinnerung nur schwer zugänglich. Und Bilder und Gedanken verschwinden in einem weissen Nebel.

Inzwischen machen Sie schwarze Gefässe.

De Waal: Ich benutze immer noch weisses Porzellan. Aber die Stücke werden zum Schluss schwarz glasiert. Dreierlei hat es damit auf sich. Schwarze Glasuren sind sehr giftig, bevor sie gebrannt sind. Der Prozess, toxisches Material zu benutzen, führt mich zur Alchemie. Mir gefällt, erstens, die Idee, dass dem bourgeoisen Porzellan diese Gefahr innewohnt. Zweitens erlaubt mir das Herstellen schwarzer Gefässe, mir Schatten ganz genau anzusehen. Jun'ichirō Tanizaki schrieb

darüber.

In «Lob des Schattens».

De Waal: Genau. Und drittens bezieht es sich auf Celans «schwarze Milch», das Gefühl, wenn ein Material durch Druck und Erinnerung in etwas anderes verwandelt wird. Wird es darüber ein neues Buch geben? Im Moment bin ich so glücklich, wie ich nur sein kann, und denke: keine Bücher mehr. Aber fragen Sie mich in fünf Jahren noch einmal.

 

Edmund de Waal: Die weisse Strasse. Auf den Spuren meiner Leidenschaft. Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer. Zsolnay-Verlag, Wien 2016. 464 S.

 

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05.10.2016

Wozu wissen? Lieber googeln!

Ein Mausklick genügt, und die Welt ist auf unserem Bildschirm. Doch Fakten erklären nichts. Wir müssen sie zum Reden bringen. Dazu braucht es Wissen. Und das kann man nicht auf Festplatten speichern. Von Thomas Ribi

(...)

Nur, ist das, was auf Festplatten und in Datenbanken gespeichert ist, wirklich Wissen? Die Frage stellt kaum jemand. Dabei ist sie zentral. Und die Antwort heisst: nein. Was in Computern verwahrt wird, ist nicht Wissen, sondern Information. Worte, Zahlen, Bilder. Eine unüberschaubare Flut von Daten. Damit daraus Wissen entsteht, müssen die Daten gesichtet, nach sinnvollen Kriterien geordnet, klug ausgewählt, gewichtet und interpretiert werden. So interpretiert werden, dass sie in einer sinnvollen Beziehung stehen zu den Problemen, die wir lösen wollen. Wissen ist mehr als eine Ansammlung von Daten. Und mehr als Information. Wissen heisst erkennen. Heisst, Informationen zu einer konsistenten Beschreibung der Realität verknüpfen. Dank Information finden wir uns in der Welt zurecht. Wissen hilft uns, die Welt zu verstehen.

(...)

 

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15.09.2016

Vernichtende Kritik an Cameron

Bericht zu Libyen-Intervention
text: Christian WEISFLOG

 

Zwei Monate nach dem kritischen Chilcot-Bericht über Tony Blairs Irak-Feldzug kommt nun ein parlamentarisches Komitee zum Schluss, dass David Cameron in Libyen in ähnlicher Weise versagt hat. Die Fehler hätten dazu geführt, dass Libyen heute ein gescheiterter Staat am Rande eines vollständigen Bürgerkriegs sei, heisst es im Bericht.

Der mittlerweile abgetretene Premierminister Cameron hatte die Libyen-Intervention von 2011 im vergangenen Januar mit dem Schutz der revoltierenden Bevölkerung in Benghasi verteidigt: «Ghadhafi drohte, die eigenen Bürger wie Ratten zu erschiessen.» Einer der zentralen Kritikpunkte des jüngsten Berichts ist jedoch, dass sich die Intervention nicht auf ihr ursprüngliches Ziel – den Schutz der Bevölkerung in Benghasi – beschränkte. Dieses Ziel sei innerhalb von 24 Stunden erreicht worden, sagte David Richards, der ehemalige Chef des britischen Generalstabs, aus. Danach habe die Regierung aber entschieden, weiterzugehen und Ghadhafis Diktatur zu beenden: «Eine limitierte Intervention zum Schutz von Zivilisten wandelte sich in eine opportunistische Politik des Regimewechsels mit militärischen Mitteln.» Dieser Entscheid und die darauffolgende Strategie hätten auf falschen Annahmen und einem unvollständigen Verständnis der Fakten beruht, heisst es in dem Untersuchungsbericht. Der Charakter des libyschen Aufstandes sei nicht sauber analysiert worden. Aufgrund der Erfahrungen in Afghanistan und im Irak hätte die Regierung wissen müssen, dass islamistische Gruppierungen in Libyen von der Revolution profitieren könnten. Zudem habe die Regierung die effektive Bedrohung der Zivilbevölkerung durch das Ghadhafi-Regime nicht verifiziert: «Sie hat Elemente aus Ghadhafis Rhetorik selektiv für bare Münze genommen.» Auch für die Zeit nach dem Sturz des Ghadhafi-Regimes hatte die britische Regierung gemäss dem Bericht keine wirkliche Strategie: «Wir verfügten nicht über ein wirkliches Verständnis von Libyen und einen wirklichen Plan für die Konsequenzen.» Für dieses Fehlen einer kohärenten Strategie macht der Bericht David Cameron persönlich verantwortlich.
Das britische Aussenministerium indes versuchte am Mittwoch die Verantwortung auf die internationale Staatengemeinschaft abzuschieben. «Die Intervention war eine internationale Entscheidung, gefordert von der Arabischen Liga und autorisiert durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen», sagte ein Sprecher. Er verwies zudem darauf, dass Grossbritannien dieses Jahr der libyschen Einheitsregierung mit zehn Millionen Pfund helfe, die politische und wirtschaftliche Stabilität im Land wiederherzustellen. Der Untersuchungsbericht kommt indes zum Schluss, dass London bisher nur halb so viel Geld in den Wiederaufbau gesteckt hat wie in die Militärintervention.

 

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01gartenfreuden#5©2016_LisaZentner

10.09.2016

GARTENFREUDEN#6

 

 

 

wKathan©2016_ZENTNER

10.09.2016

Rad der Zeit

 

 

 

03.09.2016

Bosco Verticale

interview: Michael HIERNER mit Stefano BOERI

 

Die et­wa 780 Bäu­me wach­sen auf dem Bo­sco Ver­ti­ca­le – dem ver­ti­ka­len Wald – in Mai­land. Die bei­den Wohn­hoch­häu­ser wur­den vom ita­lie­ni­schen Ar­chi­tek­ten Ste­fa­no Boe­ri ge­plant, der da­rin den Pro­to­typ für ei­ne bio­di­ver­se Ar­chi­tek­tur der Zu­kunft sieht.

 

Stan­dard: Zeigt der Bo­sco Ver­ti­ca­le die Zu­kunft der Ar­chi­tek­tur?

Boe­ri: Der Bo­sco Ver­ti­ca­le zeigt ein mög­li­ches Zu­kunftss­ze­na­rio. Nicht nur der Mensch wird in den dich­ten Städ­ten ver­ti­kal le­ben, son­dern auch die Bäu­me. Es wird ei­ne Sym­bio­se zwi­schen uns und den Pflan­zen ge­ben. Für mich ist die­se Ar­chi­tek­tur auch ein Ex­pe­ri­ment. Beim Bau muss­ten vie­le tech­ni­sche Pro­ble­me ge­löst wer­den, et­wa je­nes, wie man Bäu­me mit Dräh­ten ge­gen den Wind ab­si­chern kann. Die Ge­bäu­de zei­gen, was tech­nisch mach­bar ist und in wel­che Rich­tung es sich ent­wi­ckeln könn­te.

(...)

Stan­dard: Wel­che Wir­kung ha­ben die Bäu­me auf sie?

Boe­ri: Wir ha­ben ei­ne ganz be­son­de­re Wir­kung ent­deckt: Men­schen be­kom­men in Hoch­häus­ern manch­mal Hö­hen­angst und Schwin­del­ge­füh­le. Im Bo­sco Ver­ti­ca­le sind die­se Emp­fin­dun­gen aber für vie­le Be­trof­fe­ne wie weg­ge­bla­sen, weil die Bäu­me Sta­bi­li­tät und Si­cher­heit aus­strah­len.

Stan­dard: Ist der Bo­sco Ver­ti­ca­le Ihr er­stes Pro­jekt, bei dem Sie Na­tur mit Ar­chi­tek­tur ver­bun­den ha­ben?

Boe­ri: Ich ha­be das schon bei an­de­ren Pro­jek­ten ge­macht, je­doch nie in ei­nem so gro­ßen Maß­stab. Beim Bo­sco Ver­ti­ca­le ha­be ich ver­sucht, al­les auf die Spit­ze zu trei­ben, war re­gel­recht be­ses­sen von der Idee, mög­lichst gro­ße Bäu­me zu ver­wen­den. Ich glau­be, dass Bäu­me In­di­vi­du­en sind und je­der ei­ne ei­ge­ne Iden­ti­tät hat.

Stan­dard: Was hat Sie in­spi­riert?

Boe­ri: Mich hat ein Ro­man des ita­lie­ni­schen Schrift­stel­lers Ita­lo Cal­vi­no sehr be­ein­druckt. In sei­nem Buch Il bar­one ram­pan­te (Der Ba­ron auf den Bäu­men) geht es um ei­nen Mann, der ei­nes Ta­ges be­schließt, den Bo­den zu ver­las­sen, um auf Bäu­men zu le­ben. Ich er­in­ne­re mich auch an Jo­seph Beuys, der 1982 auf der Do­cu­men­ta in Kas­sel 7000 Ba­salt­stei­ne ver­kauf­te, für die er dann je­weils ei­ne Ei­che in der Stadt an­pflanz­te und so den Stadt­raum mit Bäu­men ver­än­der­te. Die stärk­ste In­spi­ra­ti­on kam aber von Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser, den ich 1973 bei der Trien­na­le in Mai­land sah, wo er mit ei­nem rie­si­gen Baum in der Hand durch die Stra­ßen ging.

(...)

 

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29.08.2016

GARTENFREUDEN#5

 

 

 

02gartenfreuden#4©2016_LisaZentner

13.08.2016

GARTENFREUDEN#4

 

 

 

©2016_ZENTNER

10.07.2016

szölöskert

 

 

 

09.07.2016

falunap

 

 

 

©2016_ZENTNER

09.07.2016

szerkezet

 

 

 

03gartenfreuden#3©2016_LisaZentner

02.07.2016

GARTENFREUDEN#3

 

 

 

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29.06.2016

runde Sache

 

 

 

©2016-Lisa-Zentner

23.06.2016

PACKEN

 

 

 

19.06.2016

GARTENFREUDEN #2

 

 

 

© 2016_Lisa Zentner

11.05.2016

GARTENFREUDEN #1

 

 

 

©2016_ZENTNER

05.05.2016

Böse Falter

 

 

 

©2016_LisaZentner

27.03.2016

OSTERN

 

 

 

©2016_LisaZentner

21.01.2016

Winterfeeling im Penthouse

 

 

 

foto-Jo-Yong-Hak-REUTERS NZZ

04.12.2015

Der Gang der Koreaner

text  HOO NAM SEELMANN

 

Den Bauch leicht nach vorne, schlurfend – ohne sich dessen bewusst zu sein, haben Völker und Kulturen eine je eigene Art zu gehen

Wie alles Menschliche ist auch das Gehen kulturell durchformt. Die Koreaner besitzen eine eigene Art zu stehen, von der aus sich auch ihr Gehstil ableitet. Es könnte sein, dass die Globalisierung dies ändert. (...)

Die Koreaner haben, ohne dass sich die meisten von ihnen dessen überhaupt bewusst sind, eine sehr eigene Art zu gehen. Natürlich nicht alle, aber doch die meisten. Ein aufmerksamer Beobachter kann das Anderssein nicht nur sehen, sondern auch hören. Denn die Schritte der Koreaner haben, vergleicht man sie mit denen der Europäer, einen anderen Klang, eine andere Rhythmik und Tonalität. Es ist kein leichter, heller Klang, sondern eher ein tiefer, bassartiger, in die Länge gezogener Laut, den man auf den Strassen Koreas vernehmen kann.

Schon beim Stehen zeigt sich bei den Koreanern eine eigentümliche Grundhaltung, die beim Gehen unverändert erhalten bleibt. Besonders deutlich ist sie bei den Männern mittleren Alters zu beobachten, da sie das kulturelle Muster voll verinnerlicht und auch einen gesicherten sozialen Status erreicht haben. Bei den Frauen ist die traditionelle Haltung heute weitgehend im Schwinden begriffen, da sie meist Schuhe mit Absätzen tragen. Diese wirken stark nivellierend auf den Gang. (...)

 

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chinesische-schrift-kalligraphie-wang-dongling-tusche

04.12.2015

Gemalte Schrift zwischen Bild und Zeichen

text PHILIPP MEIER

 

Mangels anderer visueller Reize in dem dämmrigen, mit Strohmatten ausgelegten Hotelzimmer in Shigaraki, Präfektur Shiga, Japan, hat man sich auf das Schriftbild in der Wandnische zu konzentrieren begonnen. Breitbeinig, wie ein von Kraft strotzender Mann, steht es dort vor einem, mit einer Art Helm auf dem Kopf. Gerne hätte man gewusst, was es bedeutet – und erfuhr später, dass es das Zeichen für «Armut» sei. (...)

Wohl war mit dieser Armut die Schlichtheit des Raums gemeint, auf dessen karge Ausstattung das Schriftbild verweisen wollte. Oder auch die Selbstlosigkeit dieses Samurai-Kriegers, den man erkannt zu haben glaubte in der Kalligrafie. Jedenfalls beschlich einen, in Bann geschlagen von einer Schriftkunst, welche die eigene Schreibkultur weit übersteigt, einmal mehr ein Gefühl von Neid. (...)

 

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somushiKyoto_KatsumiYASUDA01©2015LisaZENTNER

17.11.2015

Somushi Teahouse and Gallery, Katsumi YASUDA

Ein kultivierter Ort unweit des Ikenobo Headquarters, geschaffen vor 10 Jahren durch den Architekten Katsumi Yasuda, ist immer noch stimmig von Konzept und Raumlösung wie am ersten Tag. Die koreanischen Einflüsse des Bauherren sind unübersehbar und werden sowohl räumlich als auch in den angebotenen Speisen zu einer überzeugenden Fusion von Materialien und Zutaten gemischt. Sitzen an einem Tisch aus einer uralten Eichentüre mit raffiniert eingearbeiteten Holzergänzungen, die Füße auf einem gepolsterten Lederteppich in der Absenkung unter dem Tisch: so vergisst man bei feinem Curry und grünem Tee die Welt rundum vor lauter Behaglichkeit.

 

 

 

kyotoAltstadt01_lisa_meiko©2015LisaZENTNER

17.11.2015

Kyoto, Altes Viertel

 

 

 

Ryoan-ji04©2015LisaZentner

17.11.2015

Ryoan-ji, Kyoto

Der Hojo-Teien als der berühmteste Zen-Garten Japans im Tempelbezirk Ryoan-ji übt trotz zahlreicher Besucher seinen Zauber auf uns aus. Die herbstliche Szenerie des Gartens ist zart und berückend. Ein dreißig Jahre alter Traum hgeht in Erfüllung.

Japanische Schülerinnen interviewen uns und üben ihre beginnenden Englischkenntnisse, Roland gibt bereitwillig Auskunft.

 

 

 

KatsumiYASUDA_work01_tinyHouse©2015LisaZentner

17.11.2015

Katsumi Yasudas Work, Kyoto

 

 

 

Kyoto_bahnhof_hiroshiHARA_03©2015_LisaZENTNER

16.11.2015

Kyoto, Bahnhof von Hiroshi HARA

Der Ende der 90er Jahre fertig gestellte Hauptbahnhof von Kyoto ist mit seinen Dimensionen und Funktionen ein Bauwerk der Superlative. Angefeindet ob seiner Größe - mit einer Fläche von 237.500 Quadratmetern, einer Länge von circa 470 Meter und bis zu fünfzehn Etagen hoch - erscheint er mir doch vor Ort sehr stimmig. Hiroshi Hara hat dieser gigantischen Bauaufgabe eine einzigartige Form gegeben: ein Spiel mit ins technoide überführten Zitaten aus der Natur (Teich, Wasserfall, Lotusfrüchte, Bambuswald und so fort) fügt sich zu einem luftdurchspülten, lichten Gebilde von großer Leichtigkeit, in dem man sich selbstverständlich bewegt, geleitet durch die Elemente der Architektur und des Lichts. Er hat eine außergewöhnliche und anspruchsvolle Aufgabe in eine überraschend selbstverständliche Form gekleidet. Befremdlich auf Fotos bleibt von diesem Gefühl vor Ort nichts übrig: es ist einfach gelungen. Erhaben ohne monumental zu sein, ein Ort wirklich geschaffen für die Bewegung von sehr vielen Menschen. Exzellent in der Detailausbildung, keine sichtbaren Alterungsspuren. Selten bin ich durch eigene Anschauung so sehr vom Gegenteil überzeugt worden wie hier. Ich habe große Achtung vor dieser Leistung.

 

 

 

Kyoto_Rokkaku-do-Temple01©2015_LisaZENTNER

16.11.2015

Ikenobo Autumn Tanabata Exhibition, kyoto

Ikenobo Headquaters liegen unmittelbar am Rokkakudo-Tempel.

Der Rokkaku-dō gilt als der Tempel, in dem Mönche zuerst Blumenarrangements als Tempelschmuck geschaffen haben. Daraus hat sich Ikebana entwickelt. Die Tempeltradition führt diese Kunst auf den ersten Abt Ono no Imoko zurück, der aufwendige Blumenarrangements auf seinen Missionen in China kennengelernt habe. Seine Hütte am See (池坊, Ike no bō) sei namensstiftend für die Ikenobō-Richtung des Ikebana gewesen. 1450 gründete Ikenobō Senkei im Rokkaku-dō die erste Ikebanaschule im eigentlichen Sinn.

Der letzte Tag der größten Ikebana-Ausstellung im Jahr beschert wunderbare Begegnungen: die Lebendigkeit der Pflanzen zu sehen, zu spüren in erhabenen, bescheidenen oder überschwenglichen Werken, jedes einzigartig und von endlicher Dauer.

 

 

 

dasSchattenhaus_kyoto©2015LisaZENTNER

16.11.2015

Das Schattenhaus, Kyoto

 

 

 

derGarten_kyoto©2015LisaZENTNER

16.11.2015

Der Garten, Kyoto

 

 

 

Atami_Hyuga_bettei_brunoTAUT01©2015 LisaZENTNER

15.11.2015

Kyu Hyuga Bettei (1936) - Atami Hyuga Villa designed by Bruno Taut

Die Kyu-Hyuga-Villa thront auf einem Berghang über der Sagamibucht in der Stadt Atami. Der Anbau der Villa, welcher unter dem begrünten Gartenhof liegt, wurde von Bruno Taut errichtet. Man spürt die Hingabe Taut‘s an die japanische Kultur und Tradition. Und vermeint das flair einer kultivierten 30er Jahre Gesellschaft zu spüren, die in dem privaten Tanzsaal mit versteckter Bar und zierlichen Sitzmöbeln der Musik gelauscht haben mag.

Es ist das einzige noch existierende Gebäude Bruno Tauts in Japan.

 

>> Kyu Hyuga Bettei (1936) - Atami Hyuga Villa designed by Bruno Taut

 

 

 

 

atamikaihourou_kengoKUMA02©2015LisaZENTNER

15.11.2015

Atami Kai-hourou-Villa designed by Kengo KUMA

Ursprünglich als Wochenendvilla für den Sohn einer Industriellenfamilie konzipiert, dient sie nun als Luxushotel mit Onsen. Die Materialien atmen den Geist der 90er Jahre und spiegeln die Vorlieben des Bauherren. Großzügig die Raumkonzeption, weitläufig. Jedes Deatil stimmt. Es stellt sich aber kein Behagen ein, alles ist kühl und distanziert. Man staunt! Keine Leichtigkeit, keine Noblesse.

Welch ein Kontast zur unmittelbar darunter gelegenen Kyu Hyuga Bettei mit dem Annex von Bruno Taut!

 

 

 

Atami_impression01© 2015LisaZENTNER

15.11.2015

Atami and Hikone Impressions

In den 50ger und 60ger Jahren eine angesagte Region, die man zu Flitterwochen und anderen besonderen Anlässen aufsuchte, ist Atami nun eine Stadt, welche ihre besten Zeiten schon lange hinter sich hat. Von hier aus erreicht man mit einem Regionalzug Hakone, ein Tal mit heißen Quellen und Ryokans.

 

 

 

15.11.2015

Hakone Shiunso Ryokan

Ein Ryokan am steilen Berghang, unmittelbar über dem tosenden Bach gelegen, empfängt uns mit malerisch verfärbten Laubwald, heißem Wasser und 10gängigem Menü. Traditionell bleibt man für eine Nacht und besucht das heiße Bad unter freiem Himmel vor und nach dem Essen. Wir sind zu dritt, zwei Japanerinnen und ich. Welch wunderbar weiche Haut nach dem Bad! Das Frühstück ist ebenfalls japanisch, 6-gängig, wird wie das Abendessen im Zimmer eingenommen und nährt einen Ochsen. Ich möchte gerne mit der Tradition brechen und mehrere Tage bleiben.

 

 

 

HiroshiHARA_LisaZENTNER © 2015 lisaZENTNER_foto_keikoSAKABE

13.11.2015

Hiroshi Hara ateliers

Wir besuchen Hiroshi Hara in seinem Atelier in Shibuya, 10-3 Hachiyama-cho. Und diskutieren über das Projekt in Raiding, das "Hara Haus". Eines von mehreren experimentellen Bauten, die als bewohnbare Kunstwerke in Raiding, Burgenland geplant sind. Wir sind als Kontaktarchitekten mit Einreichplanung und Umsetzung vor Ort betraut. Nächstes Jahr soll es soweit sein: die Projektumsetzung wird beginnen. Davor gilt es, die Details der Umsetzung abzustimmen.

Im "Landgasthaus" Isshin bei 10-gängigem Menue wird später angeregt über Musik, Architektur und das Leben im Speziellen diskutiert.

 

 

 

asakusa_Senso-ji08 © 2015 LisaZENTNER

13.11.2015

Tokyo Asakusa Senso-ji Temple

Am Ende der Meji-Linie an der Asakusa-Station liegt das Tempel-Areal Sensoji. Ein richtiger Rummelplatz, Jung und Alt. Schulklassen werden von "Tempel-Lehrerinnen" begleitet und belehrt. Die Gärtner rechen das herabfallende Laub, beschneiden penibel die Bäume. Es blühen die Camelien und Cosmea stehen noch in voller Blüte!

 

 

 

ueno_koen02© 2015 lisaZentner

13.11.2015

Ueno-kóen Tokyo, Impressions

 

 

 

sunnyHILLS_kengo_KUMA_01 © 2015 lisaZentner

12.11.2015

SUNNY HILLS Kengo KUMA, Tokyo

Unweit der Omotesando, in einer Seitengasse Minami-Aoyama, ein kleines Gebäude mit hoher Präsenz: 2013 von Architekt Kengo KUMA für den taiwanesischen Hersteller Sunny Hills als Flagshipstore errichtet. Außen wie innen überraschend, perfekt bis ins letzte Detail. Fehlerlose Ausführungsqualität.

Ein sehr kleines Gebäude mit einem in sich ruhenden Verkostungsraum. Es wird wunderbarer grüner Tee serviert und dazu die von Sunny Hills erzeugten Pineapples Cakes gereicht. Die Taschen werden in eigenen Klappständern unter dem Tisch abgelegt und so entgeht man elegant dem in Japan verpönten Abstellen von Gegenständen auf dem Boden.

 

 

 

 

2121designsight_FrankGEHRY_exhibition05©2015 lisaZentner

12.11.2015

2121 Designsight Midtown Tokyo, Frank GEHRY Exhibition

 

 

 

fuji © 2015 lisaZentner

11.11.2015

Japan Tokyo Arrival

 

 

 

hidden/vesteckt_NG39artSPACE© 2015 rolandHAGENBERG

24.10.2015

Ausstellung VERSTECKT/hidden

Lisa Zentner Architektur, Hagenberg Studio, Gemeinde Raiding

 

Pressetext:

Der burgenländische Bauernhof in der Neugasse 39 in Raiding, Geburtsort von Franz Liszt, ist 90 Jahre alt, seine Mauern aus Ziegel, Kalkstein und Lehm. Links reihen sich Wohnung, Wirtschaftskammer, Weinkeller, Stall und Scheune.  Rechts, in der „Sommerkuchl“, verbrachte die Familie die heissen Monate. Im Innenhof stehen Brunnen, Trockentoilette und ein verfallener Schweinestall aus Holz. Während der russischen Besatzungszeit (1945–1955) versteckten sich darin Frauen. Der Apfelbaum im Garten nebenan ist verkrümmt. Wie sich Herr Maimer, der Nachbar, erinnert, hat ihn ein russischer T-34 Panzer am letzten Kriegstag angefahren.

Seit Jahren steht der Bauernhof leer. Wir haben ihn gereinigt und den Müll entfernt. Gegenstände, die vom kargen Leben im Haus erzählen, sind geblieben: Ein vergilbtes Foto der Urgrosseltern zum Beispiel, ein Waschbrett, ein Schlachtmesser, Zeitungen aus den 60er Jahren, eine Plastikmadonna mit Weihwasser, ein angekratztes Hausnummernschild (als die Neugasse noch Dollfuss-Strasse hiess). In der Rohstruktur des Bauernhofs zeigen wir Arbeiten von 37 Künstlern aus aller Welt. Dabei verweist der Titel „Versteckt“ auf die unkonventionelle Platzierung der Kunstwerke im Gehöft, auf die Thematik der Arbeiten als auch auf jene Rauminstallationen, die eigens für dieses Umfeld geschaffen wurden.

Oder wie der New Yorker Kunstkritiker Edward M. Gomez im Ausstellungskatalog schreibt: „Sowohl buchstäblich als auch bildlich lenken die ausgestellten Arbeiten die Aufmerksamkeit auf die Vorstellung des Versteckens, Verdeckens oder Verschleierns. Einige Objekte wollen, dass wir nachdenken, wie wir Schweigen einsetzen können, um Gedanken und Emotionen zu verbergen, oder Verkleidungen, um unsere Identitäten zu verstecken, oder bestimmte Orte, um unser physisches Selbst zu verbergen. Andere der Exponate wiederum erinnern unser Bewusstsein daran, dass etwas in der Umgebung versteckt wurde, darauf wartet, entdeckt zu werden – oder dass es damit zufrieden ist, versteckt zu bleiben.“

Raiding hat 840 Einwohner und liegt eine Autostunde südlich von Wien unweit vom ehemaligen Eisernen Vorhang an der ungarischen Grenze. (Wenn dort in den letzten Monaten tausende Flüchtlinge versucht haben, versteckt oder sichtbar den Westen zu erreichen, entsteht damit – gewollt und ungewollt, ebenfalls ein Ausstellungsbezug.)

 

Das Franz Liszt Konzerthaus neben dem Geburtshaus von Franz Liszt eröffnete 2006. Zwischen den Gehöften der Weinbauern entstanden zudem in den letzten drei Jahren im Rahmen des „Raiding Projects“ die ersten experimentellen Bauten japanischer Stararchitekten: Das Storchenhaus von Terunobu Fujimori (ausgezeichnet mit dem Innovationspreis Tourismus Österreich) und der skulpturale Unterstand „Drei Wanderer“ von Hiroshi Hara. Dieser befindet sich gleich neben dem NG39 Art Space. Das sogenannte Hara Haus soll demnächst errichtet werden. Die erste von mehreren geplanten Freilandskulpturen wurde letztes Jahr aufgestellt und heisst „Birdman“. Gestaltet hat sie der Schweizer Künstler Karl A. Meyer.

 

 

Die Künstler:

 

Ai Wei Wei, China

Nobuyoshi Araki, Japan

Donald Baechler, USA

Ulrich Beckefeld, Germany

Stephanie Brody-Lederman

Konstantin Bessmertny, Russia

S. Teddy Darmawan, Indonesia

Nora Diehl, Austria

Michele Doner, USA

Terunobu Fujimori, Japan

Uli Gassmann, Germany

Gilbert & George, UK

Roland Hagenberg, Austria

Hiroshi Hara, Japan

Sumet Jumsai, Thailand

Joseph Koo, Austria

Philipp Kreidl, Austria

Kengo Kuma, Japan

Eduard Kutrowatz, Austria

Michael Landauer, Austria

Nikolai Makarov, Russia

Sheila Metzner, USA

Karl Meyer, Switzerland

Marti Moreno, Spain

Mari Nishida, Japan

Erwin Rittenschober, Austria

Alexander Rutsch, Austria

Sin Sin Man, Hong Kong

Tomas Soucek, Czech Republic

Angelica Steudel, Germany

Eva Teppe, Germany

Yoshiki Toda, Japan

Hiromi Utsui, Japan

Bob Yuditha Agung, Indonesia

Lisa Zentner/ Wolfgang Kathan, Austria

Bernd Zimmer, Germany

 

 

 

missing_link_foto_Philipp_KREIDL © 2016 Lisa Zentner

17.10.2015

MISSING link

Leitertreppe/ ladder stairs

Art Space NG 39 - Austria, Raiding, Neugasse 39

design: Lisa Zentner, Oktober 2016

 

Industriestahl, gewachst/ industrial steel, waxed

DOKA-Dreischicht-Schalungsplatten, unbehandelt / formwork panel, untreated

Umsetzung / realization:  Wolfgang Kathan, Transformer Metallbau

 

Für das "fehlende Teil" muss eine schnelle, günstige Lösung gefunden werden: der Dachboden des alten farmhouse wird für die Eröffnungsausstellung in den Ausstellungsraum mit einbezogen, es braucht eine Treppe. Es gibt wenig Zeit und kein Geld. Die Lösung: Fertigung mit Materialien, die in einer Schlosserwerkstatt schnell verfügbar und billig sind.

Die räumliche Konzeption: skulptural, trotz Leichtigkeit Sicherheit vermittelnd und gerade so steil, dass man sie noch bequem begehen kann. Denn: der Raum, von dem aus der Dachboden durch die Treppe erreicht wird, dient als Vortragssaal und so soll sie wenig Platz einnehmen.

Die Lösung ist eine sich selbst tragende, vom Austrittspodest auskragende Leitertreppe mit 55° Steigung. Das Austrittspodest als "Kanzel" mit geschlossenen Wänden vermittelt Sicherheit in luftiger Höhe. Reling und Handlauf als minimaler Schutz schränken den Blick vom Vortragsraum in den Ausstellungs-Dachraum nicht ein.

 

 

 

Parti-Communisti_Francais-PCF-Architekt-Oscar-Niemeyer-Foto-Luca-Zanier

30.08.2015

Luca ZANIER „Räume der Macht“

Corridors of Power


Luca Zanier (1966, Zürich) ist seit 1993 als freischaffender Fotograf tätig. Er hat zahlreiche Preise im In- und Ausland gewonnen. Luca Zanier ist regelmässig an internationalen Ausstellungen präsent. Die Serie «Corridors of Power» zeigt Machtzentren in der ganzen Welt wie zum Beispiel den Hauptsitz der UNO in New York oder den Exekutivrat des Internationalen Fussballverbands FIFA – Symbole eines global vernetzten Systems von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

http://www.rsi.ch/la1/programmi/cultura/cult-tv/tutti-i-servizi/Luoghi-di-potere-4549594.html

 

Robert F. Kennedy Foundation und IG Halle Rapperswil präsentieren: 30. August – 8. November 2015
SPEAK TRUTH TO POWER
Eine Fotografie-Ausstellung zum Thema Macht und Menschenrechte

Eddie Adams «Speak Truth To Power – Human Rights Defenders
Who Are Changing Our World»
Luca Zanier «Corridors of Power»
Paolo Pellegrin «As I Was Dying»

 

Sammlung Lisa Zentner:

Confédération générale du travail CGT (Allgemeiner Gewerkschaftsbund), Architekt: Oscar Niemeyer (2011) Paris

6/7 80 x 120 cm

 

Siège du Parti Communiste Français, Architekt: Oscar Niemeyer (2010) Paris

5/7 80 x 120 cm



 

 

 

 

23.07.2015

Duft der Zeit

text BYUNG-CHUL HAN

 

(24,25) (…)

Sowohl die mythische als auch die geschichtliche Zeit besitzen eine narrative Spannung. Eine besondere Verkettung von Ereignissen gestaltet die Zeit. Die Erzählung lässt die Zeit duften. Die Punkt-Zeit ist dagegen eine Zeit ohne Duft. Die Zeit beginnt zu duften, wenn sie eine Dauer gewinnt, wenn sie eine narrative Spannung oder eine Tiefenspannung enthält, wenn sie an Tiefe und Weite, ja an Raum gewinnt. Die Zeit verliert ihren Duft, wenn sie jeder Sinn- und Tiefenstruktur entkleidet wird, wenn sie atomisiert wird oder sich verflacht, verdünnt oder verkürzt. Gerät sie ganz aus der sie haltenden, ja verhaltenden Verankerung, so wird sie haltlos. Gleichsam aus der Halterung gelöst, stürzt sie fort. Die Beschleunigung, von der heutzutage viel die Rede ist, ist kein Primärprozeß, der nachträglich zu unterschiedlichen Veränderungen der Lebenswelt führte, sondern eine Symptom, ein Sekundärprozess, nämlich eine Folge der haltlos gewordenen, atomisierten Zeit, einer Zeit ohne jede verhaltene Gravitation. Die Zeit stürzt fort, ja überstürzt sich, um einen wesentlichen Mangel an Sein auszugleichen, was ihr jedoch nicht gelingt, denn die Beschleunigung allein erzeugt keinen Halt. Sie läßt vielmehr den vorhandenen Mangel an Sein nur noch penetranter erscheinen.

(…)

 

>> „Duft der Zeit“, ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens,  Byung-Chul Han, 2009 transcript Verlag, Bielefeld

 

 

 

JEAN-CLAUDEellen_derGETRÄUMTEduft_01_INSELverlag

30.06.2015

Der Geträumte Duft

text JEAN-CLAUDE ELLENA

(109) Widerstand
Es ist nicht der Markt, der den olfaktiven Ausdruck nivelliert, sondern das, was wir ihm bieten. Als ich das begriffen habe, bin ich nach und nach in Widerstand getreten. Ich kämpfe gegen eine „vereinheitlichte“ Parfümerie, die gefällig sein will, auf Leistung setzt und sich selbst normiert, kann sich nicht regenerieren und erneuern.
Kein Manifest, keine wortgewaltige Statements; ich suche für das Parfum eine gelassene  Präsenz. Für mich muss ein Parfum in die Nase flüstern, sich an das Intimste richten, sich mit dem Denken verbinden. Um es zu finden, ignoriere ich die Regeln des Marktes, umgehe das Dogma Feminin versus Maskulin. Ich habe nichts für die Bezeichnung „Unisex“ oder „gemischte“ Parfums übrig, die Anwendung definiert kein Genre. Ich biete Parfums an, die zu teilen sind, Parfum-Romane, Parfum-Novellen, Parfum-Gedichte.

 

(113,114) Stil
Da ich mich bemüht habe, den Stil meiner Kompositionen zu definieren, meine Art, ein Parfum zu schreiben, weiß ich, dass in einer allzu großen Treue mir selbst gegenüber eine Gefahr liegen kann. Die Wiederholung kann zur Stagnation, zu Stillstand, ja zur Karikatur führen. Wenn ich mich in einen bestimmten Ausdruck einschließe, setze ich mich dem Risiko aus, dass man nichts mehr von mir erwartet. Und wenn ich umgekehrt zu sehr auf die anderen höre, mich dem Einfluss der Tendenzen unterwerfe, fange ich an, mit dem „Zeitgeist“ zu schwimmen und meine Besonderheit zu verlieren. Es ist mir schon passiert, dass ich alles verkompliziert habe, wirre Formeln aufgestellt habe, um am Ende alles wegzuwerfen, zu vergessen und von vorne anzufangen, um mich wiederzufinden. Stets das Gleichgewicht eines Seiltänzers suchend, muss ich den anderen zuhören können, ohne blind auf sie zu hören. Wenn ich auch ein klares Bewusstsein habe von dem, was ich mache, so hege und pflege ich doch den Zweifel: Etwas Besseres, um Kreativ zu sein, kenne ich nicht.

 

„Der geträumte Duft, Aus dem Leben eines Parfumeurs“, Jean-Claude Ellena, aus dem Französischen von Lis Künzli, Insel-Verlag 2012

 

 

 

robert MISIK_alexis TSIPRAS © 2015 MISIK

24.06.2015

Inside Syriza

text ROBERT MISIK

 

(...)

„Sag, wollt ihr hier eigentlich den Sozialismus aufbauen?“, frage ich Haris irgendwann. „Ja“, sagt sie, schnell und entschieden, als wäre es völlig absurd, so etwas überhaupt zu bezweifeln. Auch Dimitris Tzanakopoulos, dem Kabinettschef, hatte ich diese Frage schon gestellt. Der antwortet etwas diplomatischer, dies „sei eine heikle Frage“, es gehe auch überhaupt nicht um Begriffe wie „Sozialismus“ oder „Sonstwas-ismus“. „Zunächst wollen wir die neoliberale, konservative Hegemonie in Europa brechen.“ Und dann sagt er lächelnd einen Satz, der lange in meinen Ohren klingen wird: „Die einzige Grenze ist der Himmel – the only limit is the sky!“

 

Es sind diese Momente, in denen ich mich bei dem Gedanken ertappe: „Sind die verrückt geworden?“ Leben in dem Land, das von einer Krise verheert ist, in dem Not und Elend endemisch geworden sind, stehen an der Schwelle zum Staatsbankrott, im Merkel-und-Schäuble-Europa – und glauben, der Sozialismus winkt um die nächste Ecke? Aber sofort schiebt sich in meinem Kopf eine andere Frage vor diese Frage: Was, wenn in Wirklichkeit wir verrückt geworden sind?

Wir, also die, die schon froh sind, das Schlimmste zu verhindern, wir, die wir Panik vor der kleinsten Veränderung haben, ja vor der kleinsten verwegenen Idee. Plötzlich bin ich mir nicht mehr so sicher, wer spinnt: Die? Oder vielleicht wir?

(...)

>> Weiterlesen auf der Website "FALTER" Nr. 26/15

 

 

 

natural_resistance © 2015 stadtkinoWien

23.06.2015

Natural Resistance

interview CLAUS PHILIPP regisseur JOMATHAN NOSSITER

 

Heiter gegen die Unvernunft

(...)

NOSSITER: Egal ob im Kino, im Journalismus, oder woanders: Sich seine Unabhängigkeit zu bewahren ist immer schwieriger geworden und gemeinsam mit anderen Regisseuren arbeiten wir jetzt an einem Projekt, das wir offiziell im Laufe des Jahres vorstellen werden und das inspiriert ist durch das, was die Bioweinbauern gemeinsam in den letzten Jahren zustande gebracht haben.

Was haben diese Weinbauern bei Ihnen inspiriert?

NOSSITER: Die sogenannte Krise in Europa und Nordamerika ist lediglich ein Euphemismus, verbreitet von jenen, die in den letzten Jahren nichts verloren haben. Sie dient einzig und alleine dazu, den Schock abzumildern, den wir dieser neuen ökonomischen und sozialen Ordnung verdanken. Unter den Opfern befinden sich auch die authentischen, freien, traditionellen Handwerke, die immer mehr zerstört werden. Wie durch ein Wunder haben sich diese Weinbauern gefunden – Reiche und Arme, Rechte und Linke, Bürgerliche und Anarchisten – die zusammenhalten und damit überraschenderweise Erfolg haben. Ich habe mich viele Jahre gefragt, ob meine Kollegen aus der Filmwelt diesem Beispiel nicht hätten folgen sollen. In den letzten 10-15 Jahren haben diese Biobauern laufend die chemische Manipulation des konventionellen Weins aufgezeigt. Und tausende von neuen und alteingesessenen Bauern widmen ihr Leben der Herstellung von Wein und einer Landwirtschaft, die großen Respekt für die Geschichte und die Gesundheit des Ortes, in dem sie leben und arbeiten vermittelt. Sie missachten diesen bürokratischen, zynischen Kompromiss eines Zertifikats als „Biologischer Wein“, da die Regeln dafür sowohl in der EU als auch in den USA von der Pharmazie und Chemieindustrie diktiert werden. Diese Bioweinbauern hingegen kultivieren eine Methode, die schon 8000 Jahre lang wunderbar funktioniert hat. (…) Für mich ist Natural Resistance eine Liebes-erklärung an die Macht des Kinos und der Landwirtschaft als Akt des fröhlichen Widerstands.

(...)

 

>> Weiterlesen auf Stadtkino Zeitung 531

 

 

 

barozzi-veiga-stettin-philharmonie_SIMON_MENGES

15.06.2015

Mies van der Rohe Preis 2015

interview BRIGITTE KRAMER foto SIMON MENGES

 

Die Architekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga sind Träger des europäischen Mies-van-der-Rohe-Preises 2015. Ausgezeichnet wurde ihre Philharmonie im polnischen Stettin. In der Schweiz arbeiten sie derzeit an drei Projekten in Chur, Lausanne und Zürich.

 

(...)

Veiga: (...)Sagen wir es ganz ehrlich: Die Bauzeit war für uns eine sehr harte Geduldsprobe. An einem anderen Punkt unserer Karriere hätten wir das Ganze wohl abgebrochen.

Wieso haben Sie durchgehalten?

Veiga: Als uns klarwurde, worauf wir uns da eingelassen hatten, motivierten wir uns gegenseitig mit dem Satz: «Wie oft in unseren Leben werden wir noch eine Philharmonie bauen können?»

Wie konnten Sie die Unterschiede überwinden?

Barozzi: Wir nähern uns immer auf dieselbe Weise einem Ort: Erst wollen wir ihn verstehen, dann ein Gefühl für ihn entwickeln und schliesslich all das in unsere Arbeitsweise übersetzen. Wir suchen immer das Spezifische. Stettin forderte von uns Kraft und Ausdruck, dort fehlte alles. (...)

Wie ist es für Sie, in der Schweiz zu bauen, auch im Vergleich mit Polen?

Veiga: (...) Generell kann man aber sagen, wenn man das Bauen in der Schweiz mit jenem in Polen vergleicht, dann ist es in Polen wie Segeln auf offener See ohne Kompass. Man weiss nie, ob man im Hafen ankommt. Bauen in der Schweiz hingegen ist wie Segeln mit GPS. Generell weist man in der Schweiz der Architektur grosse Bedeutung zu. Die Diskussionen sind wichtig, die Beteiligten kompetent und die Bauten makellos. Alles funktioniert auf sehr hohem Niveau.

Fühlen Sie sich in der Schweiz unter Druck?

Veiga: Nicht mehr als anderswo, generell haben spanische Architekten im Ausland einen guten Ruf. Wenn man in der Schweiz etwas verbessern sollte, dann vielleicht die exzessive Standardisierung der Prozesse. Etwas, wofür es kein Protokoll gibt, ist nicht möglich. Manchmal scheint es, Bauen in der Schweiz sei nur noch das Zusammenfügen vorgegebener Elemente. Der Weg ist klar und deutlich, aber davon abkommen darf man nicht. Massgeschneiderte Bauwerke, wie man sie in Portugal oder Spanien noch bauen kann, sind fast unmöglich. Die Stettiner Philharmonie hätten wir in der Schweiz so nicht bauen können. Dazu kommt die Vernachlässigung des öffentlichen Raums. Schweizer Städte sind voll grossartiger Gebäude, die isoliert nebeneinander dastehen. Das wollen wir bei unseren drei Projekten vermeiden.

(...)

 

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

skopje_MuCA01 © 2015_lisaZENTNER

17.05.2015

Museum of Contemporary Art SKOPJE

Permanent Exhibition: Solidarity - An Incompleted Project?

 

22.02.2014 - 22.02.2016

„Skopje is not a film, not a thriller where we guess the chief event. It is a concentration of man’s struggle for freedom, with a result which inspires further struggles and no acceptance of defeat.“

Jean-Paul Sartre, 1963

 

When Skopje was destroyed by a strong earthquake fifty years ago, the tragedy that struck the city was not only the day’s top headline (to be substituted the following day by a newer, even more traumatic top story) but an event that mobilized an enormous wave of sympathy and solidarity. This potential carried within itself a utopian aspect: the aspiration was not only for Skopje to be rebuilt but for it to become a modern city. The plan of the Japanese architect Kenzo Tange for a new Skopje was conceived as the start of a new future, while the creation of the Museum of Contemporary Art was a type of symbolic passage into the future intended to serve as a promise, as an expectation of a projected, utopian fervour.

The exhibition Solidarity – an incomplete project? is conceived as a symbolic repetition of the act of the Museum’s creation through a re-enactment of that act of giving, as well as the purchasing policies of the museum’s team of experts. This re-enactment in a way reconstructs the formation of the Museum’s collection from the period of its establishment in 1964 to the present. However, repeating the creation of the Museum does not denote a return to nostalgia for the past but stands as an attempt to emphasize the importance of this event not just in the context of the past but, more importantly, in the context of the present. Here the reference to the past is not а historical overview made for the sake of history itself; rather it addresses the importance of past events for our present and future. It also highlights the importance of asking ourselves if it is still possible to believe that somewhere within us lies a utopian spark worth preserving: a spark necessary not only for great changes but sometimes needed in order to persevere and to continue to defend the abandoned or forgotten idea of solidarity.

 

>> Museum of contemporary Art, Scopje

 

 

 

skopje2014_04 © 2015_lisaZENTNER

16.05.2015

SKOPJE 2014

...

Das seit Jahren umstrittene Projekt "Skopje 2014", das viele anfangs für einen Witz hielten, hat sich als ein Grundstein der nationalen Politik von Premier Nikola Gruevski herausgestellt. Die Mazedonier hat es in verbissene Gegner des "sauteuren nationalistischen Größenwahns" und Befürworter der "Politik des nationalen Stolzes" gespalten. Während dieses "Disneyland" gebaut werde, stehe im Rest des verarmten Landes mit einer Arbeitslosigkeit von über 30 Prozent alles still ...

 

>> Weiterlesen auf der Website der Standard

 

 

 

tetovo_impression02 © 2015_lisaZENTNER

15.05.2015

TETOVO impressions

Des östereichische Schriftsteller Ilir FERRA liest aus seinem neuen Roman "Minus" im Hamam in Tetovo.

 

 

 

tetovo_ArabatiBabaTeka_BektasiKloster01 © 2015_lisaZENTNER

15.05.2015

Arabati Baba Teka

Das Bektasikloster in TETOVO/ Mazedonien

 

 

 

tetovo_paintedMosque02 © 2015_lisaZENTNER

15.05.2015

Painted Mosque TETOVO

tetovo_paintedMosque01_c_2015_lisaZENTNER

 

 

 

skopje_impression06 © 2015_lisaZENTNER

14.05.2015

SKOPJE impressions

 

 

 

luca_mesec

06.05.2015

Erst Maribor – dann Athen

text  MARTIN WOKER  foto 

 

Marx und Varoufakis

...

Er weiss um die Wirkung seines Auftretens – und er weiss um die Wirkung seiner Worte. Luka Mesec ist Sloweniens politischer Jungstar. Seine Partei Vereinigte Linke stellt seit den Wahlen im letzten Sommer mit sechs Abgeordneten die viertstärkste Kraft im Parlament in Ljubljana dar und verdrängte gar die Sozialdemokraten. Im Rampenlicht stehen Mesec und seine Genossinnen und Genossen wegen ihrer Nähe zur griechischen Syriza-Partei. Alexis Tsipras war beim letzten Kongress der Vereinigten Linken zugegen, und Luka Mesec feierte in Athen Syrizas Wahlsieg im Kreise Gleichgesinnter. Enge Kontakte bestehen auch zur spanischen Bewegung Podemos, der bei den Wahlen in diesem Jahr ein gutes Abschneiden prognostiziert wird. Ist Europa im Begriff, von einer neuen, undogmatischen und wenig strukturierten Linken vereinnahmt zu werden? Luka Mesec sieht es so: «Athen ist das neue Maribor.» ...

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“: In Maribor entscheidet sich Sloweniens Schicksal

 

 

 

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29.04.2015

EUR - Esposizione Universale Roma

text ROMAN HOLLENSTEIN foto ANDREA JEMOLO

 

Sie fand nie statt: die von Mussolini für das Jahr 1942 geplante Weltausstellung E'42 in Rom. Doch ihre Monumentalbauten bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg den Kern der zukunftsweisenden Neustadt EUR. Dieser widmet nun das Ara-Pacis-Museum in Rom eine sehenswerte Schau

 

Die durch Säulenhallen, Alleen, Gärten und einen künstlichen See belebte Expo-Stadt hätte den grandiosen Höhepunkt jener baukünstlerischen Repräsentation markieren sollen, an deren Bedeutung das faschistische Italien wie kein anderes totalitäres Land Europas glaubte. Deshalb konnte Mussolini auf das Engagement hochmotivierter Architekten nicht nur konservativer, sondern auch modern-rationalistischer Ausrichtung zählen. Wurden die städtebaulichen Interventionen in Bozen oder Brescia und die problematische Neugestaltung des Borgo oder der Kaiserforen in Rom mit herrisch oder martial anmutenden baulichen Akzenten durchsetzt, so dominierte in den Feriendörfern am Meer oder in den Neustädten der Pontinischen Sümpfe eine moderate Moderne, die selten nur durch ein brachial-klassizistisches Vokabular gestört wurde. Formal ähnlich ausgewogen plante man das E'42-Gelände, das nach der Weltausstellung ausgebaut werden sollte. Denn hier wünschte Mussolini sich ein neues Rom, das als «visione classica ma moderna, modernissima» die faschistische Ideologie in Stein verewigen und zugleich die Stadt zum Meer hin öffnen sollte. (...)

Bis heute spielt EUR in der römischen Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle, nicht nur wegen des Skandals um Fuksas' neuen Kongresspalast, sondern ebenso weil hier die Ewige Stadt mit den beiden jüngst errichteten, 120 Meter hohen Torri Eurosky und Europarco erneut zu glitzern sucht. Gleichwohl haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Mythen wie ein Schleier über die Planstadt gelegt. Diesen versucht nun eine grosse, materialreiche und von einem informativen Katalog begleitete Schau in Richard Meiers Ara-Pacis-Museum zu lüften, indem sie die EUR-Entwicklung von den faschistischen Visionen bis zum Bauboom der Wirtschaftswunderzeit minuziös nachzeichnet, ohne aber im neusten Baufilz zu stochern. (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

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17.04.2015

Architektur der sieben Sinne, Juhani Pallasmaa

text URSULA SEIBOLD-BULTMANN foto HELENE BINET

 

Unlängst wurde der finnische Architekt Juhani Pallasmaa in Karlsruhe für sein theoretisches Werk mit dem Schelling-Architekturpreis ausgezeichnet. Von einem phänomenologischen Ansatz ausgehend, fordert der Preisträger eine zu allen Sinnen sprechende Baukunst.

Theorieversessen ist Juhani Pallasmaa als Architekturtheoretiker keineswegs. Für ihn soll die Architektur nicht intellektuellen Vorgaben folgen, sondern den ganzen Menschen in existenzieller Weise berühren und das menschliche Dasein mit ihren Metaphern unterbauen.

...

In den 1960er Jahren der finnischen Sektion der Congrès Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) und dem amerikanischen Erfinder Buckminster Fuller verbunden, hing er damals dem Fortschrittsglauben der Moderne durchaus an. Aber dann erreichte ihn der Ruf auf eine Professur in Addis Abeba, und die Erfahrungen in Äthiopien erschütterten seinen Glauben an rationalistische und universalistische Utopien und an einen zwangsläufigen Nutzen neuer Technologien.

Seither macht sich Pallasmaa für eine Architektur stark, welche die Vorstellungskraft und die empathischen Fähigkeiten ihrer Nutzer nähren soll. Da die Architektur uns Orientierung im Raum biete sowie das Erleben von Zeit strukturiere und damit unser Verhältnis zu Welt, Leben und Tod wesentlich forme, komme ihr – so sein Standpunkt – ein moralischer Imperativ zu. Zugleich versteht er das Erkennen und Erleben von Schönheit und damit ästhetische Erfahrungen als Basis für ethische Werte; an dieser Stelle bezieht er sich auf den russisch-amerikanischen Dichter Joseph Brodsky.

 

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08.04.2015

KAMEL DAUD - Religion und Kultur

interview JAN MAROT autor KAMEL DAOUD

 

Mit Waf­fen kön­ne man ge­gen den ra­di­ka­len Is­la­mis­mus nichts aus­rich­ten, sagt der al­ge­ri­sche Au­tor Ka­mel Da­oud. Er selbst wird durch ei­ne Fat­wa be­droht. Sein letz­tes Buch wur­de für den Prix Gon­court no­mi­niert.

(...)

STAN­DARD: Sind Sie At­heist, Ag­nos­ti­ker oder gar gläu­big?

Da­oud: Ich bin gläu­big, aber nicht im Sin­ne von Ri­ten. Ich glau­be nicht an Re­li­gio­nen, für mich sind sie Dog­men und Ideo­lo­gien. Die Fra­ge, ob man glaubt oder nicht, ist sehr per­sön­lich. Ich für mich leh­ne die Re­li­gi­on ab. Denn lei­der hat uns Re­li­gi­on nicht den Frie­den ge­bracht, son­dern sehr viel Ge­walt, ei­ne enor­me ge­sell­schaft­li­che Spal­tung und vie­le, vie­le Lü­gen. All das leh­ne ich ab. In ei­nem mei­ner Bü­cher ha­be ich ge­schrie­ben: Zu Gott ge­he ich selbst und zu Fuß. Ich brau­che nie­man­den, der mir die Rei­se zu ihm or­ga­ni­siert.

STAN­DARD: Wel­che Er­in­ne­run­gen ha­ben Sie an das so­ge­nann­te Schwar­ze Jahr­zehnt in Al­ge­rien, den Bürg­er­krieg? Gibt es Pa­ral­le­len zur Ge­gen­wart und zum Krieg ge­gen den „Is­la­mi­schen Staat“?

Ant­wort: Ich glau­be, die Is­la­mis­ten und die Ji­ha­dis­ten kom­men aus dem­sel­ben Mi­lieu, und sie ha­ben die­sel­ben Zie­le, die sie mit den­sel­ben Me­tho­den ver­fol­gen. Für uns in Al­ge­rien ist das, was jetzt ak­tu­ell in der Welt pas­siert, ei­ne Er­in­ne­rung. Das ist uns be­reits pas­siert. In den 1990er-Jah­ren ha­ben wir den­sel­ben Hor­ror er­lebt. Es gab Leu­te, die Kin­der er­mor­det ha­ben. Es gab Leu­te, die Jour­na­lis­ten und Ka­ri­ka­tu­ris­ten ge­tö­tet ha­ben. Wir ha­ben die­sen Ter­ror in Al­ge­rien be­reits durch­lebt. Wir ha­ben die Angst er­lebt, und es ist nicht lan­ge her.

STAN­DARD: Gibt es ei­ne „Waf­fe“, mit der man dem Is­la­mi­schen Staat ent­ge­gen­tre­ten kann? Und was rich­ten die Spra­che, die Li­te­ra­tur aus?

Da­oud: Ich glau­be, es ist die Kul­tur ganz ge­ne­rell. Es gibt auch gar kei­nen an­de­ren Weg. Man wird nicht als Is­la­mist ge­bo­ren, man wird zum Is­la­mis­ten ge­macht. Eben weil man ein­zel­ne Bü­cher ge­le­sen hat, weil man Per­so­nen zu­ge­hört hat. Weil man be­stimm­te Din­ge ge­se­hen hat und selbst kei­ne an­de­re Lö­sung fin­det. Wis­sen Sie, in Al­ge­rien oder Ma­rok­ko kos­tet ei­ner mei­ner Ro­ma­ne 17 Eu­ro, was, ge­mes­sen an der Kauf­kraft, mehr als 150 Eu­ro für die Käu­fer be­deu­tet, ein Ver­mö­gen. Wäh­rend die Bü­cher der Is­la­mis­ten gra­tis ver­teilt wer­den. Da­bei darf man auch nicht ver­ges­sen, dass es eben Sau­di-Ara­bien ist, das vie­le die­ser Bü­cher fi­nan­ziert. Zu­dem gibt es aber­tau­sen­de hoch­re­li­giö­se jun­ge Mus­li­me, die, eben­so von Sau­di-Ara­bien fi­nan­ziert, in Nord­afri­ka und der ara­bi­schen Welt pre­di­gen. Sie sind sehr zahl­reich und ha­ben im­mer mehr Ein­fluss auf die Ju­gend, auf die Frau­en, die Ge­sell­schaft. Ich bin mir si­cher, dass man nicht mit Waf­fen ge­gen die­se Strö­mung ge­win­nen kann, son­dern ein­zig und al­lein mit Kul­tur. (...)

 

Ka­mel Da­oud (44), 1970 in Mos­ta­ga­nem ge­bo­ren, ist Ro­man­au­tor und gilt als ei­ner der bril­lan­tes­ten In­tel­lek­tu­el­len Al­ge­riens und des Maghr­eb. Im De­zem­ber 2014 wur­de ge­gen den Au­tor und Ko­lum­nis­ten der Ta­ges­zei­tung „Quo­ti­dien d’Oran“ ei­ne Fat­wa, ein is­la­mi­sches To­des­ur­teil, sei­tens ei­nes ra­di­ka­len Kle­ri­kers aus­ge­spro­chen – nicht ein­zig we­gen sei­nes für den dies­jäh­ri­gen Prix Gon­court no­mi­nier­ten Ro­mans „Meur­sault. Con­tre-en­quê­te“ (2014).

 

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07.04.2015

STRING

 

 

 

martin aufmuth_ein-dollar-brille01

06.04.2015

Ein-Dollar-Brille für Millionen

text CHRISTOPH EISENRING

 

Wenn die bunten Glasperlen im Sonnenlicht funkeln, freut sich Martin Aufmuth immer noch. Die Perlen zieren seine «Ein-Dollar-Brille», ein einfaches, aber sehr stabiles Drahtgestell, dessen Materialkosten bei einem Dollar liegen.(...)

Aufmuth pröbelte fünf Jahre, bis er eine Biegemaschine entwickelt hatte, mit der sich derart günstig Brillen herstellen lassen. Die Linsen aus Polykarbonat bezieht er von einem chinesischen Betrieb, dessen Besitzer er kennt. Dabei stellte Aufmuth harte Bedingungen an seine Erfindung: Die Brille muss lokal gefertigt werden können und zwar ohne Elektrizität. Sie soll zudem keine Teile enthalten, die leicht verloren gehen können wie kleine Schräubchen.

So ist ein Holzwürfel von 30 cm Seitenlänge entstanden, in dem alle Utensilien für die Produktion Platz finden.  (...) Aufmuth wirkt sanftmütig, ist aber ein hartnäckiger Kämpfer für seine Idee. Was treibt ihn an? Dass sechs Flugstunden entfernt Menschen an Krankheiten leiden oder gar sterben, die leicht kurierbar sind, beschäftigt ihn schon lange. Er hätte ja genauso gut dort geboren sein können. Und er ist überzeugt, dass ein Einzelner mit einem guten Projekt etwas bewirken kann. (...)

 

 

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>> Ein-Dollar-Brille

>>Martin Aufmuth

 

 

 

FRÜHLING_lobau_01_© 2015 lisa_ZENTNER

05.04.2015

FRÜHLING in der Lobau

 

 

 

 

 

frühlingserwachen © 2015 lisaZENTNER

21.03.2015

Das Leben der Anderen

essay BARBARA FRISCHMUTH

(...)

Jetzt ist er da, der Früh­ling. Höch­ste Zeit, um sich ein paar Ge­dan­ken über die Na­tur zu ma­chen.

(...)

Der Dis­kurs über den An­de­ren be­schäf­tigt Phi­lo­so­phen, So­zio­lo­gen, An­thro­po­lo­gen schon seit lan­gem. Und trotz al­ler Be­teue­run­gen, dass der An­de­re auch die An­de­re meint, fällt es mir meist schwer, ei­ne weib­li­che Per­son vor Au­gen zu ha­ben, wenn ich ei­ne Ab­hand­lung le­se, in der über den An­de­ren nach­ge­dacht wird. Und so bleibt auch der An­de­re, den wir in un­se­rem Spiegel­bild nicht er­ken­nen wol­len, ob­wohl er uns in so vie­lem gleicht, für mich männ­lich kon­no­tiert. Viel­leicht ge­ra­de, weil wir da­von aus­ge­hen, dass im An­de­ren im­mer noch mehr vom Go­ril­la lebt (wie der Go­ril­la­for­scher Geor­ge B. Schal­ler es al­len Men­schen zu­schreibt) als in uns selbst.

Die wirk­lich An­de­ren

Auch wenn es uns ge­lingt, den An­de­ren ge­schlechts­neu­tral zu se­hen, ist er­wie­sen, dass Mensch und Tier mehr mit­ein­an­der ge­mein ha­ben, als uns ge­mein­hin lieb ist. Wenn wir al­so von den Tie­ren als den An­de­ren spre­chen, geht es eher um ver­schie­de­ne Ent­wi­cklungs­stu­fen und Aus­prä­gun­gen ei­nes ur­al­ten Bau­plans. Wenn wir aber vom Le­ben als sol­chem aus­ge­hen, sind die Pflan­zen die wirk­lich An­de­ren, un­ter­schei­det sich doch ihr Bau­plan in vie­lem ra­di­kal von dem der Tie­re (uns ein­ge­schlos­sen).

Pflan­zen sind eben­so viel­fäl­tig, wahr­neh­mungs­be­gabt, ent­schei­dungs­mäch­tig und (das gilt für vie­le noch als um­strit­te­ne Er­kennt­nis) in­tel­li­gent wie al­le an­de­ren Le­be­we­sen, die es ge­schafft ha­ben, auf die­ser nicht im­mer wirt­li­chen Er­de zu über­le­ben. Ne­ben­bei ge­sagt, ein paar hun­dert Mil­lio­nen Jah­re län­ger und we­sent­lich er­folg­rei­cher als wir und die Tie­re, ma­chen sie doch je nach Hoch­rech­nungs­art 90 Pro­zent (Mi­cha­el Pol­lan) bis 99,5 Pro­zent (Ste­fa­no Man­cu­so) der ge­sam­ten Bio­mas­se aus. Um uns da­run­ter et­was vor­stel­len zu kön­nen, er­in­ne­re man sich an all die Pflan­zen­res­te, aus de­nen seit Jahr­hun­der­ten Koh­le und Erd­öl ge­won­nen wer­den. (...)

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o.T. © 2014 wolfgang KATHAN

15.02.2015

BATH ART GALLERY 01

o.T. © 2014 wolfgang KATHAN

 

 

 

OSAMU_NISHIDA_yokohama-apartment © foto_KoichiTORIMURA

07.02.2015

OSAMU NISHIDA japan WOHNEN IM ZWISCHENRAUM

Text ULF MEYER foto OSAMU NISHIDA

 

Zwi­schen Räu­men le­ben

Der Wohn­bau in Ja­pan schafft Wohn­qua­li­tät auf we­ni­gen Qua­drat­me­tern. Ein Wohn­zim­mer kann in fle­xi­blen Raum­kon­zep­ten auch zur öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Zo­ne für je­der­mann wer­den.

 

Wo­zu be­sit­zen, wenn man auch tei­len kann? Ein Haus in Yo­ko­ha­ma, Ja­pans dritt­größ­ter Stadt, macht das zwi­schen­mensch­li­che, ur­ba­ne Mit­einan­der ex­em­pla­risch vor. Ar­chi­tekt Osa­mu Nis­hi­da hat mit sei­nem Ka­na­ga­wa Apart­ment Hou­se ein Kong­lo­me­rat aus pri­va­ten Haus­tei­len ge­schaf­fen, die sich rund um ei­ne öf­fent­li­che Haus­mit­te grup­pie­ren. In die­sem frei zu­gäng­li­chen Atri­um wird ge­kocht, ge­ges­sen und ge­wohnt. Qua­si mit­ten auf der Stra­ße.

Um den zen­tra­len Zwi­schen­raum, „cha­no­ma“ ge­nannt, auch bei küh­lem Wet­ter nutz­bar zu hal­ten, hat der Ar­chi­tekt Osa­mu Nis­hi­da di­cke, durch­sich­ti­ge Plas­tik­lamel­len, wie man sie aus Kühl­häus­ern kennt, ein­fach in die Öff­nun­gen ge­hängt. Schlan­ke, wei­ße Stahl­trep­pen füh­ren frei durch den Raum und er­schlie­ßen die pri­va­ten Schlaf- und Rück­zugs­räu­me im Ober­ge­schoß. Auf die­se Wei­se ist es ge­lun­gen, auf ei­nem nur 140 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück ein eben­so gro­ßes Haus hin­zu­stel­len, oh­ne je­doch da­bei die win­zi­ge Par­zel­le voll zu be­bau­en. In je­dem Raum des schloh­wei­ßen Ge­bäu­des gibt es Ta­ges­licht.

Das Ka­na­ga­wa Apart­ment Hou­se ist ty­pisch für die zeit­ge­nös­si­sche ja­pan­is­che Wohn­baus­ze­ne, die aus Nö­ten Tu­gen­den macht.

 (...)

Das Ta­lent für das Klei­ne, so Ku­ma, ent­sprin­ge aus der Tra­di­ti­on der „cha-shit­su“, der klei­nen ja­pan­is­chen Tee­häu­ser, die im Gar­ten oft als Aus­blicks­punkt und Ort der in­ne­ren Ein­kehr ge­baut wer­den. Die bon­sai­haf­te Mi­nia­tu­ri­sie­rung und der Rück­griff auf das bau­li­che Er­be brin­gen auch wie­der Wär­me und Wohn­lich­keit zu­rück in die zeit­ge­nös­si­sche Ar­chi­tek­tur.

(...)

 

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streckhofdorf-eisenstadt_burgenländisches Landesarchiv

07.02.2015

Emanzipation im Dorf

Text ALBERT KIRCHENGAST

 

Was heutiger Städtebau vom Gestern lernen kann

 

Knapper Wohnraum in Wien und historische Dörfer im Burgenland waren jüngst der Ausgangspunkt eines «Versuchslabors». Das Ergebnis sind Architekturentwürfe, die den Traum vom Leben auf dem Lande neu interpretieren, gegen Zersiedelung und für die Vernetzung eines alt-neuen Grossraums eintreten.

(…)

Können nur wenige Neubauten einen Vergleich mit Wiens gründerzeitlicher Bausubstanz überhaupt bestehen, ist es doch ein anderer, pragmatischer Grund, der die Wohnungssuchenden aus der Stadt vertreibt: der konsequente Preisanstieg auf dem Wiener Wohnungsmarkt. Dies meint jedenfalls der Architekt András Pálffy, wenn er von einer wahren «Gegenreformation» spricht, bei der ein jährlicher Wohnungsbedarf von bis zu 15 000 Einheiten das Eigenheim auf dem Land – samt Pendeln in die Stadt – höchst attraktiv mache. Der Blick auf die täglich überquellenden Wiener Autobahnen kann das nur bestätigen. Kein Wunder, zahlt man doch im Umland nicht selten einen Vierzigstel für Grund und Boden im Vergleich mit der Stadt.

Während andere über das planerische Desaster im steuerlich attraktiven Speckgürtel der Bundeshauptstadt debattieren, sich den Begriff Metropolitanregion selbstverständlich anverwandeln und damit kein singuläres Phänomen beschreiben, hat Pálffy sein eigenes Szenario entwickelt.

Nüchtern abwägend, plädiert er im Gespräch für eine Stärkung historischer, dichter Dorfstrukturen.

Was Generationen von Architekten vergeblich versuchten, machte Pálffy im letzten Semester zum universitären Kurs an der TU Wien. Zum sechsten Mal hat der Professor für Gestaltungslehre und Entwerfen ein Joint Venture initiiert, das ausgewählte Hochschulen aus Deutschland, Italien, Japan, Schottland und dem Tessin unter einem kernigen Thema versammelt: «Village Textures». (…)

1961, drei Jahre vor Bernard Rudofskys «Architecture without Architects», veröffentlichte der für die österreichische Nachkriegsmoderne so wichtige Architekt Roland Rainer, Professor an der Akademie der bildenden Künste und kurzzeitiger Stadtplaner Wiens, das Buch «Anonymes Bauen Nordburgenland»; darin eingeschlossen die Kritik eines modernen Architekten an der architektonischen Moderne, den Blick auf die Kontinuität architektonischer Entwicklungen gerichtet. Allerdings führte sein prächtig ausgestatteter Bildband eine bereits schwindende ländliche Baukultur vor: (…)

Das trügerische Bild ist gleichwohl heute noch von Aktualität. Denn es zeigt keineswegs bäuerliche Siedlungen anonymer Planerschaft – die nostalgische Sehnsucht nach vergangenen Lebensweisen. Viele nordburgenländische Dörfer wurden nämlich zentral, sozusagen am Wiener Reissbrett, entwickelt. Als «Ingenieursiedlungen» wurden sie teilweise im 18. Jahrhundert zur Wiederbesiedlung des nach Osten offenen, in den «Türkenkriegen» immer wieder von osmanischen Reitern überrollten Gebiets angelegt. Sie demonstrieren städtebauliche Prinzipien, die noch heute gültig und wiederholbar sind.

(…)

 

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eislaufverein-eislaufen-schlittschuhlaufen

06.02.2015

Wien – zurück zu alter Grösse

Text MERET BAUMANN

 

In Wien wird an allen Ecken gebaut. Um das Bevölkerungswachstum der Metropole bewältigen zu können, werden gänzlich neue Wohngebiete errichtet, Schulen, Spitäler, Altersheime und Bahnhöfe erstellt, die Stadtbahn angelegt. In der zentralen Kärntnerstrasse drängen sich die Menschen vor den Schaufenstern, und in der Strassenbahn herrscht ein Stimmengewirr verschiedenster Sprachen. Um die Verbauung auch der Naherholungsgebiete zu verhindern, beschliesst der Gemeinderat, den Wienerwald westlich und südlich der Stadt unter Schutz zu stellen.

Eine solche Schilderung würde in weiten Teilen auf die heutige Zeit zutreffen, beschreibt aber die Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

(…)

In den Jahren 2001 bis 2011 legte diese in Wien um knapp elf Prozent zu – in Europa wuchsen nur Madrid, Stockholm und Brüssel in derselben Periode stärker. Bewahrheiten sich die Prognosen der Statistiker, dürfte Österreichs Hauptstadt in diesem Ranking in den nächsten Jahren gar noch weiter vorstossen und mit München um den Spitzenplatz ringen. (…)

Allein in der laufenden Planungsperiode bis 2025 müssen laut Winkler 120 000 Wohnungen gebaut werden. Dabei profitiert Wien davon, dass es bis vor kurzem auch an zentraler Lage noch grossflächige Bahn- und Industrieanlagen aus der Zeit der Donaumonarchie gab, die nach dem Zerfall des Reichs nicht mehr gebraucht wurden. Am alten Nordbahnhof etwa wird derzeit ein Gelände von 85 Hektaren überbaut, etappenweise entstehen 10 000 Wohnungen und 20 000 Arbeitsplätze. Ebenfalls ein gänzlich neues Stadtquartier mit 5000 Wohnungen wird am Südbahnhof errichtet, der seit kurzem als Hauptbahnhof in Betrieb ist.

Kritik von Experten

Doch das Bauen auf der grünen Wiese stösst immer wieder auf Widerstand, unzählige Bürgerinitiativen wehren sich jeweils gegen die Projekte. Dazu kam zuletzt aber auch vermehrt Kritik von Experten, die der Stadt vorwerfen, Investoren gegenüber zu nachgiebig zu sein. So protestierten im Frühling namhafte Architekten in einem offenen Brief gegen die Neugestaltung des Areals des Wiener Eislaufvereins und die Errichtung eines Hochhauses mit Luxuswohnungen.

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“, 06.02.2015, Seite 7

 

Wien erlebt, wie bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einen enormen Boom. Die Politik steht vor ähnlichen Herausforderungen wie damals.

 

 

 

palmoel-anbau-indonesien_FOTO_Bagus Indahono

19.01.2015

Alles ist nachhaltig – oder doch nicht?

Text JENNI ROTH foto  19.1.2015

Alles ist «nachhaltig»; die Pizza, die Firmenphilosophie, selbst die Geldanlage. Und diesen Anspruch erhebt ausgerechnet eine Konsumgesellschaft, die rücksichtslos im Überfluss badet.

Gleich am Morgen geht's los: Das Shampoo entfernt Schuppen «nachhaltig». Den Kaffee trinkt man dann mit seinem Partner, dem man in einer «nachhaltigen Lebensgemeinschaft» verbunden ist. Dann fährt man zur Arbeit in seine Firma, die für eine «nachhaltige Unternehmensphilosophie» steht, und kümmert sich in der Mittagspause um sein «nachhaltig» angelegtes Geld. Auf der Heimfahrt schliesslich hört man im Radio eine Sendung über die «Nachhaltigkeit des Kulturerbes», bevor man sich, wieder zu Hause, eine Thunfischpizza in den Ofen schiebt. Aus – laut Verpackung – «nachhaltiger Erzeugung», versteht sich.

Kann das sein?

Offenbar gibt es nichts, was heute – zumindest dem Namen nach – nicht nachhaltig ist. Selbst ein im Aussterben begriffener Fisch wird nachhaltig gefangen. Kann das alles sein?

Dass die Nachhaltigkeit sich in allen Lebensbereichen eingenistet hat, ist ein neues Phänomen. Ziemlich alt hingegen ist der Begriff an sich, im vergangenen Jahr hat er seinen 300. Geburtstag gefeiert. Und der Sprachwissenschafter Jochen Bär von der Universität Vechta weist darauf hin, dass es auch bei Goethe in «Wilhelm Meisters Lehrjahren» heisst: «Wilhelm [. . .] schien nunmehr zum erstenmal zu merken, dass er äusserer Hülfsmittel bedürfe, um nachhaltig zu wirken.»

Doch der Begriff kommt eben nicht von Goethe, sondern aus dem Wald: Im 17. Jahrhundert ging – wegen Übernutzung – das Gespenst der Holznot um. In den frühindustriellen Zentren des alten Europa, aber auch im noch hermetisch abgeschlossenen Japan. Aus Angst vor einem Kollaps von Land und Wirtschaft forderte 1713 der leitende Beamte des kursächsischen Silberbergbaus, Carlowitz, die «nachhaltende Nutzung» der Wälder. Wobei die Idee an sich viel älter sei, sagt Ulrich Grober, Kulturwissenschafter und Autor von «Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs»: Die Walfänger auf Kamtschatka etwa hätten schon immer ihre Schonzeiten strikt eingehalten, und die Erbauer der chinesischen Reisterrassen über Tausende von Jahren die Fruchtbarkeit der Böden gesichert. «Nachhaltigkeit als Kind der Krise und als Gegenbegriff zu Kollaps – das finde ich heute wieder höchst aktuell», sagt Grober. (...)

 

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19.01.2015

Nachhaltigkeit als positives Tabu

Interview: Jenni Roth

Der Philosoph Norbert Bolz erklärt, wie aus dem Begriff «Nachhaltigkeit» ein quasireligiöses Heilsversprechen geworden ist

 

Herr Bolz, Sie sind bekannt dafür, in gesellschaftlichen Diskursen gern einmal Contra zu geben. Was halten Sie vom zeitgeistigen Begriff der Nachhaltigkeit? Ein ökologischer Fundamentalismus?

Wenn Nachhaltigkeit als ökologischer Fundamentalismus benutzt würde, wäre das ja sinnvoll. Aber auch nur dann – etwa im ursprünglichen Sinn der Forstwirtschaft. Aber so, wie der Begriff heute verwendet wird, halte ich ihn für gewaltigen Unsinn. Er wird inflationär über alle möglichen gesellschaftlichen Zusammenhänge gestülpt und in den absurdesten Kombinationen benutzt, um zu signalisieren: «Ich bin ein guter Mensch.» Es gibt kaum mehr einen gesellschaftlichen Bereich, der nicht «nachhaltig» ist, der Begriff hat auch Eingang gefunden in die Unternehmensphilosophien, das ist absurd.

 

Wie erklären Sie sich diesen Siegeszug?

Er klingt – gemäss seinen forstwirtschaftlichen Ursprüngen – ungemein beruhigend: Es wächst was nach, alles ist balanciert. Aber die Balancemodelle der älteren ökologischen Bewegungen funktionieren nicht. Die Grünen brauchten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ein neues Thema – und das war mit der Natur schnell gefunden. Aber der Grundgedanke der Grünen von einer Balance zwischen Gesellschaft und Umwelt im Sinne von Natur ist unvereinbar mit der Theorie komplexer Systeme. (...)

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03.01.2015

DIE MITTELLOSEN von Szilárd Borbély

Die Einsamkeit der Primzahlen

Neue Zürcher Zeitung vom 03.01.2015, Seite 53:

 

In der tiefen Provinz des Menschlichen – Szilárd Borbélys Kindheitserinnerungen «Die Mittellosen».

Von Andreas Breitenstein

Wollte man das kleine ungarische Dorf, in dem Szilárd Borbélys zum Roman gestaltete autobiografische Kindheitserinnerungen «Die Mittellosen» spielen, als Dystopie erfinden – man müsste über eine Einbildungskraft von desperater Düsternis verfügen. Es ist eine Welt ohne Würde und ohne Erbarmen, ohne Herkunft und Zukunft, ohne Glauben, Liebe und Hoffnung. Alles, was einem Erdenbürger an Sicherheit in die Wiege gelegt wird, steht in dieser tiefen Provinz des Menschlichen zur Disposition. Armut herrscht und schlechte Laune, die gängige Sprache ist jene des Schweigens. Verloren sind die Seelen und verroht die Einwohner; über die Tiere, mit denen sie in grobschlächtiger Symbiose leben, sind sie zwar Herr, doch was sie über diese erhebt, ist vor allem der Alkohol, die Gemeinheit und die Gewalt. Es gilt das Gesetz der Hackordnung, und so sieht jeder zu, dass er einen noch Niedereren findet als sich. Was hingegen alle eint, ist der Hass jenen gegenüber, die nicht im Raster des beschädigten Lebens aufgehen. (...)

 

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>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“ zum Tod des Dichters Szilárd Borbély

 

 

 

© The Schusev_State Museum of Architecture Moscow

30.12.2014

BAUHAUS und WCHUTEMAS: zwei Ausstellungen

Labore der klassischen Moderne

Neue Zürcher Zeitung vom 30.12.2014, Seite 43:

 

Zwei Ausstellungen über sowjetische Architektur-Utopien und freie Gestaltung am Bauhaus

Den wohl legendärsten Gestaltungsschulen im frühen 20. Jahrhundert, dem deutschen Bauhaus und den Wchutemas in Moskau, widmen sich derzeit zwei Ausstellungen in Dessau und in Berlin. Beide Institutionen verfolgten trotz intensivem Austausch divergente Lehrkonzepte, ihre Schüler aber rangen um das Gleiche.

Text: Bettina Maria Brosowsky

Auf der diesjährigen Architektur-Biennale in Venedig kommentierte Russland das vorgegebene Motto «Absorbing Modernity 1914–2014» mit einem parodistischen Beitrag. Eine fingierte Baumesse präsentierte die Grundfesten russischer Baukultur, darunter auch eine Neuauflage der Architekturschule Wchutemas, die 1920 gegründet und bereits 1930 wieder aufgelöst wurde. Besucher durften mit Knetmasse deren neuartiges pädagogisches Konzept probieren: «Das analoge Training für eine digitale Welt». In schlichten Regalen wurde zudem der Inspirationsquell postrevolutionärer Architekturformen demonstriert, die in manch aktuellem Investorenprojekt in Moskau oder St. Petersburg megalomane Repliken erleben.

Grundlehre «Raum»

Ohne Zweifel: Von dem ästhetischen und didaktischen Wirken der Wchutemas geht eine ungebrochene Faszination aus. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin belegt dies eindrucksvoll anhand von rund 250 Architekturskizzen, Planzeichnungen und Modellen aus dem Moskauer Schtschussew-Museum für Architektur.

(...)

 

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Die Wchutemas-Ausstellung ist bis 6. April 2015 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen

Die Bauhaus-Schüler-Ausstellung ist bis 1. März 2015 im Bauhaus Dessau zu sehen.

 

 

 

29.12.2014

Aus dem Geist der Aufklärung

text GOTTFRIED HÖFFE

Nur ein regenerationsfähiger Liberalismus erweist sich als zukunftstauglich.

 

In der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts vorgeprägt, wird der Liberalismus im 19. Jahrhundert zum entscheidenden Herold und Vorkämpfer für eine freiheitliche Wirtschaftsordnung (Wirtschaftsliberalismus), für eine zunehmend offene Gesellschaft (Gesellschaftsliberalismus) und für einen demokratischen Verfassungsstaat bzw. eine konstitutionelle Demokratie (politischer Liberalismus). Als aufgeklärten Liberalismus bezeichne ich hier eine Grossfamilie von Theorien und Programmen, die sich durch drei Kernelemente der Aufklärung auszeichnen.

Ein aufgeklärter Liberalismus ist erstens gegen jede ideologische und autoritäre, dabei wirklichkeitsresistente Politik allergisch; stattdessen vertraut er lieber auf die Erfahrung. Diese beginnt mit einer anthropologischen Erfahrung: dass sich der Mensch durch die Doppelnatur von Kooperation und Konflikt auszeichnet. Einerseits ist er auf ein vielfältiges Zusammenwirken angewiesen. Es beginnt mit der wechselseitigen Hilfe und reicht über die Arbeitserleichterung durch Arbeitsteilung und Spezialisierung bis zur gegenseitigen Anerkennung, selbst Liebe und Freundschaft. Andererseits herrschen schon deshalb Konkurrenz und Konflikt, weil weder ökonomische Dinge wie Güter und Dienstleistungen noch ausserökonomische wie Anerkennung und die freundschaftliche Zuwendung in paradiesischer Überfülle existieren. Hinzu kommt, dass die Menschen sich voreinander auszeichnen wollen, dass nicht zuletzt Neid und Eifersucht drohen. (…)

 

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bambusloeffel-alvaro-abreu © foto_hans HANSEN

22.12.2014

Exerzitien eines Löffelschnitzers

text PHILIPP MEIER

 

Jeden Tag einen Löffel schnitzen. Dies tut der Brasilianer Alvaro Abreu seit vielen Jahren. Nicht um davon zu leben, nein. Er war von Berufs wegen Produktionsingenieur, Universitätsprofessor und Unternehmer und hätte dies sicher gar nicht nötig. Er tut es aber gleichwohl, um davon zu leben – in einem ganz anderen Sinn. Es ist sein täglich Brot geworden, sein Lebenssinn gewissermassen. Das Bambuslöffelmachen wurde ihm zur Berufung.

Alvaro Abreu begann mit seinem Exerzitium vor knapp zwanzig Jahren. Von einem solchen zu sprechen, ist dabei nicht so falsch. Abreu hat daraus ein Ritual gemacht. Oder vielmehr ist der Umgang mit Bambus, Messer und Schleifpapier für ihn zu einer unerlässlichen Gewohnheit geworden. Tausende von Löffeln hat er schon gemacht.

Schaut man ihm bei der Arbeit zu – die Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur zeigt auch ein Video –, so wird man Zeuge einer sehr konzentrierten Tätigkeit, bei der jeder Handgriff völlig natürlich erscheint und sich wie von selbst aus der Abfolge der einzelnen Arbeitsprozesse ergibt. Auch scheint das Löffelschnitzen für Abreu eine erfüllende Beschäftigung zu sein. Man ist an japanische Handwerker erinnert und an deren Demut vor dem Material, deren Ruhe und Geduld auch im Umgang mit diesem.

Immer schnitzt Abreu seine Löffel aus einem einzigen Stück Bambus. Er belässt sie unlackiert, in ihrem Naturzustand. Allein durch Schleifen und Polieren erhalten sie ihren sanften Glanz. Die sichtbare Maserung des Holzes, die Knoten des Bambus werden dabei zu Gestaltungselementen.

Bei seinem geradezu spielerischen Tun erfindet Abreu immer wieder neue Formen, als ob ihm das Material je nach Beschaffenheit selber die ideale Gestaltung einflüstern würde. Dabei geht es ihm tatsächlich um eine rein gestalterische Idee: Was alles kann ein Löffel sein, welche Formen ermöglicht das äusserst vielseitig verwendbare Material Bambus? Wie weit kann man das einfache Thema Löffel variieren? (…)

 

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18.12.2014

Zwei leere Stühle, die sich gegenüberstehen

text ALEIDA ASSMANN foto IMRE BELLON

 

In Budapest gibt es Widerstand gegen ein neues Denkmal, das mit dem Erinnern das Vergessen betreibt. Von Aleida Assmann

In Ungarn herrscht ein Krieg der Erinnerungen. Es gibt zurzeit kein anderes Land in Europa, in dem die Vergangenheitsbilder so radikal aufeinanderprallen. In Budapest wird derzeit um ein mittels Generalisierung Verharmlosung betreibendes Denkmal zum Einmarsch deutscher Truppen 1944 gestritten.

Es gibt in Budapest schon seit längerem eine Reihe von Denkmälern und Zeichen, die an die Ermordung der ungarischen Juden während des Zweiten Weltkriegs erinnern, so etwa das Denkmal der Schuhe am Donauufer, das 2005 von den Künstlern und Filmemachern Gyulas Pauer und Can Togay geschaffen wurde, oder die Trauerweide aus Metall, genannt: «Der Baum des Lebens» des Künstlers Imre Varga vor der Grossen Synagoge.

Ein neues Kapitel in der Denkmalgeschichte der Hauptstadt hat mit dem Staatsdenkmal begonnen, das am Platz der Freiheit in der Nacht auf den 20. Juli 2014 aufgestellt wurde. Es kam vier Monate zu spät, denn es sollte eigentlich am 19. März, siebzig Jahre nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Ungarn, bereit sein. Dieser Zeitplan scheiterte, weil schon im Vorfeld der Denkmalsetzung Widerstand aufkam und juristische Nachfragen abgeklärt werden mussten.

Am Freiheitsplatz war nicht mehr viel Platz für ein weiteres Denkmal. Von zwei Seiten ist er mit stattlichen Gebäuden gesäumt, an einer weiteren Seite steht das sowjetische Befreiungsdenkmal, und auf der Grünfläche befindet sich die gläserne Überdachung einer Tiefgarage. An der letzten freien Seite steht nun das Okkupationsdenkmal, das von einer Konstruktion abgebrochener Säulen gerahmt ist, wie man sie als Standardsymbol für Trauer von europäischen Friedhöfen kennt.

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“, Neue Zürcher Zeitung vom 18.12.2014, Seite 45

 

 

 

17.12.2014

Bee Home

Ohne Bienen kein Obst

text NATALIE AVANZINO foto CHRISTOPH RUCKSTUHL

 

Die Zahl der Bienen ist weltweit rückläufig, entsprechend gefährdet ist die ausreichende Bestäubung vieler Pflanzenarten. Ein ETH-Spin-off hat nun ein Projekt entwickelt, das den Bestäubungsprozess in der nächsten Umgebung unterstützt.

Bienen sind die wichtigsten Mitarbeiterinnen der Obstbauern, denn ohne bestäubte Blüten gibt es kein Obst. Neben Honigbienen gibt es allein in der Schweiz über 600 Arten Wildbienen. Rund ein Drittel unserer Lebensmittel wird aus Pflanzen hergestellt, die auf die Bestäubung durch Insekten, vor allem durch Bienen, angewiesen sind.

 

Mauerbienen stechen nicht

Dieser Prozess ist durch das weltweite Bienensterben gefährdet. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Populationen vieler Arten markant zurückgegangen. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: Die meisten Bienen sind auf ein sehr spezifisches Blütenangebot und geeignete Nistplätze angewiesen. Durch die Zersiedlung und die Intensivierung der Landwirtschaft wurden diese Habitate immer weiter voneinander getrennt, so dass die Bienen weniger geeignete Flächen für die Aufzucht ihrer Brut finden.

Zwei Zürcher Biologen bringen nun die lokale Bienenpopulation in Schwung. 2014 haben Claudio Sedivy und Tom Strobl das ETH Spin-off Wildbiene und Partner gegründet und vertreiben ein eigens dafür entwickeltes Bienenhäuschen an Private. Das «Bee Home» enthält ein Bambusröhrchen mit einer Startpopulation von 15 Mauerbienenkokons. Jeder dieser ungefähr erdnussgrossen Kokons enthält eine voll entwickelte einheimische Mauerbiene im Stadium der Winterruhe. Im Frühling schlüpfen die Bienen aus dem Röhrchen und bestäuben die Pflanzen im Umkreis von etwa dreihundert Metern. «Keine Sorge, die Mauerbienen sind harmlos, sie stechen nicht», betont der 33-jährige Strobl. Dafür könne man aus nächster Nähe in deren faszinierende Welt eintauchen. Die emsigen Weibchen sammelten Pollen und Nektar, um in den Bambusröhrchen ihre Jungen zu versorgen, erzählt der Jungunternehmer. (...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

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28.11.2014

Geld ist Entmachtung

interview SIGRID SCHAMALL

 

Unser Geldsystem verdirbt, macht gierig  und schürt Neid, sagt Psychologe Tarek el Sehity.

Geldknappheit spürt paradoxerweise  das reiche Prozent  der Gesellschaft  besonders intensiv.

 

Standard: Ist Geld Macht?

El Sehity: Ganz im Gegenteil: Geld ist Entmachtung. Weil wir uns daran gewöhnt

haben, Geld aus der Perspektive des Geldgebers – also des Käufers – anzusehen,

erleben wir den Geldbesitz als eine ungemeine Ermächtigung. Die wenigsten Käufer

könnten jedoch erklären, warum sie sich für das bunte Papier in der Hand ihre

Bedürfnisse erfüllen können. Welche Macht bewirkt, dass wir ab einer bestimmten

Geldmenge auch unsere kostbarsten Leistungen und Güter anbieten? Wenn wir als

Verkäufer nämlich unser Angebot mit Erleichterung einem Geldgeber überreichen,

passiert etwas äußerst Denkwürdiges: Reales wird für etwas Fiktives gegeben. Die

bedruckten Scheine haben an und für sich keinen Gebrauchswert. Wie es

funktioniert, wird kaum verstanden, und die genaue Bedeutung der Zahlen auf den

Scheinen und Konten lässt sich eigentlich auch nur vermuten. Dieses rätselhafte

Artefakt ist für uns die Grundbedingung, damit wir geben. Und dies, ohne dass

das Geld in der Produktion oder auch in irgendeiner Produktionskette eine

praktische Relevanz für unser Tun und Handeln hätte. Die Macht des Geldes ist

also keine praktische, da es uns zu nichts befähigt. Vielmehr besteht die Macht

des Geldes in der Leistungshemmung, nämlich den Leistungs- und Gütertransfer zu

stoppen, wenn kein Geld angeboten wird.

 

Standard: Wollen Sie darauf hinaus, dass wir ein paar Tausend Jahre zurück in den

Tauschhandel sollen?

 

El Sehity: In einer Welt, die in den vergangen 400 Jahren ein Kontinuum an

technologischen Revolutionen erlebt hat und Maschinen unsere Fabriken und

Wohnungen bevölkern, mutet es doch seltsam an, dass wir zur Regulierung unseres

Angebotes nach wie vor die Logik eines künstlich verknappten Artefakts bedienen. Wozu?

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website "der standard"

 

 

 

narziss_brunnen_bayr_Nationalmuseum

08.11.2014

Yun Dong-Ju, Selbstporträt

Yun Dong-Ju (1917–1944)

 

Allein gehe ich um den Berg

zum Brunnen am Ackerrand.

Still blicke ich hinein.

Darin leuchtet hell der Mond,

Wolken ziehen dahin,

Der Himmel liegt ausgebreitet,

blauer Wind weht,

und der Herbst weilt dort,

ebenso ein Mann.

Irgendwie mag ich ihn nicht

und wende mich ab.

Als ich so fortgehe,

überfällt mich Mitleid für ihn.

Ich blicke wieder in den Brunnen,

da ist immer noch der Mann.

Auch diesmal mag ich ihn nicht

und wende mich ab.

Als ich so fortgehe, überkommt mich die Sehnsucht nach ihm.

Im Brunnen leuchtet hell der Mond, Wolken ziehen dahin,

Der Himmel liegt ausgebreitet,

blauer Wind weht,

und der Herbst weilt dort.

Einer Erinnerung gleich

steht der Mann immer noch da.

 

Aus dem Koreanischen von Hoo Nam Seelmann. Yun Dong-Ju ist einer der berühmten Dichter der Moderne in Korea. Mit nur 27 Jahren starb er im japanischen Gefängnis in Fukuoka und hinterliess einen kleinen Band von Gedichten. Er wurde verhaftet, weil er auf Koreanisch Gedichte geschrieben hatte.

 

Neue Zürcher Zeitung vom 08.11.2014, Seite 55:

 

 

 

 

stik_men_foto_NIKE kemp

02.11.2014

"Ach, Europa!" Ash ARMIN, Stadtforscher

interview WOJCIECH CZAJA

„Ach, Europa! Da ist nichts mehr zu erwarten“

 

der Standard: Wann haben Sie das letzte Mal Stadt genossen?

Amin: Heute in der Früh. Ich war spazieren im Park.

 

Was ist Stadt für Sie?

Amin: Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Ich lebe und unterrichte in Cambridge bei

Boston. Mitten auf dem Cambridge Square gibt es einen Typen, der den ganzen Tag

in einer öffentlichen Mülltonne sitzt und Gitarre spielt. Noch nie hat sich

irgendwer darüber mokiert. Die Boheme findet ihn cool, die Bourgeoisie duldet

ihn. Das ist für mich Stadt.

 

Gibt es denn einen Unterschied zwischen der Stadt der Bourgeoisie und der Stadt

der Boheme?

Amin: Natürlich neigt man dazu, zu glauben, dass die Bohemian City mehr

öffentliches Leben birgt als die Ville bourgeoise. Der Verstand sagt uns, dass

Berlin öffentlicher, lebendiger, vielfältiger ist als etwa Paris, dass das New

Yorker West Village eine höhere Lebensqualität bietet als die sehr

traditionelle, konservative Upper East Side. Und ja, das stimmt auch. Doch Fakt

ist auch, dass die Stadt der Boheme eine sehr egoistische, eine sehr

selbstsichere sein kann.

 

Inwiefern?

Amin: In der Stadt der Bohemiens werden öffentliche Freiräume von Künstlern in

Beschlag genommen, da wird Tag und Nacht musiziert, da wird gemalt und an die

Wand gesprüht. Die Stadt der Bohemiens ist schrill und laut – und bisweilen sehr

anstrengend. Wem das nicht gefällt, der ist weg vom Fenster, der ist

Außenseiter, der wird niemals in die Gemeinschaft aufgenommen. Das ist sehr

brutal.

 

Ist es nicht umgekehrt genauso? Trifft das nicht auf jede geschlossene

Gemeinschaft beziehungsweise Gesellschaft zu?

Amin: Nein. Die internationale Stadtforschung hat gezeigt, dass bourgeoise

Gesellschaften weniger anspruchsvoll, weniger ausschließend sind als die

sogenannten Bohemiens, wenngleich die Lebensmodelle des Bürgertums wie etwa

Güterbesitz, Grundstückseigentum, Reichtum und Einbettung in wirtschaftliche

Strukturen das Gegenteil vermuten lassen.

 

In welcher Gesellschaft fühlen Sie sich denn persönlich wohler?

Amin: Weder noch. Die Stadt, in der ich mich wohlfühle, ist eine durchmischte, in

der eine pluralistische Gesellschaft zu Hause ist. Ich bin ein Freund eines

gewissen Chaos, das jedem und niemandem zugleich gehört. Ich bin ein Freund

gewisser Reibungen und Auseinandersetzungen. Das ist es, was Qualität für mich

ausmacht.

(...)

>> Weiterlesen auf der Website „der standard“, 2. November 2014

 

 

Ash Amin ist Stadtforscher an der University of Cambridge. Er spricht über Lebensqualität im Chaos, über den Stillstand  der europäischen Stadt und die bevorstehende „Verdrittweltung“ der westlichen City.

 

 

 

2014.11.01_allerheiligen © 2014 Lisa Zentner

01.11.2014

ALLERHEILIGEN

 

 

 

© 2014 Lisa zentner

26.10.2014

NATIONALFEIERTAG

 

 

 

3 Wanderer_hiroshi HARA_eröffnung raiding © 2014 EVA FRUHSTUCK

25.10.2014

3 WANDERER Raiding HIROSHI HARA

Text LISA ZENTNER Foto LISA ZENTNER, EVA FRUHSTUCK

 

Skulpturaler Unterstand vom Meister der großen Form

Eröffnung der „Radstation“ durch Initiator Roland Hagenberg mit den Projektbeteiligten der Umsetzung und dem Ehrengast Dr. Wolfgang Petritsch.

 

Wandern. Gehen. Unterwegs sein. Freiwillig? Unfreiwillig?

Der existentiellen Unbehaustheit des Menschen Behausung geben: erfahrbar hier in elementarster Form.

 

 

>> Weiterlesen auf der Website „Raiding Foundation“

 

 

 

foto BERNAT ARMANGUE

18.10.2014

Im digitalen Gestell

Martin Heideggers Technikphilosophie – heute

text EDUARD KAESER foto BERNAT ARMANGUE

 

Bei allem zweifelhaften Ruf, in dem Martin Heidegger – zuletzt durch die Veröffentlichung seiner «Schwarzen Hefte» – steht: Kein Philosoph im 20. Jahrhundert hat eine radikalere Technikanalyse geliefert als er. Von ihr aus fällt auch Licht auf unsere digitale Gegenwart.

Martin Heidegger spricht von der Technik als vom «Gestell». Damit ist nicht eine fertige Konstruktion gemeint, sondern eine Tätigkeit des Stellens. Moderne Technik ist für ihn die Kulmination der «Eroberung der Welt als Bild». Das Wort «Bild» bedeutet für Heidegger: «das Gebilde des vorstellenden Herstellens» – einer Aktivität «der Berechnung, der Planung und der Züchtung aller Dinge». Die Gesamtheit dieses vorstellenden Herstellens, ebendas Gestell, ist selbst nichts Technisches, sondern ein – schicksalhaftes – Verhältnis des Menschen zu seiner Welt und zu sich selber. Im Stellen und Bestellen der Natur, so Heidegger, macht der Mensch sie zum «Bestand». Wälder, Kohleflöze, Ölquellen, Erzminen gehören zum Material- und Energiebestand der Erde.

Heute, liesse sich – daran anknüpfend – sagen, verwandelt sich der Mensch immer mehr in Datenbestände. Und dass er sich – oder das, was er für sich hält – ins Netz stellt, gehört schon zur emblematischen Grundhandlung unserer Zeit. 1949 diagnostizierte Heidegger am Beispiel des Radios: «Die Menschen sind jetzt nicht nebenbei auch Bestand-Stück des Rundfunks. Sie sind in ihrem Wesen schon auf diesen Charakter, Bestand-Stück zu sein, gestellt.» Als Datenbestände sind wir «Bestand-Stücke» des digitalen Gestells. Im Gestell ist alles Stückwerk, verfügbar und auswechselbar.

Das erinnert unweigerlich an die Welt heutigen Konsums, zu der Heideggers Position den denkbar schärfsten Kontrast markiert. Heidegger führt ein scheinbar banales Neutrum ins Treffen: das Ding.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“,  18.10.2014

 

 

 

2014.10.05 czech interieur cafe schwarzenberg © 2014 lisa zentner 03

05.10.2014

ATMOSPHÄRE

VIENNA DESIGN WEEK Hommage Hermann Czech

 

„Atmosphäre:

Dieser Begriff ist neuerdings in die Architekturtheorie eingetreten. Der Diskurs geht davon aus, dass Atmosphäre bewusst produziert werden soll und kann. (Ist das eine Wiederkehr von Walt Disneys „Imagineering“?)

Hermann Czechs Restauranträume von 1984, im Souterrain von Hildebrandts und (Fischer von) Erlachs Palais Schwarzenberg, reichen in den Zusammenhang von Anmutung, von „Atmosphäre“ (was in der Fachwelt nicht nur Zustimmung hervorrief!).

In der Methodik des Entwurfsprozesses spielte aber diese Absicht keine Rolle. „Atmosphäre“ entstand allenfalls als Ergebnis, in der produktiven Reihe der einzelnen Entwurfsentscheidungen waren Assoziationen jeder Art ebenso tragfähige Grundlagen wie Kriterien der Konstruktion und der Nutzung.

„Atmosphäre“ gehört also der Wahrnehmung danach an. Nach dreißig Jahren kommt die Wirkung der Zeitdistanz dazu; das Alter von Architektur ist ebenfalls nicht im Entwurf produzierbar.

Und jetzt sind die Räume fast ein Jahrzehnt unbenutzt, nicht gewartet und verwahrlost. Alter und Verwahrlosung ergeben eine Atmosphäre der doppelten Zeitdistanz, wenn diese Räume jetzt für einen speziellen Zweck zugänglich sind.

Atmosphäre ist im Wesentlichen nicht produzierbar, sie entsteht unbeabsichtigt und unvorhergesehen.“

 

 

 

2014.10.05  VIENNA DESIGN WEEK © 2014 lisa zentner02

25.09.2014

VIENNA DESIGN WEEK

25.9.2014 - 5.10.2014

Palais Schwarzenberg

 

Gastland: UNGARN

MOME LABARATORIES presents: sound weaving by Zsanett Szirmay

 

 

 

sonnwend © 2014 w.kathan

23.09.2014

Wohnzimmer Sonnwendviertel

 

 

 

tauben_matthias cremer

14.09.2014

Wenn die Zeit knapp wird

text DIETHARD LEOPOLD

 

(...)

Von alten Menschen heißt es gelegentlich, dass sie der Ewigkeit nahe seien.

Nicht für alle älteren Leute, die ich kenne, kann ich das bestätigen, ja sogar

eher nur für wenige. Sie sind die Ausnahme von der Regel. In einem Alter, das

dem Dasein in Zeitlosigkeit am nächsten zu sein scheint – und was ist Ewigkeit

anderes als die Abwesenheit der vergehenden Zeit –, sind eher die 40- bis

50-Jährigen, mit einer Schwankungsbreite von sagen wir fünf Jahren nach oben und

unten.

 

Sie haben den Wettlauf um Positionen und Güter hinter sich, haben die

wichtigsten Weichenstellungen ihres Lebens meist nicht mehr vor sich. Zugleich ist ihnen der Tod so fern, dass sie die allseits beliebte Illusion, man lebe

ewig, zwar nicht intellektuell, wohl aber dem Gefühl nach pflegen wie zu keiner

anderen Zeit ihres Daseins.

(...)

Die Alten leben nicht in solcher Seinsvergessenheit.(...)

Nicht mehr alle Zeit der Welt zu haben, im Gegenteil, immer weniger Zeit vor

sich als hinter sich zu haben, erzeugt bei den Menschen jenseits der Fünfzig

eine nur allzu gut bekannte Rastlosigkeit. Eine Art Syndrom breitet sich aus,

jetzt noch schnell dies und jenes erleben zu müssen, tun oder erreichen zu

wollen, durchzusetzen, durchzubringen und wie für die Ewigkeit möglichst fix

einzurichten.
(...)

Und junge Leute eilen in Gebiete, wo sie ihrer Gnadenlosigkeit freien Lauf

lassen, oder tun ihre widerredelose militärische „Pflicht“, geschult und

angestiftet von der Erbarmungslosigkeit der herrschenden Gesellschaften und

ihrer Staatengebilde, angeblicher Religionen und vorgetäuschter, aus bloßem

Eigennutz zusammengebastelter Ethnien. Alle diese jungen und erwachsenen

Menschen scheinen keine Zeit zu haben, auf allseits verträgliche Lösungen warten

zu können, sie wollen das Paradies, jetzt, und erzeugen dabei nichts als die

Hölle.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website  DerStandard: 13.09.2014 (Album), Seite 3 - Gnadenlos. Wenn die Zeit knapp wird

 

Jenseits der fünfzig beginnt die Gnade des Wahns vom grenzenlosen Zeithaben zu schwinden. Wie aber bewältigen wir  die Einsicht in unsere Endlichkeit? Wie die daraus resultierende Unduldsamkeit und Intoleranz?

 

 

 

kellergasse_rudolf_semotan

13.09.2014

Musts

text ALFRED KOMAREK foto RUDOLF SEMOTAN

 

(...)

Aber ich schweife ab, wende mich also unverzüglich dem Thema dieser Geschichte

zu. Ich bin beharrlich mit einem alten Steyr-Waffenrad unterwegs, weil wir uns

in vielen Jahren sehr aneinander gewöhnt haben. Außerdem ist es recht

beruhigend, in manchem von gestern zu sein, weil so mehr Zukunft Platz hat.

Neulich überholte mich, unschlüssig in zahllosen Gängen wühlend, ein

papageienbunter, futuristisch behelmter Radfahrer und rief: „Sie müssen schon

auch einmal mit der Zeit gehen, Herr Komarek!“

 

Meine präpotente Antwort, dass die Zeit gefälligst mit mir gehen solle, nahm er

schon nicht mehr wahr. Und weil es der Zeit genügt, einfach da zu sein, ohne mit

irgendjemandem irgendwohin zu gehen, habe ich ohnedies verzichtbaren Unsinn

geredet.

(...)

Aber es gibt sehr viele, die sich ohne das offenbar hilfreiche Diktat von

Trendsettern, Animateuren, Marketingstrategen, Vorkostern, Vorreisenden,

Vorempfindern, Vordenkern, Vorlebern, Vorglaubern, Meinungsbildnern,

Lebensberatern, Coaches, Kultpredigern, Marken-Vermarktern und weiß der Teufel

was noch alles (natürlich beiderlei Geschlechts) in der Welt nicht mehr

zurechtfänden. Auf sich selbst zurückgeworfen, für sich selbst und für ihr Tun

verantwortlich, aller Wegweiser, Hinweiser und Anweiser ledig, wäre nichts mehr

als orientierungslose Ödnis und Einsamkeit um sie und in ihnen.

 

Wer nicht mitmacht, ist nicht dabei, und wer sich nicht sagen lässt, wohin es zu

gehen hat, muss sehen, wo er bleibt. Das darf nicht geschehen.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard“, 13.09.2014 (Album), Seite 8

 

"Warum müssen wir immer alles müssen?" - Umzingelt von „Musts“, bedrängt von Zwängen, belehrt von Gebrauchsanweisungen, vom Erfolgsdruck gejagt und mit Glücksversprechen belogen, will ich von alldem nichts mehr wissen müssen.

 

 

 

Traditional_Architecture_Langzhong_SICHUAN

13.09.2014

Sichuanpfeffer

text SAMUEL HERZIG

 

Auch wenn sie auf keiner Karte Chinas zu finden ist, so ist doch klar, dass es eine Stadt namens Sichuan geben muss. Sichuan ist eine Stadt, in der man mit der Eisenbahn ankommt – nicht mit irgendeiner Eisenbahn allerdings: Es sind lackschwarz glitzernde Waggons, die von einer dunkelorangen Dampflok ganz langsam in den Bahnhof gezogen werden. Es ist Nacht, und der Bahnsteig gleicht einem gelblichen Fluss, durch den die Schatten grosser Fische huschen.

Wir treten aus der Bahnhofshalle und stehen oben an einer leicht abschüssigen Strasse, über der eine dichte Wand aus Dunst hängt, in der sich die Äste mächtiger Bäume in einem leichten Sommerwind hin und her bewegen: die Hauptstrasse von Sichuan. Die Strasse ist kaum beleuchtet, doch stehen in unregelmässigen Abständen kleine Buden an ihrem Rand, von deren Küchen ein flackerndes Licht ausgeht. An allen Herden wird leise, aber tüchtig gekocht, und es sind die ganzen Töpfe und Pfannen, die den Dunst über der Strasse produzieren. Hinter diesen Buden glänzen die dunkelfarbig bemalten Holz-Fassaden grosser Restaurants, an einigen sind Girlanden aus papierenen Lampions befestigt. Die Speisesäle gleichen Terrassen und sind zur Strasse hin offen. Geschickt tragen Kellner Tabletts mit feucht schimmernden Köstlichkeiten zwischen den Gästen hindurch, die sich mit leiser Stimme unterhalten.

Man fragt sich, ob die Stadt wohl jenseits dieser einen Strasse weitergeht, ja ob es überhaupt etwas ausserhalb dieser Strasse gibt. Autos sind keine zu sehen. Nur Fahrradfahrer huschen dann und wann wackelnd durchs Dekor: Sie tauchen plötzlich zwischen den Bäumen auf, um kurz darauf wieder im Dunkeln zu verschwinden. Ab und zu kommt es vor, dass einer klingelt – doch es ist ein ganz leises Klingeln, wie ein ferner Gong. Das einzig Laute hier ist der Duft von frisch geröstetem Sichuanpfeffer – als hätte man ein ebenso teures wie geheimnisvolles Holz verbrannt. Es ist dieser Duft, der die Stadt Sichuan hervorbringt und ihr einen festen Platz zuweist auf der grossen Weltkarte der Aromen.

 

Neue Zürcher Zeitung vom 13.09.2014, Seite 51- MunDstücke

 

 

 

richard Straub

13.09.2014

Das große Innovations-Paradoxon

Text RICHARD STRAUB

 

Wir leben in einer Zeit eines großen Paradoxons. Digitale Technologie mit ihrer

exponentiellen Entwicklung bringt uns ein in der Menschheitsgeschichte bisher

nie gekanntes Potenzial für Innovation – wie etwa neue Geschäftsmodelle, neue

Industrien und Wirtschaftszweige, neue Lern- und Arbeitsformen.

(...)

Es fließen einfach zu wenig Mittel in wahre unternehmerische Innovation. Die

Wall Street gibt den Takt vor – die Unternehmen, die die Gewinnerwartungen im

Quartal nicht erreichen, werden postwendend mit Kurseinbrüchen bestraft. CEOs,

die nicht in der Lage sind, den Aktieninhabern einen raschen Anstieg des Kurses

zu bieten, bleiben nicht lange CEOs.

 

Die Bereitschaft, in längerfristige, risikoreiche Innovationsprojekte zu

investieren, hält sich daher in engen Grenzen. Den klaren Vorrang bekommen

Rationalisierungsprojekte, die Möglichkeiten der Informations- und

Kommunikationstechnologien nutzen, um Kosten zu reduzieren und somit

kurzfristige Gewinnverbesserungen zu erzielen. Die Shareholder-Value-Logik

erfordert, dass das damit freigesetzte Kapital wiederum für weitere

Verbesserungen von Effizienz und Produktivität eingesetzt wird.

(...)

Dabei hatten die großen Gesellschaften nie so viele Mittel zur Verfügung wie

heute. Die Cash-Bestände sind auf Rekordniveau, und zusätzliche Mittel werden

über Kredite hereingeholt. Damit schwimmen zahlreiche Großunternehmen geradezu

in Liquidität, deren überwiegender Teil jedoch für Aktienrückkäufe eingesetzt

wird. Mit Aktienrückkäufen wird der Kurswert gepflegt, wie man so schön sagt.

 

Man könnte auch von Manipulation sprechen, wenn derartig gewaltige Mittel zur

kurzfristigen Gewinnmehrung von spekulierenden „Eigentümern“ und dem

Topmanagement selbst eingesetzt werden. Diese Situation ist skandalös und unhaltbar.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard 13.09.2014, Seite 12

 

Das Potenzial für Innovationen ist groß wie nie. Gleichzeitig befinden wir uns in einer akuten Innovationskrise. Warum das so ist und weshalb die EU möglicherweise einen weiteren heilsamen Schock benötigt.

 

 

 

badmuenstereifel_city_outlet_jürgens

13.09.2014

Shoppingcenter vor historischer Kulisse

text MARIANNE SCHULZE, FRANZISKA ZOIDL

 

Im deutschen Bad Münstereifel gibt es seit kurzem ein neuartiges Einkaufskonzept: Statt auf der grünen Wiese wurden Outlet-Läden im mittelalterlichen Stadtkern errichtet – die Innenstadt wird dadurch zu neuem Leben erweckt. Betreiber ist die österreichische ROS.

Bad Münstereifel liegt am Ostrand der Eifel im Süden von Nordrhein-Westfalen und

ist ein mittelalterliches Städtchen mit einer nahezu vollständig erhaltenen

restaurierten Stadtmauer. Doch wer den Kneipp-Kurort vor ein paar Jahren

besuchte, der erlebte eine graue Stadt mit einer überschaubaren Auswahl an

Geschäften. Die einzige Attraktion: das Café von Schlagersänger Heino.

 

Heute ist das anders: Die alten Häuser wurden restauriert oder zumindest frisch

gestrichen. Entlang dem Flüsschen Erft, das sich durch den mittelalterlichen

Stadtkern schlängelt, bummelt man an Schaufenstern vorbei. Tische stehen vor den

Lokalen, und selbst an einem Freitagmorgen herrscht schon Leben in der Stadt.

 

Der Grund: In den teils denkmalgeschützten Häusern der historischen Innenstadt

wurde ein Outlet-Center entwickelt, das rund 30 Geschäfte mit bekannten Marken

umfasst. Hinzu kommen noch die Geschäfte, die hier schon lange ansässig sind,

beispielsweise eine Buchhandlung, ein Haushaltswarengeschäft und ein Hutladen.

Hier scheint die vieldiskutierte Wiederbelebung der Innenstadt durch den

Einzelhandel also tatsächlich funktioniert zu haben.

 

Das Konzept des „City Outlet Bad Münstereifel“ ist neu und bislang einzigartig (...) Eine der Herausforderungen des Konzepts

sei gewesen, dass jedes Haus aufgrund des Denkmalschutzes individuell mit

Architekten und der jeweiligen Marke geplant werden musste (...)

Insgesamt wurden so 12.000 Quadratmeter Mietfläche für den Einzelhandel

entwickelt, außerdem 4000 Quadratmeter Gastronomie.

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard,  13.09.2014

 

 

 

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06.09.2014

Baukultur denken ohne jedes Tabu

text  WOJCIECH CZAJA

 

Die heurigen Baukulturgespräche beim Europäischen Forum Alpbach widmeten sich der lebenswerten und gerechten Stadt. Dazu gehört auch die viel zitierte und selten eingelöste Leistbarkeit von Wohnraum. Ein paar Ansätze im Vergleich.

Ein Rückblick.

 

Vor wenigen Tagen gingen im hübschen Tiroler Kleinod Alpbach die Europäischen

Baukulturgespräche zu Ende. Das übergeordnete Thema lautete heuer: „At the

Crossroads. Lebenswerte und gerechte Städte schaffen“. Präsentiert wurden

Initiativen und künstlerische Quartiersimpulse zwischen Ljubljana und Rio de

Janeiro, Überlegungen zu einer neuen Form von urbaner Nachbarschaft sowie

architektonische und stadtplanerische Reaktionen auf die stetig wachsende Stadt.

Und dann war da noch die Leistbarkeit, die in vielen Vorträgen und Diskussionen

angeschnitten wurde. Denn leistbar – darin waren sich fast alle Diskutanten

einig – ist das Wohnen in den Ballungsräumen schon lange nicht mehr. „Einen

hohen, ernstzunehmenden Grad an Leistbarkeit zu erreichen erfordert Fokus und

Durchhaltevermögen in der Willensbildung“, sagte Michael Wagner-Pinter, CEO der

Synthesis Forschung Gesellschaft in Wien. „Das kann man nicht einfach an die

Politik delegieren. Da muss die Privatwirtschaft mit anpacken.“

Leichter gesagt als getan. Denn tatsächlich werden die Zentren immer teurer und

teurer. Schuld daran sind nicht nur Grundstückspreise, sondern auch die

kontinuierlich steigenden Anforderungen an den Wohnbau.

„Wenn wir von leistbarem Wohnen sprechen, dann müssen wir die Häuser für

Menschen in Zukunft von jenen für Autos trennen“, forderte Verkehrspapst Hermann

Knoflacher. „Wenn wir uns dazu nicht überwinden, wird das nicht klappen, denn

ein großer Teil unserer Wohnkosten fließt in unterirdische Garagen.“ Und Georg

Pendl, Präsident der Bundes-Architektenkammer, meinte: „Wir alle zitieren immer

wieder die wunderbaren Wohnbauten der Pariser Architekten Lacaton & Vassal, wenn

es um leistbares Wohnen geht. Völlig zu Recht! Doch die Wahrheit ist: Wenn ich

so ein Haus in Österreich baue, dann lande ich im Gefängnis.“ (…)

>> Weiterlesen auf der Website „Der Standard"

 

 

 

box2_stadtbiotop

05.09.2014

Temporäres für Erdgeschoß und Container

text FRANZISKA ZOIDL

 

In Wien sind Pop-up- Angebote angekommen. Ob kleines Geschäftslokal oder Frachtcontainer:  Die Standorte können unkompliziert und temporär gemietet werden – und könnten dem Handel wichtige Impulse geben.

 

Für eine Woche ist Anna Zajac mit ihrem Modelabel Sternentau in der Gumpendorfer

Straße 68 zu Gast. Hier verkauft sie in einem kleinen Geschäftslokal

selbstdesignte Handtaschen. Dann zieht sie weiter – und jemand anderer hier ein.

„Jeder interpretiert den Raum anders“, sagt Georg Demmer vom Unternehmen Co

Space, das das Pop-up-Geschäft seit März vermietet.

Denn die Regale, in denen momentan schicke Handtaschen ausgestellt werden,

können rasch zu Bänken umfunktioniert werden. Selbst Konzerte wurden hier schon

veranstaltet. „Ich kann ausprobieren, wie meine Taschen ankommen“, erzählt die

Designerin. Ein eigener Shop wäre ihr zu riskant.

 

Glaubt man Experten, ist das ein Konzept der Zukunft: Die RegioPlan Consulting

vermeldet für das vergangene Jahr österreichweit einen Rückgang der

Einzelhandelsflächen um 0,8 Prozent. Gänzlich verschwinden werde die

Handelsfläche zwar nicht, Shops der Zukunft würden aber andere Funktionen

erfüllen, etwa der Inspiration dienen oder Synergieeffekte mit dem Onlinehandel

generieren. Von Pop-up- bis Pick-up-Stores sei alles denkbar.

 

Unweit der neuen Wirtschaftsuniversität gibt es seit Juni ein temporäres

Einkaufszentrum: Das Stadtbiotop, bestehend aus Frachtcontainern, bietet Flächen

für Handel und Gastronomie zur flexiblen und kurzfristigen Miete.

(...)

 

>> Weiterlesen auf der Website Der Standard 5.9.2014

 

 

 

METI school anna HERINGER © anna HERINGER, Eike ROSWAG

15.03.2014

Think Global, Build Social! Bauen für eine bessere Welt

Ausstellung im AzW Architekturzentrum Wien

bis 30.Juni 2014

 

„Wir zeigen Beispiele aus der Gegenwart, in denen sich die Architekten um die 99 Prozent kümmern, die keinen Zugang zum Markt haben“ sagt Kurator Andres Lepik. Projekte, an denen Architekten aus Idealismus arbeiten, oft selbst mit Hand anlegen; Bauten, die mit den Menschen vor Ort entstehen.

 

„Es war unser Anspruch, alles zu zeigen, was in den letzten zehn Jahren auf diesem Gebiet entstanden ist“, sagt Sonja Pisarik, Projektleiterin am AzW.

 

„Wir haben bei dieser Recherche ungeahnte Dimensionen entdeckt“, ergänzt AzW-Direktor Dietmar Steiner begeistert. Der größte Anteil österreichischer Projekte stammt vom Verein s2arch, der 2004 vom Grünen-Politiker Christoph Chorherr gegründet wurde und inzwischen 42 Projekte in Südafrika realisiert hat.

Dass die Bauten oft von Studenten vor Ort errichtet werden, ist ein Indiz dafür, dass einheimische Hochschulen wie der Kunstuniversität Linz mit dem BASEstudio

habitat, die TU Wien mit dem Design Build Studio oder die Wiener Angewandte inzwischen eine Vorreiterrolle beim Bauen in der südlichen Hemisphäre haben.

 

Noble Hilfestellungen aus der Ersten Welt für die, die es alleine nicht schaffen: Da wird trotz hohem Idealismus immer wieder der Vorwurf des Neokolonialismus laut. Dietmar Steiner widerspricht entschieden: „Diese Bauten sind nicht Teil einer Entwicklungshilfeindustrie. Es geht um Selbstbestimmung.“

Wenn alle mit Hand anlegten, lernten schließlich beide Seiten gleichermaßen, betont Kurator Andres Lepik. Die Studenten könnten dabei ein anderes Berufsbild

lernen. „Wenn man beim Bauen Teil eines Prozesses ist, hört das Einzelkämpfertum automatisch auf. Dieses Gemeinsame kann man bei uns nicht trainieren. Das lernt man nur dort.“

 

© Maik Novotny, Der Standard 14.3.2014

 

 

 

shoka nijuike tachinoboriike © uschi DOUBEK

06.03.2014

Zu Blüten ging ich

Zu Blüten ging ich

und unter Blüten schlief ich:

Die wahre Muße!

                          Buson

 

 

Einladung zur Ikebana-Ausstellung der Ikenobo Ikebana Gruppe Wien Alsergrund:


Eröffnung  am 6. März um 18.30

im Festsaal des Amtshauses

1090 Wien, Währinger Straße 43

 

Öffnungszeiten:

Freitag und Samstag 10 – 18 Uhr,
Sonntag 10 – 13 Uhr

 

 

 

südfenster_kölner DOM_gerhard richter © wdr

15.02.2014

Epiphanie für jedermann

text  HANNELORE SCHLAFFER foto WDR

 

Das Licht von hinten ist Licht von innen - warum uns Computerbildschirme süchtig machen.

 

Über die Computersucht ist schon viel nachgedacht worden - meist wird sie auf Inhalte wie Fun und Sex, Gewalt und Games zurückgeführt. Dass es das Licht von hinten ist, das uns derart fasziniert, ist ein neuer Gedanke. Er findet Halt in einer uralten ikonografischen Tradition.

Das iPhone, dies so praktische und handliche Gerät, aus dem sich Termine, Wetterlagen, Stadtpläne, Fahrbahnauskünfte abrufen lassen, ist zum ständigen Begleiter des modernen Menschen geworden. Informationen aber sind es am wenigsten, weshalb es so eifrig genutzt wird von Stadtbesuchern und Leuten auf dem Weg zur Arbeit, von Mädchen vor allem, denen es inzwischen auch die Mütter nachtun, und Knaben, die so beschäftigt aussehen wollen wie Manager. Kaum haben sich diese Leute niedergelassen in Bus, Bahn oder Café, schon tun sie den wohlbekannten, ihnen selbst kaum bewussten Griff in die Tasche. Auch auf Strassen sieht man Mädchen laufen, mit dem Blick auf das Bildchen gerichtet, an Ampelübergängen warten sie, ohne aufzusehen, sie überqueren die Fahrbahn, ohne um sich zu blicken. Traumwandler sind sie alle, sobald sie nach dem kleinen Ding, einem Handschmeichler, gegriffen haben. Wer dann noch sein Auge von ihm wendet, hat einen geistesabwesenden Blick.

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

© 1967.12 domus457_HOLLEIN kapfenberg_foto karinMACK

07.02.2014

Good Morning Kapfenberg

Frühling bis Herbst 2014

Gestaltungsinterventionen im öffentlichen Raum Kapfenberg, Steiermark

 

Die Stadtgemeinde Kapfenberg startet eine Image-Kampagne zur Attraktivierung des öffentlichen Raums. Als Industrie- und Sportstadt möchte sie sich als lebenswerte Stadt an der Mürz positionieren. Verschiedene Gestalter setzen an neuralgischen Punkten Akzente:

Raimund SEIDL, Graz: Stadteinfahrt  ("zwei Köpfe") und Fußgängerunterführung Europaplatz. Bei der Fußgängerunterführung werden 20m lange Acrylgemälde für Wand und Decke realisisert, für die die "größte Staffelei der Welt" in Graz aufgebaut wurde.

Büro Zwo, Kapfenberg: Unterführung ÖBB-Trasse

TDC und Lisa ZENTNER ARCHITEKTUR, Unterpremstätten/Wien: Stadteinfahrt S6

 

Im Archiv DOMUS findet sich eine schöne Anküpfung: Hans HOLLEIN realisisert Ende der 60ger Jahre seine Skulptur "Inflatable Monument Sculpture" im Park von Kapfenberg: vielleicht gelingt es, an diese Aufbruchsstimmung anzuknüpfen.

 

 

 

el LISSITZKY © foto: lisa ZENTNER

07.02.2014

Utopie und Realität

El Lissitzky – Ilya und Emilia Kabakov

 

In über 40 Originalarbeiten El Lissitzkys aus den Jahren 1919–1930 sowie beeindruckenden Rekonstruktionen seiner Modelle als räumliche Gesamtkunstwerke werden allgemein verständliche geometrische Formen als konstruktivistische und zugleich politische Visionen spürbar.

Dem gegenüber entwerfen die installativen und malerischen Arbeiten von Ilya Kabakov ein Bild von bodenständiger Realität, gepaart mit konzeptueller Metaphysik. 

 

>> Ausstellung KUNSTHAUS Graz vom 07.02. - 11.05.2014

 

 

 

architekt moshe SAFDIE habitat 67 © foto: timothy HURSLEY

01.02.2014

Bauten von globaler Präsenz

text LILIAN PFAFF foto TIMOTHY HURSLEY

grosse Retrospektive im Skirball Cultural Center in Los Angeles gewidmet dem Architekten Moshe Safdie

 

Internationale Bekanntheit erlangte der Architekt Moshe Safdie schon früh mit der Wohnsiedlung Habitat 67 in Montreal. Seither hat er ein umfangreiches Werk verwirklicht, das derzeit in einer grossen Retrospektive im Skirball Cultural Center in Los Angeles gezeigt wird.

 

Die erste amerikanische Retrospektive des 1938 in Haifa geborenen Architekten Moshe Safdie, der 1953 mit seinen Eltern nach Kanada auswanderte, startete in der von ihm errichteten National Gallery of Canada in Ottawa und gastiert nun in einem weiteren Safdie-Bau, dem Skirball Cultural Center in Los Angeles. Die in vier Phasen errichtete Anlage für jüdische Kultur, deren erste Teile schon vor 28 Jahren entstanden, konnte soeben mit der Integration eines Lern- und Konferenzzentrums abgeschlossen werden. Das Skirball Cultural Center, mit dem sich Safdie in den USA etablierte, erweist sich als idealer Ausstellungsort. Kuratiert wurde die Retrospektive, die anhand von Zeichnungen, Modellen, Fotos und Filmen rund 30 Projekte aus Safdies 50-jährigem Schaffen auffächert, vom Architekturkenner Donald Albrecht. Die chronologisch angelegte Schau beginnt mit der legendären Wohnsiedlung Habitat 67 in Montreal, die den jungen Architekten ins internationale Rampenlicht katapultierte. Auf einem «Newsweek»-Cover wurde das Projekt als «The Shape of Things to come» bezeichnet. Die Dokumentationen zur Siedlung Habitat 67 und zu weiteren, zum Teil ungebauten Nachfolgeprojekten, welche die ersten beiden Ausstellungsräume füllen, veranschaulichen Safdies damalige architektonische Ideen. Insgesamt wurden 85 vorfabrizierte Betonboxen für die Expo 1967 so aufeinandergestapelt, dass die Wohneinheiten als individuelle Häuser funktionieren. Die von den Hügeldörfern Israels inspirierte Struktur steht für günstigen Wohnraum und gemeinschaftlich genutzten sozialen Raum, der auf das Wachsen der Städte mit Verdichtung und Komfort antwortet.

 

Bis 2. März im Skirball Cultural Center in Los Angeles, anschliessend vom 31. Mai bis 2. September im Crystal Bridges Museum of American Art in Bentonville Arkansas. Begleitpublikation: Global Citizen - The Architecture of Moshe Safdie, Scala Publishers

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

silvester © 2013lisaZentner

31.12.2013

Silvester

 

 

 

spaziergang01 © 2013.12.26_lisa Zentner

26.12.2013

Spaziergang

 

 

 

22.12.2013

LEERGUT

text LISA ZENTNER/LEERGUT foto LEERGUT

 

Wir hatten heute die Gelegenheit, LEERGUT kennenzulernen. Zuhause sind die Erfinder und Produzenten dieser wunderbaren Idee in Röns, in Vorarlberg.

 

"In jedem Abfallprodukt ist ein Sinn verborgen, den es zu entdecken gilt."

Leergut macht es sich zur Aufgabe, entsorgten Kanistern eine neue Chance zu geben - aus Einweg wird Vielweg. Aus Plastikabfall entstehen individuell gestaltete Taschen, Behälter und Möbel.

"Weil Müll ein Designfehler ist."

 

Und das mit unglaublich hoher handwerklicher Qualität und Liebe zu präzisen Details. Typisch vorarlbergerisch.

Ich freue mich auf  "meine" Tasche, die erst individuell aus der neuen Serie in schwarz produziert wird!

 

die formschönen Produkte kann man sehen auf >> leer-gut.com

 

 

 

kunsthausGraz_Romuald_Hazoume 01 © lisa Zentner

16.12.2013

Kunsthaus Graz - Romuald Hazoume

text LISA ZENTNER

Immer wieder besuchen wir Ausstellungen im Kunsthaus. Selten ist eine Ausstelllung so stimmig in diesen schwierig zu bespielenden Räumen, wie diese: gestrandet im Bauch des verendeten Wals nach langer Reise über das Mittelmeer.

 

 

 

mitarbeiter © 2013.11.20 Lisa Zentner

20.11.2013

Büroexkusion WU Wien

 

 

 

storchenhaus raiding © 2013 lisa zentner

26.10.2013

STORCHENHAUS raiding_Burgenland TERUNOBU FUJIMORI

text LISA ZENTNER fotos LISA ZENTNER

 

Am 26. Oktober gab es die Gelegenheit, den japanischen Architekten des „Storchenhauses“, Terunobu Fujimori, in Raiding zu begrüßen. Zum ersten Mal hat er selbst im Haus übernachtet. Wir konnten das Haus mit ihm besichtigen, und im anschließenden Vortrag Entwicklungslinien seiner Architektur und kulturhistorischen Analogien in Ost und West folgen. Das „Storchenhaus“ ist das erste einer Reihe von neun geplanten Häusern, die als Wohn-Objekte auf Zeit von neun der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten in der Geburtsstadt von Franz Liszt errichtet werden. Und ein wunderbarer Auftakt zu einer ganz neuen Musik an diesem Ort!

 

>> Weiterlesen auf der Website „Raiding Foundation“

 

 

 

© anna HERINGER

01.09.2013

SCHÖNHEIT kommentar ANNA HERINGER

text ANNA HERINGER foto ANNA HERINGER

 

Artikel aus der "domus 03, deutsche Ausgabe" 09/10 2013, Seite 1, "Nachhaltigkeit als Synonym für Schönheit"

Architektur hat Macht. Sie ist ein Werkzeug, das Lebensbedingungen wesentlich verbessern kann. Ihre Ästhetik stärkt das individuelle und kollektive Selbstbewusstsein. Ihr Bedarf an Ressourcen beeinflusst die Gesellschaft unseres Planeten. Architektur kann Arbeitsplätze schaffen und wirtschaftliche Entwicklungen unterstützen. Durch die Wahl der Bauart und des Bauprozesses kann die Geldflüsse dirigieren und zur sozialen wie wirtschaftlichen Gerechtigkeit beitragen.

Sind wir Planer und Architekten uns dieser Macht bewusst? Die Eitelkeit in uns hört diese Frage gern, doch wie gehen wir mit dieser Macht um? (…)

 

lesen sie weiter   >> Anna Heringer, Gastkommentar „Ethik und Ästhetik“

 

>> www.anna-heringer.com

 

 

 

© 2013 Lena Eriksson

19.08.2013

URBAN ZENGARDENING schweiz LENA ERIKSSON

text LISA ZENTNER zeichnung LENA ERIKSSON

 

Lisa Zentner art collection

Lena Erikssons Zeichnungen sind stille, oft humorvolle Ausschnitte des Alltags. Reale und erdachte. Wunderbare Momente der Weltbeobachtung, achtsam, liebevoll und manchmal melancholisch.

 

>> Lena Eriksson, Künsterlin

>> Neuland

 

 

 

 

bench JAWA © 2013 INCHfurniture

10.08.2013

INCHfurniture Möbel aus Basel und Jawa

INCHFURNITURE möbel aus teakholz BASEL/ JAWA

Text LISA ZENTNER foto INCHfurniture

 

Handwerklich gefertigte Möbel von großer Prägnanz des Labels INCHfurniture entstehen in der Holzfachschule PIKA/ Jawa unter Verwendung von Teakholz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Hinter dem Label INCHfurniture stehen die Designer Thomas Wüthrich und Yves Raschle aus Basel. Ihr Ziel ist es, mit den Ressourcen möglichst schonend umzugehen und langlebige Möbelstücke zu schaffen. Die Bank „Jawa“ ist in ihrer Eleganz eine Augenweide, das Beistelltischchen „Loro“ ruft Erinnerungen an Entwürfe aus den 50ger Jahren des Wiener Designers Carl Auböck wach. Fotos aus Semerang geben Einblick in den Produktionsbetrieb PIKA auf Jawa.

 

>> INCHfurniture

 

 

 

27.07.2013

MUSIK LÄSST MATERIELLE ARMUT ZU GEISTIGEM REICHTUM WERDEN salzburg JOSÉ ANTONIO ABREU

text José Antonio ABREU foto MERIDITH KOHUT

 

Artikel aus  „Der Standard“, Samstag, 27. Juli 2013   Seite 30

Musiklehrer, Instrumente, Orchester für alle –  die Demokratisierung von Bildung und Kunst ist unabdingbar, um Gesellschaft und Staat zu verändern. Ausgewählte Auszüge aus der Eröffnungsrede  zu den diesjährigen Salzburger Festspielen. (...)

(...) "Der Begriff von Schönheit lässt sich, objektiv betrachtet, auf bestimmte künstlerische Eigenschaften und Werte anwenden. Doch die persönliche Erfahrung von Schönheit ist etwas Unaussprechliches: eine Ahnung von der Erfüllung durch die Liebe im Akt der Kontemplation."(...)

>> Weiterlesen auf  der Website "Der Standard"

 

 

 

foto: Didler Boy de la Tour

10.07.2013

ARBEITEN IM CHALET architekt SHIGERU BAN

text ULF MEYER foto DIDLER BOY DE LA TOUR
 
Mittwoch, 10. Juli 2013  Neue Zürcher Zeitung  Seite 18.
Ein Medienhaus wie aus dem Holz-Baukasten  
Der japanische Architekt Shigeru Ban hat für Tamedia an der Werdstrasse in Zürich ein 
Bürohaus ganz aus Holz gebaut. Die Konstruktion kommt ohne Leim, Nägel oder Schrauben 
aus.
«Journalismus ist Quatschen auf dem Flur» - diese Aussage von Henry Nannen scheint 
beim Neubau der Tamedia-Gruppe in Zürich in Architektur übersetzt worden zu sein: 
Shigeru Ban, der japanische Architekt, der für die Verwendung von Papier und Pappe in 
der zeitgenössischen Architektur bekannt wurde, hat für die Zürcher Mediengruppe ein 
Haus an der Sihl gebaut - eine Wiederentdeckung von Holz im Geschossbau auch für 
grosse, innerstädtische Bürohäuser. (...)
>> Weiterlesen in der "Neuen Züricher Zeitung"

 

 

 

foto TAZ.DE

08.07.2013

GENERISCHES MASKULINUM interview LUISE F. PUSCH

text CLAUDIA WIRZ foto TAZ.DE

 

Artikel aus „Neue Zürcher Zeitung“  Montag, 8. Juli 2013   Seite 38

Interview: Claudia Wirz 

Die Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch erklärt, warum es den Sprachfeminismus

braucht 

"Frau Pusch, was ist schlecht am Wort Fussgängerstreifen?"

"Fussgänger haben keine Streifen. Zebras wohl. Aber Spass beiseite. «Zebrastreifen» ist

sogar kürzer als «Fussgängerstreifen» oder «Fussgängerinnenstreifen». Also eine elegante

Lösung eines komplexen Sprachproblems. Das Problem ist das «generische Maskulinum»,

für das «Fussgängerstreifen» nur ein - noch relativ harmloses - Beispiel ist. Mehr dazu

später." (--)

>> Weiterlesen auf der Website "Neue Züricher Zeitung"

 

Luise F. Pusch ist Sprachwissenschafterin und eine der Begründerinnen der feministischen Linguistik in

Deutschland. Sie unterhält ihren Blog «Laut und Luise» auf www.fembio.org.

 

 

 

© 2013 werkraum

06.07.2013

WERKRAUM andelsbuch PETER ZUMTHOR

text JUB foto WERKRAUM

 

Artikel aus "Der Standard", Samstag, 6. Juli 2013  Seite 11

NEULAND

Ein Haus für das Handwerk vom Stararchitekten

Andelsbuch – Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat eine Leidenschaft für

gutes Handwerk aus dem Bregenzerwald. Die Handwerker wiederum, vereinigt im

Werkraum Bregenzerwald, können mit dem anspruchsvollen Pritzkerpreisträger. Seit

dem Bau des Kunsthaus Bregenz arbeitet man miteinander. Die Freundschaft

gipfelte am Freitag in der Eröffnung des Werkraum Haus in Andelsbuch. Zumthor

plante den anthrazitfarbenen Solitär aus Holz und Glas, die Werkraum-Mitglieder

bauten und finanzierten. Entstanden ist ein Versammlungsort und Schaufenster für

Handwerk und Form. Nun wird mehrere Wochen gefeiert. (jub)

 

>> Werkraum

 

 

 

MY COSMIC CAMPFIRE Olafur ELIASSON 2013 LENTOS, Linz

29.06.2013

IM MUSEUM IST KEINER ALLEIN Lentos Linz OLAFUR ELIASSON

Text WILTRUD HACKL Foto LENTOS

 

Artikel aus "Der Standard" vom 11.04.2013, Seite 32.

Mit „Your Cosmic Campfire“ bespielt der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson einen 800 m2 großen Raum im Linzer Lentos mit einer einzigen Lichtinstallation. Darüber hinaus ist er auch als Unternehmer und Aktivist präsent. Ein Gespräch. 

Linz – Der Mann hat eine Mission. Und alle hören ihm genau zu. (...)

Weiterlesen auf der website >> "Der Standard"

 

 

 

ALVARO SIZA foto Fernando GUERRA

29.06.2013

LANGSAM. UNENTBEHRLICH. Interview mit ALVARO SIZA

Text Wojcziech CZAJA Foto ABITARE

 

Artikel aus "Der Standard" vom 29.06.2013, Seite 40.

Am Dienstag feierte der portugiesische Architekt und Pritzker-Preisträger Álvaro Siza Vieira seinen 80. Geburtstag. Wir gratulierten ihm mit ein paar Fragen.

>> Weiterlesen auf der Website "Der Standard"

>> SIZA SIGN kurzfilm FERNANDO GUERRA www.ultimasreportagens.com

 

 

 

© Karin Hofer / Neue Züricher Zeitung

08.06.2013

FAVELA CAFÉ Art Basel TADASHI KAWAMATA

Text PHILIPP MEIER Fotos KARIN HOFER / NZZ

 

Artikel aus der "Neue Zürcher Zeitung" vom 08.06.2013, Seite 83

EIN RASTPLATZ FÜR DURCHREISENDE

Der Basler Messeplatz ist nicht wiederzuerkennen. Die städtebauliche Entwicklung hat an diesem für die Rheinstadt wichtigen Ort zu einer starken Verdichtung geführt. Ein aus silbernem Garn geflochtener, monumentaler Riegel hat sich quer über den Platz geschoben und die einst zur Innenstadt hin offene Raumsituation in einen abgeschlossenen Hof verwandelt. (...) 

>> Weiterlesen auf der Website "Neue Zürcher Zeitung"

 

 

 

© Iwaan Baan

08.06.2013

SOMMER-PAVILLON SERPENTINE GALLERY London SOU FUJIMOTO

Text MARION LÖHNDORF Fotos ARCHDAILY & IWAN BAAN

 

Artikel aus der "Neuen Zürcher Zeitung vom 08.06.2013, Seite 59.

EIN MÄRCHENHAUS AUS LUFT UND SCHATTEN

Einen Gartenpavillon als Märchenhaus des 21. Jahrhunderts baute Sou Fujimoto vor die Serpentine Gallery in den Kensington Gardens. Im Sonnenschein strahlt es als Wunderwerk an Transparenz, Geometrie und Poesie. Im Grunde ist der Bau des japanischen Architekten vor allem ein Gerüst aus weiss gestrichenen Eisenstangen, die zu Quadraten und Rechtecken zusammengesetzt wurden und am oberen Ende der Gesamtkonstruktion offen bleiben. Doch was auf den ersten Blick so klar und linear aussieht, verschwimmt beim Betrachten mit dem Effekt optischer Täuschungen eines Op-Art-Gemäldes. (...)

>> Weiterlesen auf der Website "Neue Zürcher Zeitung"

 

 

 

foto ROLAND HALBE

07.06.2013

TANZENDE BETONKUBEN berlin SERGEI TCHOBAN

text JÜRGEN TIETZ foto ROLAND HALBE
Freitag, 7.Juni 2013  Neue Zürcher Zeitung  Seite 13 
 
Sergei Tchobans neues Museum für Architekturzeichnung in Berlin  
Mit einer Ausstellung von Giovanni Battista Piranesis Zeichnungen der Tempel in Paestum 
wurde vor wenigen Tagen in Berlin das neue Museum für Architekturzeichnung eröffnet. 
Spektakulär ist nicht nur die Museumsgründung, sehenswert ist auch der skulpturale Neubau.  
Berlin hat ein neues Museum. Ein kleines zwar, aber eines, das allein schon dank seiner 
ungewöhnlichen Architektur und seinem Thema für Aufmerksamkeit sorgt. Gerade einmal 
acht Meter breit ist das neue Haus, das den Eingang zum Kultur-Campus am Pfefferberg in 
Berlin markiert. Mit ihm will der Architekt, Zeichner und Sammler Sergei Tchoban die 
öffentliche Aufmerksamkeit für das Genre der Architekturzeichnung stärken. (...)
>> Weiterlesen in der "Neuen Züricher Zeitung"

 

 

 

© 2013 Adrian Baer/NZZ

06.06.2013

DIE AKROBATISCHE RÜCKEROBERUNG DER STÄDTE zofingen WALTER AESCHLIMANN

text WALTER AESCHLIMANN foto ADRIAN BAER/ NZZ

Artikel aus der "Neue Zürcher Zeitung" vom 08.06.2013, Seite 83

 

Die akrobatische Rückeroberung der Städte

Mit einer Gruppe von Traceuren unterwegs in Zofingen

Skateboarder, Urban Climber, Breakdancer, BMX-Fahrer oder Slackliner: Subkulturelle Körperakrobaten erfüllen eine vielschichtige Rolle im öffentlichen Raum.

 

Joel misst den Abstand von einem Holzpfahl zum anderen mit den Füssen. Fast drei Meter. Dies ist sein Limit. «Wenn du diesen Sprung nicht schaffst, bist du übel dran», sagt er. Ohne Helm, auch schutzlos an Rücken und Gelenken, setzt er zum «Präzisionssprung» an. In der Hocke steht er auf dem zwei Meter hohen Pfosten. Zum anderen will er springen. Die Augen auf das Ziel fixiert, die Muskeln angespannt. Dann schnellt er los. (…)

 

>> Weiterlesen auf der Website „Neue Züricher Zeitung“

 

 

 

© 2013 Lisa Zentner

05.05.2013

FRÜHLING wien KÉRT

text LISA ZENTNER foto LISA ZENTNER

 

Frühling wie ein Sommer. Auf der Suche nach der Blauen Blume, im Botanischen Garten hinter dem Schloss Belvedere.

 

 

 

monticellodesigns

03.05.2013

BEOBACHTERIN DES ALLTAGS Inga Sempé

text ANDREA ESCHBACH foto MONTICELLODESIGNS

 

Artikel aus "Neuen Züricher Zeitung" vom 3.05.2013, Seite 45.

Ein Besuch bei der französischen Designerin Inga Sempé.

Die Designerin Inga Sempé gehört zu den anregendsten Gestalterinnen unserer Zeit. Aus Entwürfen resultieren wohldurchdachte Gegenstände voller Witz und Poesie, die den Alltag besser machen sollen.

Andrea Eschbach

Es herrscht Baulärm rund um die Place de la République. Am berühmten Platz im 10. Arrondissement sind die Bauarbeiten zu dessen Neugestaltung in vollem Gange. Zufahrtsstrassen wurden umgeleitet, Fussgänger drängen sich an Bauzäunen vorbei. Nicht weit von dem Getöse ist es in einem Hinterhof am Boulevard Magenta 46 überraschend ruhig. Dort, in einer Altbauwohnung im vierten Stock, lebt und arbeitet Inga Sempé. (...)

>> Weiterlesen auf der Website "Neue Zürcher Zeitung"

>> Video Inga Sempé from designo magazine

 

 

 

BANGKOK STRUGGLE foto PETER TRUSCHNER

20.04.2013

DAS FÜNFUNDDREISSIGSTE JAHR wien PETER TRUSCHNER

text STEFAN GMÜNDNER foto PETER TRUSCHNER

 

Artikel aus "Der Standard", Album vom 20.04.2013, Seite 1.

STÄNDIGE MOBILMACHUNG DES EGO

Peter Truschner hat einen Roman über einen Mittdreißiger geschrieben. Stefan Gmünder sprach mit dem Autor über Druck, Selbstoptimierung, das Geschlechterverhältnis und Schreibprozesse.

Das Problem sei, so der Erzähler in Peter Truschners neuem Roman Das

fünfunddreißigste Jahr (Zsolnay-Verlag, € 19,50), „dass man ab einem bestimmten

Punkt das Gefühl hat, dass nichts Großartiges mehr nachkommt“. Dass man zudem

fürchtet, seine Chance nicht genutzt zu haben, sich - weiters - „am Anfang jeder

Beziehung fragt, wie lange sie dauern wird“, und einen zudem das Gefühl

beschleicht, dass der Job einen zwar ernähren, aber nicht erfüllen wird. Ein

grauer Schleier legt sich somit über das Leben, „der schlimmer ist, als es die

Entdeckung der ersten grauen Haare sein könnte“.

>> Weiterlesen auf der Website "Der Standard"

 

 

 

11.04.2013

VOM VERSTOSSENEN ARCHITEKTEN ZUM OPERNVATER linz TERRY PAWSON/ ARCHINAUTEN/ ARCHITEKTURCONSULT

text WOJCIECH CZAJA  foto  BR

 

Artikel aus "Der Standard" vom 11.04.2013, Seite 32.

In Österreich war der hagere Brite mit graumelierter Igelfrisur bisher völlig

unbekannt. Das hat sich nun geändert. Heute, am Tag der offiziellen Eröffnung

der neuen Linzer Oper, ist der Londoner Architekt ein „big name“. Die

oberösterreichische Landespolitik schmückt sich mit seiner Internationalität und

reicht ihn als den großen „Vater des Musiktheaters“ herum. Dabei ist die

Vergangenheit eine ganz andere.

>> Weiterlesen auf der Website "Der Standard"

 

 

 

 

02.02.2013

LISA ZENTNER design collection

text LISA ZENTNER fotos LISA ZENTNER ARCHITEKTUR

 

Seit dem Studium sammle ich Stühle und Sessel. Sie sind die Essenz von Einrichtung: nichts bestimmt so sehr den Charakter eines architektonischen Raumes, wie ein Sitzmöbel. Wird es benützt, muss es den Kriterien der Ergonomie entsprechen und soll einen der Funktion angemessenen Sitzkomfort bieten. Wird es nicht benutzt, wirkt es als Objekt im Raum. Dann entfaltet es seine skulpturalen Eigenschaften innerhalb der Raumhülle.

 

 

 

foto JÜRG ZIMMERMANN

19.01.2013

GEMEINSCHAFTSSINN UND HUMANISMUS architektin FLORA RUCHAT-RONCATI

text SACHA MERZ foto JÜRG ZIMMERMANN

 

Artikel aus der "Neue Zürcher Zeitung", Samstag, 19. Jänner 2013   Seite 63

Flora Ruchat-Roncati - die erste grosse Tessiner Architektin

Am Bau des Freibades von Bellinzona, einem Meisterwerk der neueren Schweizer Architektur, war sie massgebend beteiligt: Flora Ruchat-Roncati (1937-2012). Ihr stilles, zukunftsorientiertes OEuvre und ihre Lehrtätigkeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich machten sie zur ersten grossen Tessiner Architektin.

Die Auseinandersetzung mit dem Territorium sowie mit dessen natürlichen und städtischen Grössenordnungen prägte das Schaffen der im Oktober 2012 verstorbenen Architektin Flora Ruchat-Roncati (NZZ 29. 10. 12). Dennoch boten sich für die Tessinerin zeitlebens erstaunlich selten Gelegenheiten, im urbanen wie im landschaftlichen Kontext zu intervenieren. Diese wenigen Arbeiten wusste sie präzise zu nutzen, als Versuch, den Ort zu ergänzen, bewusst in diesen einzugreifen und ihn in die Dimension der Gegenwart überzuführen.

>> Weiterlesen auf der Website der "Neuen Züricher Zeitung"

 

 

 

Nino Mandl

01.01.2013

Der Nino aus Wien - Schlusslied

1. Jänner 2013

SCHLUSSLIED | der Nino aus Wien

Text | Musik NINO MANDL

 

" ... immer diese lauten, unangenehmen Leute und sie reden viel zu viel. Immer dieses Diskutieren. Als hätt'  mich das jemals interessiert. Ihr wisst nicht, wie selten ich irgendwas darunter find', was mir wirklich wichtig ist ..."

 

>> fm4 soundpark studio 2 session

 

 

 

FF chambers © fontfont

31.12.2012

Am Anfang stand die Schrift

FF Chambers von Verena Gerlach

 

Mit ihr beginnt alles: die Wahl der Typografie steht am Anfang und ist für mich das A und O jeder visuellen Identität.

Helga, meine Lieblingsgrafikerin, hat mir diese Schift - neben anderen - am Beginn der Arbeit am CI meines Büros vorgestellt.

Ich habe mich für Chambers entschieden. Eine Schifttype mit starker Identität. Und jeden Tag freue ich  mich, wenn ich ihr wieder begegne.

 

>> Verena Gerlach, type graphik design

>> Helga Innerhofer, Visuelle Kommunikation